"Merkozy" werden Angela Merkel und Nicolas Sarkozy inzwischen genannt - die Schuldenkrise hat beide zusammengeschweißt. Merkels Hilfe im Wahlkampf des Franzosen ist allerdings ein riskantes Manöver.
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PETER HEUSCH
Geste der Freundschaft: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy verstehen sich. Aber Merkels Wahlkampfhilfe für den Franzosen ist umstritten. Foto: afp
Paris In zwei Urnengängen, am 22. April und am 6. Mai, entscheiden die Franzosen nicht nur, wer ihr künftiger Präsident sein wird. Ihre Wahl dürfte auch einen erheblichen Einfluss auf die künftige Europapolitik sowie auf die deutsch-französischen Beziehungen haben. Für die Bundeskanzlerin sind das triftige Gründe, Partei zu ergreifen. "Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal, was er tut", erklärte Angela Merkel zu Wochenbeginn in einem gemeinsamen TV-Interview mit dem französischen Präsidenten.
Die Schulden-Krise in Europa hat Merkel und Sarkozy, die zuvor keineswegs immer harmonisierten, zu dem nahezu unzertrennlichen Tandem "Merkozy" zusammengeschweißt. Die Nähe beider Politiker ist echt und der Kanzlerin sogar einen Tabubruch wert. Bisher nämlich galt der auch von Merkel stets verfochtene Grundsatz, dass sich deutsche Regierungen nicht in ausländische Wahlkämpfe einmischen. Ein Prinzip, welches sie nun vor laufenden Kameras über Bord warf.
Weil die Wiederwahl Sarkozys gefährdet ist, will Merkel in den kommenden Monaten an Wahlkampfauftritten des Präsidenten teilnehmen. Nicht als Kanzlerin, versteht sich, sondern als CDU- Vorsitzende. "Es ist in Europa üblich, dass sich befreundete Parteien unterstützen", rechtfertigt sie diese Entscheidung. Trotzdem stellen die Wahlkampftrips der Kanzlerin ein riskantes Manöver dar. Schließlich lässt sich nicht ausschließen, dass es Merkel nach dem 6. Mai doch mit dem in allen Umfragen führenden Sozialisten François Hollande zu tun haben wird.
Natürlich weiß auch Merkel, dass Hollande derzeit die besseren Chancen hat, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Wenn sie nun dennoch demonstrativ alles auf die Karte Sarkozy setzt, dann tut sie das auch in der Überzeugung, dass den deutsch-französischen Beziehungen mit Hollande im Elysée-Palast ohnehin eine Eiszeit droht. Schließlich hat der sozialistische Spitzenkandidat bereits unmissverständlich klar gemacht, dass er einen offenen Konfrontationskurs zur Europapolitik der Bundeskanzlerin einzuschlagen gedenkt.
Hollande verspricht den Franzosen nicht nur, dass er den von ihm als "deutsches Diktat" bezeichneten EU-Fiskalpakt aufkündigen wird. Er fordert zudem die Einführung von Euro-Bonds und rüttelt an der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB). Kein Wunder also, dass Merkel in ihm eine Bedrohung aller bisherigen Anstrengungen sieht, die Gemeinschaftswährung zu retten.
Die Frage, wie sich die Franzosen zu Deutschland stellen, ist schon vor dem TV-Interview von "Merkozy" zu einem der zentralen Themen im französischen Wahlkampf geworden. Sarkozy nutzt jede Gelegenheit, um in den höchsten Tönen vom "deutschen Modell" zu schwärmen und Gerhard Schröders Agenda 2010 als Vorbild für eine Reformpolitik zu zitieren, die er als wiedergewählter Präsident umsetzen will. Die renommierte Pariser Tageszeitung "Le Monde" ätzte in diesem Zusammenhang, Sarkozys Wahlkampfmotto laute eigentlich: "Deutschland über alles!"
Ohnehin spekulieren französische Zeitungen bereits, dass sich die "Überdosis" Deutschland als Bumerang für Sarkozy herausstellen und antideutsche Gefühle stärken könnte. In diesem Falle aber droht sich die Merkelsche Wahlkampfhilfe trotz des guten Images, welches die Kanzlerin bei den Franzosen genießt, als kontraproduktiv zu erweisen.
Einmischung von deutscher Seite gibt es aber auch anderweitig: Gestern kündigte SPD-Vize Hannelore Kraft an, dass ihre Partei die französischen Sozialisten "vor Ort" im Wahlkampf unterstützen werde.