Flugzeug mit deutschen Soldaten kommt wegen Aschewolke nur bis Istanbul
Die fünf verwundeten Soldaten sind gestern aus Afghanistan ausgeflogen worden. Ziel war eine Klinik in Istanbul. Eine Landung in Deutschland, wie zunächst vorgesehen, sei wegen der Aschewolke zu gefährlich.
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ULRIKE SCHLEICHER UND DDP
Zum Gedenken an die Toten: Vor dem Bundeswehrkrankenhaus in Ulm weht eine Flagge auf Halbmast. Foto: Matthias Kessler
"Ich habs nur im Radio gehört, dass schon wieder Soldaten da drunten in Afghanistan getötet worden sind." Ein alter Mann im Trainingsanzug sitzt auf einem Sofa im Eingangsbereich des Bundeswehrkrankenhauses (BWK) in Ulm. Sein Gegenüber nickt bestätigend. Dann herrscht Stille. Um die beiden herum geht alles seinen Gang im BWK an diesem Freitagnachmittag: Patienten werden abgeholt, Besucher fragen an der Information, wo dieses und jenes Zimmer zu finden ist.
Begleitete die Verletzten: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.
Dann kommen plötzlich drei, vier Feldjäger an einen kleinen Tisch in einer Ecke. Ein Soldat gibt Instruktionen. Wortfetzen sind zu hören. Es geht um Konvois für ankommende Fahrzeuge. Wie und wo Straßen und Kreuzungen freigehalten werden müssen. Welcher Weg ins BWK hinein und innerhalb der Klinik gegangen wird - im Fall des Falles. Der tritt dann ein, wenn die am Donnerstag bei einem Gefecht in Afghanistan verletzten Soldaten in Ulm behandelt werden. "Wir sind vorbereitet, wenn sie kommen sollten", sagt Helmut Hillmann, Presseoffizier des BWK auf Anfrage.
Das BWK in Ulm ist eines von insgesamt fünf Bundeswehrkrankenhäusern in Deutschland. Andere Standorte sind Koblenz, Berlin und Hamburg und unter ziviler Verwaltung Westerstede. Die beiden größten Einrichtungen - Koblenz und Ulm - sind laut Hillmann auf die "Maximalversorgung von Patienten" ausgerichtet, alle Verletzungen könnten also operativ behandelt werden.
Trotzdem war Ulm bis gestern Nachmittag als Behandlungszentrum für die verletzten Soldaten, die am Donnerstag bei einem Gefecht im Norden Afghanistans verwundet worden waren, im Gespräch. Der Grund war die Aschewolke, die wegen des Vulkanausbruchs in Island gestern sämtliche Flughäfen in Europa lahmlegte. Süddeutschland kam als Anflugsziel noch bis zum frühen Nachmittag in Frage. Man wäre in Stuttgart gelandet und hätte die Verletzten mit entsprechend ausgerüsteten Sanitätsfahrzeugen nach Ulm gefahren. "Hubschrauber sind viel zu kompliziert", sagte Hillmann.
Aber als auch der Flugverkehr in Stuttgart beeinträchtigt war, wurden die Soldaten zunächst nach Istanbul geflogen. "Es geht um die Sicherheit der Verletzten", unterstrich der Pressesprecher. Auf keinen Fall werde man irgendwelche flugtechnischen Risiken in Kauf nehmen. Es sei jedoch wichtig, die Verwundeten in den europäischen Raum zu bringen. In der Istanbuler Klinik seien Intensivzimmer für sie vorbereitet. "Im Moment haben wir deshalb unsere Aktivitäten hier in Ulm eingestellt", so Hillmann.
Heute sollen die verletzten Soldaten nach Deutschland und dort weiter nach Koblenz und Ulm gebracht werden. Einer der Schwerverletzten war noch am Donnerstag in Kundus operiert worden. Mit an Bord der MedEvac-Maschine nach Istanbul war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der am Donnerstag bereits auf dem Heimweg von seinen Truppenbesuchen in Afghanistan gewesen war. Der ihn begleitende Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, wird auf dem nordafghanischen Stützpunkt bleiben, um dort an der für morgen geplanten Trauerfeier für die vier gefallenen Soldaten teilzunehmen. Anschließend wird er die Särge bei der Rückführung nach Deutschland begleiten.