Winter 2012 in Europa: Teile des Kontinents versinken im Schnee. Hunderte Menschen erfrieren. Extremkälte auch in Deutschland. Die Elbe liegt unter einem Eispanzer. Auf Frost folgt Schnee
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DPA
Eiseskälte und gefrorene Autos: Am Genfer See scheint die Welt still zu stehen. Foto: afp
Berlin .
Eine Woche nach dem heftigen Wintereinbruch in Europa sind mehr als 280 Menschen in Kälte, Eis und Schnee gestorben. Allein in der Ukraine fanden bisher 131 Menschen den Kältetod. Dort kamen am Wochenende wieder 30 Menschen bei Rekordtemperaturen von minus 30 Grad Celsius um. In Rumänien waren es zehn Menschen und damit seit Ausbruch der Kältewelle insgesamt 34. In Polen starben am Wochenende 15 Bürger im Frost, insgesamt sind es nun 53 Opfer. Hinzu kommen mindestens 6 Todesfälle wegen Kohlenmonoxidvergiftungen in Wohnungen mit defekten Kohleöfen. Im Baltikum kostete der Frost bis Samstag weitere drei Menschen das Leben.
Der stärkste Schneefall seit Jahrzehnten machte vor allem in Serbien und Italien Probleme. In Mittel- und Süditalien herrschte Winterchaos. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Bis zu 120 000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder Autos stecken. In Rom und anderen Städten waren Soldaten eingesetzt, um die Straßen von Schnee und Eis zu befreien.
Angesichts einer bis zu zwei Meter hohen Schneedecke galt in Serbien in 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollten diese Woche geschlossen bleiben. Die Regierung rief die Bürger zur Hilfe beim Schneeräumen auf. Lawinen schlossen 90 Menschen in einem Straßentunnel in Montenegro 24 Stunden ein. Im kroatischen Dalmatien rief man den Notstand aus.
Dem Frost fallen vor allem Obdachlose zum Opfer. Aus Frankreich wurden am Wochenende drei neue Kältetote und damit insgesamt vier gemeldet. Zudem starb ein Junge (11), als er auf einem See ins Eis einbrach. Auch in Deutschland ist ein Mann eingebrochen, als er einem See in Nettetal (Nordrhein-Westfalen) betrat. Er wird seither vermisst.
Im bayerischen Fürth retteten Streifenpolizisten zwei betrunkene Mädchen (16) vor dem Erfrieren. Sie entdeckten sie gestern um Mitternacht zufällig auf einer Wiese - bei minus 17 Grad. Ein Mädchen lag auf dem Rücken am Boden. Sie waren auf einer Feier gewesen, trotz der Kälte traten sie den sechs Kilometer langen Heimweg zu Fuß an.
Den Schiffsverkehr liegt vielerorts lahm. Auf der Elbe hat sich so viel Eis gebildet, dass von Magdeburg in Richtung Norden keine Schiffe mehr fahren können. Der Fluss ist bis Hamburg gesperrt. Auch der Elbe-Havel-Kanal ist zu.
In Italien rammte eine Fähre nordwestlich von Rom im Schneesturm einen Hafendamm, es wurde schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert.
In Großbritannien reichten zehn Zentimeter Schnee, um ein Verkehrschaos auszulösen. Europas größter Flughafen London-Heathrow strich 600 Flüge - die Hälfte aller Starts und Landungen. In Frankreich wurde auf dem Flughafen Toulouse der Betrieb wegen Schneefalls eingestellt. Kurioserweise bot der Wintereinbruch auch Freude. Im Nordwesten Londons fuhren Familien Schlitten, und am Colosseum in Rom gab es sogar Snowboarder.
In Deutschland war die Nacht zum Sonntag mit minus 28 Grad in Oberstdorf die bisher kälteste des Winters. Und es wird schlimmer. "Morgen wird es noch frostiger", sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gestern. Von Mittwoch an sollen die Werte dann deutlich steigen, um bis zu zehn Grad. Zugleich soll es vor allem im Südosten kräftig schneien.