07.07.2012 Drucken Empfehlen
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Ferdos Forudastan spricht für Bundespräsident Gauck

Kleine Frau mit großem Ego

Einige Absagen hat sich Bundespräsident Gauck auf der Suche nach einer Pressesprecherin geholt, nun ist er endlich fündig geworden: Ab 1. September übernimmt die Journalistin Ferdos Forudastan diesen Job.

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GUNTHER HARTWIG

Berlin Als Joachim Gauck am 18. März mit Stimmen von Union, FDP, SPD und Grünen zum Bundespräsidenten gewählt wurde, trennte er sich umgehend von der amtierenden Pressesprecherin Petra Diroll, die zuvor ohne Tadel für Horst Köhler und Christian Wulff gearbeitet hatte. Diese Entscheidung war in Berliner Journalistenkreisen nicht nur auf Verständnis gestoßen.

Artikelbild: Kleine Frau mit großem Ego Übernimmmt keine leichte Aufgabe: Ferdos Forudastan. Foto: dpa

Kommissarisch sprach Andreas Schulze in den ersten Monaten für Gauck, Leiter der Stabsstelle Kommunikation im Bundespräsidialamt und ein enger Vertrauter von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Schulze hatte Gauck schon bei dessen erster Kandidatur als Bundespräsident im Jahr 2010 unterstützt.

Mehrere Absagen umworbener Kandidatinnen mit Migrationshintergrund gab es, ehe jetzt Ferdos Forudastan einwilligte, nach der Sommerpause Pressesprecherin des Bundespräsidenten zu werden. Die 1960 in Freiburg geborene Journalistin, die vor Jahren für die linke "tageszeitung" und die linksliberale "Frankfurter Rundschau" aus Bonn über die Bundespolitik berichtete, ist mit Michael Vesper (60) verheiratet, dem ehemaligen grünen Bauminister in Nordrhein-Westfalen und heutigen Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes in Frankfurt/Main. Das Paar lebt mit drei Kindern in Köln.

Die Politologin und Juristin mit iranischen Wurzeln war zuletzt als Buchautorin, Kolumnistin und Rundfunkmoderatorin tätig. Sie hat sich besonders einen Namen als Expertin für Fragen der Inneren Sicherheit und der Bürgerrechte gemacht. In Bonn galt Ferdos Forudastan, eine kleine Frau mit großem Ego, als mutige Verfechterin einer betont progressiven Asyl- und Integrationspolitik. Damit stieß sie vor allem im Lager der Union, zuweilen aber auch bei Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) auf scharfe Kritik.

In Pressekonferenzen oder Hintergrundgesprächen duellierte sie sich gern mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), den sie stets als "Herr Kohl" ansprach, worauf sich der Pfälzer in seinen Antworten mit einem süffisanten "Gnädige Frau" revanchierte.

Für selbstbewusste Journalistinnen wird der Frontwechsel auf die Seite der Politik nicht immer von Erfolg gekrönt. Eben erst warf die erfahrene Rundfunkkorrespondentin Sabine Adler (Deutschlandfunk) als Pressesprecherin von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) entnervt das Handtuch. Über die Nachfolge ist noch nicht entschieden.

Nun wartet auf Ferdos Forudastan im Schloss Bellevue ein mindestens vergleichbar schwieriger Job. Zum einen hat sich die Medienszene mit dem Umzug nach Berlin stark verändert, zum anderen wird die mehrfach preisgekrönte Publizistin einem eigenwilligen Chef dienen. Auf beide, den Präsidenten wie seine neue Sprecherin, werden sich demnächst also viele kritische Blicke richten.

07.07.2012 - 08:30 Uhr

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