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Auf der Suche nach Marita

Eine argentinische Mutter kämpft seit zehn Jahren gegen Menschenhändler

Auf der Suche nach ihrer entführten Tochter trotzt die argentinische "Mutter Courage" allen Widrigkeiten. Auch nach einem Skandal-Freispruch für Menschenhändler gibt Susana Trimarco ihren Kampf nicht auf.

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SANDRA WEISS

Puebla Zweimal hat sie Attentate überlebt, die Todesdrohungen zählt sie schon gar nicht mehr; einmal hat man ihr Haus angezündet, und alles nur, weil sie ihre Tochter sucht. Die Presse nennt sie "Die Mutter Courage Argentiniens". Jetzt hat ein skandalöses Gerichtsurteil in ihrem Fall Massenproteste ausgelöst. Susana Trimarco wurde für den Friedensnobelpreis nominiert, und sogar Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner rief bei ihr an: "Susana, viel Kraft, ich weiß nicht, wie du das alles aushalten kannst."

Artikelbild: Eine argentinische Mutter kämpft seit zehn Jahren gegen Menschenhändler Susana Trimarco sucht seit zehn Jahren nach ihrer Tochter, die von einem Menschenhändlerring verschleppt wurde. Die Mutter schleuste sich in die Welt der Zuhälter ein, erwirkte Razzien und brachte viele Fälle vor Gericht. Das Bild zeigt die "Mutter Courage" Argentiniens im Jahr 2007. Foto: afp

Trimarcos Tochter Marita verschwand nicht einfach so - sie wurde von Menschenhändlern entführt. Und ihrer verzweifelten Mutter gelang es, sich in die Welt der Zuhälter einzuschleusen. Nur mit der Hilfe eines befreundeten Polizisten deckte die 58-Jährige aus der nordargentinischen Provinz Tucumán finsterste Zustände auf. Seit 2008 wurden offziellen Angaben zufolge 3500 argentinische Frauen aus der Zwangsprostitution befreit, aber nur 122 Prozesse angestrengt, von denen gerade einmal 40 in einem Urteil endeten.

Zehn Jahre sind vergangen seit dem fatalen 3. April 2002, doch noch immer schmerzen die Erinnerungen daran. "Marita war zu einem Arzttermin ins Krankenhaus gegangen", erzählt Trimarco. "Als es spät wurde und sie noch immer nicht kam, ahnten mein Mann und ich gleich Schlimmes. Wir alarmierten sofort die Polizei und gingen los und fragten überall nach ihr." Von der Polizei - die, wie sich später herausstellte, mit den Verbrechern unter einer Decke steckte - kam keine Hilfe. Nur dank eines Tipps fand Trimarco einen Augenzeugen, der gesehen hatte, wie die 23-jährige Marita - Mutter einer dreijährigen Tochter - von drei Personen geschlagen und in ein Taxi gezerrt wurde. Kurze Zeit später war der Augenzeuge verschwunden, aber Trimarco hatte einen Plan: Sie verkleidete sich als Zuhälterin, ging in die Bordelle und gab vor, auf der Suche nach neuen Mädchen zu sein. "Es waren 14-jährige Kinder darunter, vielen stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben", schildert sie.

So klapperte sie mehrere Bordelle in Tucumán ab. Drei Monate später erwirkte sie einen Durchsuchungsbefehl in einer Bar. "Mein Mann und ich haben uns auf die Tanzfläche gestellt und den Mädchen gesagt, dass diejenigen, die gegen ihren Willen festgehalten werden, mit uns kommen können", erzählt die hagere Frau. Ein Mädchen rannte sofort auf sie zu und umarmte sie. Später avancierte Anahí zu einer wichtigen Informantin und Zeugin. Sie hatte Marita gesehen, aber die Razzia kam zu spät: der Menschenhändlerring hatte sie bereits weggebracht. Das Telefonbuch eines Polizisten brachte die Mutter auf die nächste Spur - doch immer war Marita schon weg.

2007 gründete Susana Trimarco eine Stiftung für ausgebeutete Frauen. Mehr als 800 Fälle hat sie seither vor Gericht gebracht, mehr als 400 Frauen konnten gefunden und befreit werden, ein Gesetz gegen Menschenhandel wurde verabschiedet. Doch Marita blieb verschwunden. Und nicht nur das: 2010 starb Trimarcos Mann nach schweren Depressionen. Und der Frauenhändlerring, der dank ihrer Ermittlungen aufflog, landete zwar vor Gericht. Aber Mitte Dezember wurden alle 13 Personen freigesprochen - darunter Polizisten und Bordellbetreiber - trotz vieler belastender Zeugenaussagen von Frauen, die mit Marita in Bordellen waren.

Auch Marita wurde demzufolge von ihrem Zuhälter José Fernando Gómez alias Chenga vergewaltigt und gezwungen, ein Kind auszutragen. Von dem Geld, das ihre Tochter verdiene, würde er die Anwaltskosten bezahlen, ließ er Trimarco ausrichten. Von einer "Schande" sprachen nach dem Urteil Menschenrechtler, Kriminologen und sogar Präsidentin Kirchner. Doch Susana Trimarco gibt nicht auf. Sie ging in Berufung und strengte ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Richter an: "Solange ich Marita nicht finde, habe ich keinen Frieden. Und ich werde dafür sorgen, dass ihr ihn auch nicht habt."

24.12.2012 - 08:30 Uhr

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