Das Schimpfwort "Hure" wird in Frankreich zum Ehrentitel. Auslöser sind hässliche Tiraden aus dem Iran gegen Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy.
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PETER HEUSCH
Tiraden aus dem Iran, Zuspruch daheim: Carla Bruni-Sarkozy.
Paris "Wir sind alle Nutten!", kommentierte gestern eine wütende junge Frau auf Twitter Ausfälle der Teheraner Presse, die Frankreichs First Lady als Prostituierte beschimpft hat. Die kurze Twitter-Wortmeldung, die sich in Windeseile ausbreitete, ist beileibe kein Einzelfall. Vor allem durch die sozialen Netzwerken und Internetforen links des Rheins rollt derzeit eine regelrechte Welle der Solidarisierung mit Carla Sarkozy-Bruni.
Seit Tagen hetzt die regierungstreue iranische Zeitung "Kayhan" gegen Bruni. Ihren Höhepunkt erreichten die Angriffe vorgestern mit der Behauptung, dass "die italienische Hure den Tod verdient" habe. Laut dem Teheraner Blatt erklärt schon der Lebenswandel "dieser unmoralischen Frau, die es geschafft hat, die Familie Sarkozy zu zerstören und den französischen Präsidenten zu heiraten", weshalb sie sich jetzt zur Anwältin einer iranischen Ehebrecherin aufschwinge.
Tatsächlich hat sich Carla Bruni in einem offenen Brief für die Iranerin Mohammadi Aschtiani eingesetzt, die wegen Ehebruchs gesteinigt werden soll. "Frankreich wird sie nicht aufgeben", heißt es in dem von zahlreichen französischen Prominenten unterschriebenen Brief. Die offizielle Pariser Reaktion fiel eher verhalten aus. Die Beleidigungen der Ehefrau des Staatschefs seien "inakzeptabel", erklärte das Außenministerium. Der iranischen Führung wurde eine Protestnote zugeleitet. Dass sich dann ein Sprecher des iranischen Außenamts von der "gegenüber ausländischen Repräsentanten nicht korrekten Berichterstattung" distanzierte, ließ die Aufregung kaum abklingen.
"Wenn eine freie und mutige Frau, die sich gegen die Todesfolter der Steinigung einsetzt, als Hure bezeichnet wird, macht das dieses Schimpfwort zu einem Ehrentitel", schreibt die Studentin "Jasmine".