04.03.2013 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

Blondinenwitz

Wie sich Corinna zu Sayn-Wittgenstein zum Gespött der Spanier macht

Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, deutsche Freundin von König Juan Carlos, gilt in Spanien als personalisierter Blondinenwitz. Lange schwieg sie; jetzt machte sie sich mit Interviews zum Gespött.

Anzeige


MARTIN DAHMS

Madrid Die Welt ist eine Welt von Parallelgesellschaften. Jene Gesellschaft, der Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein angehört, nennt sie selbst "die Liga der Großen". Dort sei der Wettbewerb hart, zumal, wenn man "eine Frau und obendrein blond" sei. Die Spanier hören es mit Verwunderung. Bisher hatten sie den Eindruck, dass der 49-Jährigen ihr Geschlecht und ihre Haarfarbe eher nützlich waren. Wie hätte sie sonst zur "innigen Freundin" des spanischen Königs Juan Carlos werden können?

Artikelbild: Wie sich Corinna zu Sayn-Wittgenstein zum Gespött der Spanier macht Sehr vertraut: Spaniens König Juan Carlos König und Corinna von Sayn-Wittgenstein beim Laureus-Award 2006 in Barcelona. Foto: dpa

Während sich der 75-jährige Monarch am gestrigen Sonntag einer Rückenoperation unterzog - seiner siebten Operation innerhalb von drei Jahren -, redeten die Spanier über seine deutsche Freundin. Und das, obwohl es jahrzehntelang in Spanien gute Sitte war, nicht unter königliche Bettdecken zu schauen.

Den Namen Corinna zu Sayn-Wittgenstein kannten lange Zeit nur Eingeweihte oder besonders eifrige Leser zweifelhafter Klatschkolumnen. Das hat sich mit einem Schlag geändert, nachdem die adelige deutsche Unternehmerin in der vergangenen Woche gleich drei Interviews gab: der spanischen Tageszeitung "El Mundo", dem spanischen Regenbogenmagazin "Hola" und dem französischen "Paris Match". Was sie dort zu sagen hatte, ist den Spaniern nun eine nicht versiegen wollende Quelle des Spotts.

In den Interviews beschreibt sich zu Sayn-Wittgenstein als "diskret und loyal". Sie melde sich zu Wort, um sich zu verteidigen, denn ihr bisheriges Schweigen sei falsch interpretiert worden. Sie habe Momente großen Drucks aushalten müssen, in denen es ihr schlecht gegangen sei, aber sie sei in der Lage, "Haltung und Integrität zu bewahren". Schöne Worte.

Der Druck, den sie in den vergangenen Monaten aushalten musste, ist ihren allzu guten Kontakten geschuldet. Die Deutsche betreibt eine Beratungsfirma, Apollonia Associates, die sich auf ihrer Website so vorstellt: "Wir verbinden Leute, Plattformen und Organisationen, um nachhaltigen Wert zu schaffen und außergewöhnliche Ergebnisse zu liefern."

Vor allem ist zu Sayn-Wittgenstein selbst gut verbandelt. So gut, dass sie auf einer Jagdgesellschaft im Februar 2004 in Kastilien-La Mancha Juan Carlos vorgestellt wurde, der fortan immer wieder ihre Nähe suchte. Die königliche Freundschaft war ihr mutmaßlich lange von Nutzen. Doch schließlich hat sie ihrem Ruf geschadet.

Über Jahre kümmerte sich die diskrete spanische Presse nicht um die neue Freundin des Königs. Erst als herauskam, dass sie Juan Carlos im vergangenen Frühjahr auf dessen inopportuner Elefantenjagd in Botswana begleitet hatte, druckten die Zeitungen ihren Namen und ihr Bild. Und nun, ein knappes Jahr später, wurde auch noch bekannt, dass zu Sayn-Wittgenstein einst versucht hatte, Juan Carlos unter schwerem Korruptionsverdacht stehenden Schwiegersohn I·aki Urdangarin eine gut dotierte Stelle zu besorgen. Nichts Illegales. Aber es sieht alles ein bisschen schmuddelig aus.

Dass die Deutsche ihre Blondheit zum Wettbewerbsnachteil erklärt, finden die Spanier zum Lachen. Aber dass sie in den Interviews der vergangenen Woche gleichzeitig behauptet, Geheimaufträge für die spanische Regierung ausgeführt zu haben, ist nicht mehr lustig. In Talkshows, im Netz, in der Presse wird sie dafür beschimpft. Der frühere sozialistische Verteidigungsminister José Bono nannte sie in einem Fernsehinterview am Samstagabend "eine Unwesentlichkeit". "Diese Dame ist Stroh", fügte er hinzu. Das Publikum klatschte.

04.03.2013 - 08:30 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Großdemo gegen Primatenversuche

Weihnachtsbasar in Taipeh

Basketball: Alba schlägt Tigers mit 90:68

Gasexplosion in der Dußlinger Merianrealschule

Freihandelsabkommen ja oder nein?

Turner-Weihnachtszirkus der Spvgg Mössingen

Tübinger Weihnachtsmarkt 2014

Montagsdemo: 500 Mal gegen Hartz IV

Das Ammertal - Refugium für seltene Tiere

SSC Tübingen schlägt Altingen 3:2

2670 Starter beim Tübinger Nikolauslauf

TVR fordert Serienmeister vom Bodensee

Die Chocolart lockt Schokofans nach Tübingen

Die Bambam-Band lädt zum Nikolaus-Benefiz-Konzert

Sepp Buchegger: Advent Advent 2014

Talheim unterliegt Frommenhausen 0:3 Millipay Micropayment

Basketball: Tübingen unterliegt Göttingen

BFA-Gelände: Eine Forschungsanstalt im Dornröschenschlaf

Anzeige


Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Woche im Rückklick
Artikelbild: Gasexplosion an der Dußlinger Realschule auf dem Höhnisch

Wissen, was war

Die Woche vom 13. bis 19. Dezember: Gasexplosion an Schule, Kaya Yanar in der Kinderklinik und ein hungriger Dieb

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Das TAGBLATT-Zeitungsarchiv
Artikelbild: Das Redaktionsarchiv des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS

Sie suchen? Wir finden.

Wer kennt das nicht: Ausgerechnet den Artikel zum Thema, das einen gerade beschäftigt, hat man verpasst. Oder man braucht dringend einen Überblick über eine regionale Fragestellung. Das TAGBLATT-Archiv hilft weiter.

Ihr Kontakt zur Redaktion
Schwäbisches Tagblatt 

07071/934-0

Tagblatt Online
07071/934-0
Steinlach Bote 07473/9507-0
Rottenburger Post 07472/1606-16
Reutlinger Blatt 07121/3259-50
Neckar Chronik Horb 07451/9009-30
Tagblatt Anzeiger 07071/934-0