Bayern gehört zu den ersten Flächenländern mit doppeltem Abiturjahrgang. Im kommenden Jahr werden dort erstmals G8-Schüler die Reifeprüfung ablegen, letztmals Schüler des neunjährigen Gymnasiums.
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IRIS HILBERTH
Zwei Jahrgänge machen im kommenden Jahr in Bayern die Abiturprüfung, mehr als 68 000 Schüler fallen darunter. Foto: dpa
München Wenn in zwei Wochen in Bayern das neue Schuljahr beginnt, werden sich gleich zwei Jahrgänge auf das Abitur 2011 vorbereiten. Denn das bisherige neunjährige Gymnasium geht mit der letztmals existierenden 13. Jahrgangsstufe im kommenden Frühjahr endgültig zu Ende, der erste Jahrgang des achtjährigen Gymnasiums macht nach der 12. Klasse ebenso seinen Schulabschluss. Bayern ist neben Niedersachsen das erste große Flächenland, in dem durch die Verkürzung der Gymnasialzeit zwei Jahrgänge gleichzeitig Abi machen. 2012 und 2013 folgen Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Der doppelte Abiturjahrgang stellt Schulen wie Hochschulen im Freistaat vor besondere Herausforderungen. Noch dazu sind zwei besonders geburtenstarke Jahrgänge betroffen. 32 000 Absolventen des achtjährigen und 36 400 des neunjährigen Gymnasiums meldet das Bayerische Kultusministerium. Dessen Hausherr, Minister Ludwig Spaenle (CSU) und sein Kollege aus dem Wissenschaftsministerium, Wolfgang Heubisch (FDP), versuchen dennoch Optimismus zu verbreiten, auf die administrative Herausforderung an den Schulen und den Ansturm auf die Hochschulen gut vorbereitet zu sein.
Für die Abiturienten in Bayern hat das Kultusministerium im kommenden Jahr zwei verschiedene Prüfungstermine festgesetzt. Die G9-Schüler legen bereits Mitte März bis Mitte April ihre schriftlichen und mündlichen Prüfungen ab und erhalten ihr Abizeugnis am 2. Mai. Mit einem Bewerberzeugnis vom 23. Dezember 2010 können sie sich schon um ein Studium im Sommersemester 2011 bemühen. Die G8-Schüler werden wie üblich von Mitte Mai bis Mitte Juni geprüft und erhalten ihre Hochschulreife am 1. Juli. Für G9-Kandidaten, die im ersten Anlauf durch die Prüfungen fallen, gibt es Nachtermine zwischen dem 5. und 23. September. Allerdings kann nicht in allen Studienfächern bereits im Sommersemester begonnen werden. "Bei den harten Numerus-clausus-Fächern wie Medizin und Pharmazie ist das nicht möglich", räumt Heubisch ein.
Der FDP-Minister wertet es insgesamt als positiv, dass Bayern als erstes Land den doppelten Abiturientenjahrgang bewältigen muss. Damit hätte der Freistaat sowohl qualitative als auch quantitative Vorteile bei der Suche nach Lehrpersonal. "Irgendwann hätten wir den Schritt gehen müssen, und es ist besser, dass wir ihn jetzt gehen", sagt er.
76 000 Studienanfänger erwartet er im Jahr 2011, 72 000 im Jahr darauf. Das seien 16 000 und 12 000 mehr als aktuell. Bis dahin wolle die Staatsregierung 38 000 zusätzliche Studienplätze schaffen und 3000 zusätzliche Personalstellen besetzen. Im Koalitionsvertrag seien 10 000 weitere Studienplätze vereinbart. Zwar muss Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sparen. "Ich gehe frohen Mutes in die Verhandlung für den Haushalt", sagt Heubisch dennoch.
Der Verein der Bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht den doppelten Abiturjahrgang als "letzte Chance für einen nachhaltigen Vorteil für die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt". Die Anforderung an die Wirtschaft selbst mit 3500 bis 7000 zusätzlichen Bewerbern für den bayerischen Ausbildungsmarkt könne bewältigt werden, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Den befürchteten Verdrängungswettbewerb zwischen Gymnasiasten und Haupt- und Realschülern sieht er nicht. "Bestimmt Schulabschlüsse werden mit bestimmten Berufen verbunden und das Auswahlverfahren der Unternehmen ist seit Jahren so strukturiert, dass es eine solche Verdrängung nicht geben wird."