Hunde sind für ihr sensibles Riechorgan bekannt. Die Besten unter ihnen erschnüffeln nach entsprechender Ausbildung sogar Krebszellen.
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NORBERT MAPPES-NIEDIEK
Amy rennt an dem Brett mit Röhrchen vorbei, schnüffelt, rennt weg, kommt zurück und setzt sich hin. Wenn dann Wolfgang Gleichweit mit dem Hundekuchen kommt, wird die Golden-Retriever-Dame richtig wild vor Begeisterung. "Vor allem viel Freude am Spielen und Trinken müssen sie haben", sagt der Mann über seine Hunde.
Was den Tieren Spaß macht, ist bitterernst: Die Hunde riechen Krebszellen. Gleichweit, bis zur Pensionierung Ausbilder für Polizeihunde, hat in seinem steirischen Heimatörtchen Frohnleiten die weltweit erste lebendige Screening-Station für Lungenkarzinome ausgebildet. Bis zu zwanzig Mal müssen fünf trainierte Hunde an einem Röhrchen mit einer Probe Atemluft vorbei laufen.
Riechen sie etwas, bleiben sie sitzen. Je mehr Hunde sitzen bleiben, desto wahrscheinlicher ist die Probe positiv. "Wir haben jetzt eine Trefferquote von 80 bis 90 Prozent", sagt Gleichweit. Der 62-Jährige hat in seinem Berufsleben mit Sprengstoffsuchhunden die halbe Welt erschnüffelt.
Dass Hunde Lungenkrebs riechen können, gilt als erwiesen, seit eine Forschergruppe der Pine-Street-Klinik in Kalifornien 2006 die Ergebnisse einer kontrollierten Studie veröffentlichte. Die Hunde lagen bei Brustkrebs in 88 Prozent der Fälle richtig, bei Lungenkrebs sogar zu 99 Prozent. Weitere Studien sind in Arbeit. Das Problem ist: Die Qualität der Riechhunde ist nicht beliebig reproduzierbar. Nicht jeder Hund sei geeignet, sagt Gleichweit. Am besten sind Rassen mit langen Nasen und entsprechend vielen Riechzellen. Er selbst hat Schäferhunde, Dobermänner, Labrador und Golden Retriever ausgebildet.
Für die Ausbildung gelten dieselben Regeln wie für andere Suchhunde. Der Spieltrieb der Hunde müsse im Training befriedigt werden, betont der Hundeführer. Die Belohnung danach stille den Beutetrieb. Unter Zwang kommt Verkehrtes heraus. "Auch ein Hund kann lügen", sagt Gleichweit. Die Idee zur Profi-Staffel kam ihm 2003 in den USA, wo Hunde zur Hautkrebsfrüherkennung eingesetzt wurden.
Früherkennung ist gerade bei Lungenkarzinomen schwierig: Weiß man Bescheid, ist es oft schon zu spät - großer Bedarf also für sensible Schnüffler. Eine Firma vermarktet die Spürqualitäten von Gleichweits Hunden bereits. Für 98 Euro kann jeder eine Probe nach Österreich schicken. Aber einen vernünftigen Platz in der Diagnostik-Kette haben die Schnauzen noch nicht gefunden. Denn mit ihren Fehlerquoten sind Hunde zwar dem klassischen Lungenröntgen überlegen. An die Trefferquoten der teuren und umständlichen Bronchoskopie kommen sie aber nicht heran. Wer fürchtet, an Lungenkrebs zu leiden, könnte sich also nach einem negativen Hunde-Test in falscher Sicherheit wiegen - immerhin gut zehn Prozent der Probanden.