Peter Struck, der kurz vor Weihnachten gestorben ist, wird vermisst in Berlin - auch von der parteipolitischen Konkurrenz.
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GUNTHER HARTWIG
Berlin Ein Freund, ein guter Freund - der ist äußerst selten in der Politik. Schon überhaupt einer, der auch noch die Grenzen der politischen Lager spielend überwindet. Peter Struck aber war so einer, gestern wäre er 70 Jahre alt geworden. Eigentlich hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Geburtstagsfeier für ihren Vorsitzenden geplant, nun wurde es eine Gedenkstunde mit einem riesengroßen Freundeskreis, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) an der Spitze.
Was war das Geheimnis des früheren SPD-Fraktionschefs und Verteidigungsministers? Rezzo Schlauch, Strucks Koalitionspartner in der rot-grünen Ära, sagte es so: "Vertrauen, das war der Schlüssel seiner Strahlkraft." Der so knorrig erscheinende Genosse hat es verstanden, Vertrauen aufzubauen und nicht zu enttäuschen, in der SPD, beim politischen Gegner, in der Bundeswehr. Schlauch: "Er war ein Guter."
Auch Volker Kauder, der CDU/CSU-Fraktionschef, ist in der Zeit der großen Koalition zum Struck-Freund geworden. "Volker", so habe der eingefleischte Parlamentarier ihm gleich zu Beginn ihrer schwarz-roten Partnerschaft erklärt, "wenn die Minister was von uns wollen, müssen die zu uns kommen, in unser Büro." So ist es geschehen, und Kauder verriet, dass sich besonders die beiden Sozis Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück schwer mit den selbstbewussten Fraktionsführern taten. Einmal habe Struck den Finanzminister angeknurrt: "Peer, es ist gut." Und Steinbrück habe fortan Ruhe gegeben.
Ex-Kanzler Gerhard Schröder sang ebenfalls ein Lied von der zuverlässigen Unabhängigkeit des niedersächsischen Parteifreundes: "Mit Basta war dem Peter nicht beizukommen." Doch das Schöne an Struck war: "Auch im härtesten Konfliktfall stand seine Loyalität nie in Frage. Selbst wenn es mal gekracht hat, sagte er: Nun ist gut, wir machen weiter."
Schröder und Schlauch fehlt der Kumpel aus rot-grünen Tagen sehr. Und Volker Kauder? Mehrfach hat Struck ihn in den letzten zwei, drei Jahren gefragt, gern im Beisein liberaler Koalitionspartner des CDU-Spezis: "Volker, vermisst du mich?" Gestern gab der Schwabe die Antwort: "Ja, ich vermisse ihn!"
25.01.2013 - 08:30 Uhr
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