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Kosten und Korruption

48 Kilometer schwarzer Kaviar in Sotschi

Schon zwei Jahre vor Beginn der olympischen Winterspiele hat Sotschi alle Rekorde gebrochen, was Kosten und Korruption angeht.

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STEFAN SCHOLL

Die Snowboardtrasse ist gerade fertig geworden, an der Bob- und Rodelbahn wird noch emsig gebaut. "Ehrlich gesagt, ich habe das Gefühl, dass das bis am 20. Februar nichts mehr wird", seufzte Präsident Dmitri Medwedew kürzlich beim Besuch der olympischen Baustelle im Skidorf Krasnaja Poljana.

In zwei Jahren werden in Sotschi die Olympischen Winterspiele eröffnet. Die Bobbahn wollte man eigentlich schon im Februar testen. Aber die Arbeiten sind im Verzug, ebenso wie bei den Skisprungschanzen. Laut Medwedew sind 83 olympische Objekte bereits einsatzbereit. Auch die großen Eisstadien im Badeort Adler am Schwarzen Meer stehen. An 41 noch unfertigen Projekten bauen über 52 000 Arbeiter.

Sehr wahrscheinlich werden die Russen so wie alle Ausrichter vor ihnen rechtzeitig fertig. Allerdings herrscht immer wieder Chaos. Bauarbeiter, die um ihre Löhne geprellt wurden, gingen in den Hungerstreik, ebenso wie Bewohner von Häusern, die den Eisstadien weichen mussten. Auch bei der 2007 gegründeten Staatskooperation "Olimpstroj", die für die Bauarbeiten verantwortlich ist, gab es viel Wirrwarr. Der Chefsessel wechselte bereits viermal den Besitzer. "Olimpstroj" gilt als undurchsichtig. Ein Großteil der Bauaufträge wird offenbar an sehr eng befreundete Firmen oder gegen enormes Bakschisch vergeben. "Wenn du da mitbauen willst, musst du damit rechnen, dass 50 Prozent deiner Ausgaben Schmiergeld sind", sagt ein deutscher Bauunternehmer unserer Zeitung anonym.

Dementsprechend teuer werden die Spiele. Allein die 48 Kilometer lange Schnellstraße von Adler hinauf nach Krasnaja Poljana hat 7,5 Milliarden Dollar gekostet, 140 Millionen Dollar für jeden Kilometer. Der russische Esquire hat ausgerechnet, dass man für das Geld die Strecke auch mit einer 1,1 Zentimeter dicken Schicht aus schwarzem Kaviar hätte bestreichen können.

Bei der Olympiabewerbung 2007 veranschlagte Moskau Gesamtkosten von elf Milliarden Dollar. Inzwischen wird offiziell mit 32 Milliarden Dollar gerechnet, Prognosen befürchten gar eine Endsumme bis 39 Milliarden Dollar. Das wäre einsamer olympischer Rekord, neunmal mehr Geld, als die Winterspiele 2006 in Turin gekostet haben.

08.02.2012 - 08:30 Uhr

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