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Blondinenwitz

Wie sich Corinna zu Sayn-Wittgenstein zum Gespött der Spanier macht

Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, deutsche Freundin von König Juan Carlos, gilt in Spanien als personalisierter Blondinenwitz. Lange schwieg sie; jetzt machte sie sich mit Interviews zum Gespött.

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MARTIN DAHMS

Madrid Die Welt ist eine Welt von Parallelgesellschaften. Jene Gesellschaft, der Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein angehört, nennt sie selbst "die Liga der Großen". Dort sei der Wettbewerb hart, zumal, wenn man "eine Frau und obendrein blond" sei. Die Spanier hören es mit Verwunderung. Bisher hatten sie den Eindruck, dass der 49-Jährigen ihr Geschlecht und ihre Haarfarbe eher nützlich waren. Wie hätte sie sonst zur "innigen Freundin" des spanischen Königs Juan Carlos werden können?

Artikelbild: Wie sich Corinna zu Sayn-Wittgenstein zum Gespött der Spanier macht Sehr vertraut: Spaniens König Juan Carlos König und Corinna von Sayn-Wittgenstein beim Laureus-Award 2006 in Barcelona. Foto: dpa

Während sich der 75-jährige Monarch am gestrigen Sonntag einer Rückenoperation unterzog - seiner siebten Operation innerhalb von drei Jahren -, redeten die Spanier über seine deutsche Freundin. Und das, obwohl es jahrzehntelang in Spanien gute Sitte war, nicht unter königliche Bettdecken zu schauen.

Den Namen Corinna zu Sayn-Wittgenstein kannten lange Zeit nur Eingeweihte oder besonders eifrige Leser zweifelhafter Klatschkolumnen. Das hat sich mit einem Schlag geändert, nachdem die adelige deutsche Unternehmerin in der vergangenen Woche gleich drei Interviews gab: der spanischen Tageszeitung "El Mundo", dem spanischen Regenbogenmagazin "Hola" und dem französischen "Paris Match". Was sie dort zu sagen hatte, ist den Spaniern nun eine nicht versiegen wollende Quelle des Spotts.

In den Interviews beschreibt sich zu Sayn-Wittgenstein als "diskret und loyal". Sie melde sich zu Wort, um sich zu verteidigen, denn ihr bisheriges Schweigen sei falsch interpretiert worden. Sie habe Momente großen Drucks aushalten müssen, in denen es ihr schlecht gegangen sei, aber sie sei in der Lage, "Haltung und Integrität zu bewahren". Schöne Worte.

Der Druck, den sie in den vergangenen Monaten aushalten musste, ist ihren allzu guten Kontakten geschuldet. Die Deutsche betreibt eine Beratungsfirma, Apollonia Associates, die sich auf ihrer Website so vorstellt: "Wir verbinden Leute, Plattformen und Organisationen, um nachhaltigen Wert zu schaffen und außergewöhnliche Ergebnisse zu liefern."

Vor allem ist zu Sayn-Wittgenstein selbst gut verbandelt. So gut, dass sie auf einer Jagdgesellschaft im Februar 2004 in Kastilien-La Mancha Juan Carlos vorgestellt wurde, der fortan immer wieder ihre Nähe suchte. Die königliche Freundschaft war ihr mutmaßlich lange von Nutzen. Doch schließlich hat sie ihrem Ruf geschadet.

Über Jahre kümmerte sich die diskrete spanische Presse nicht um die neue Freundin des Königs. Erst als herauskam, dass sie Juan Carlos im vergangenen Frühjahr auf dessen inopportuner Elefantenjagd in Botswana begleitet hatte, druckten die Zeitungen ihren Namen und ihr Bild. Und nun, ein knappes Jahr später, wurde auch noch bekannt, dass zu Sayn-Wittgenstein einst versucht hatte, Juan Carlos unter schwerem Korruptionsverdacht stehenden Schwiegersohn I·aki Urdangarin eine gut dotierte Stelle zu besorgen. Nichts Illegales. Aber es sieht alles ein bisschen schmuddelig aus.

Dass die Deutsche ihre Blondheit zum Wettbewerbsnachteil erklärt, finden die Spanier zum Lachen. Aber dass sie in den Interviews der vergangenen Woche gleichzeitig behauptet, Geheimaufträge für die spanische Regierung ausgeführt zu haben, ist nicht mehr lustig. In Talkshows, im Netz, in der Presse wird sie dafür beschimpft. Der frühere sozialistische Verteidigungsminister José Bono nannte sie in einem Fernsehinterview am Samstagabend "eine Unwesentlichkeit". "Diese Dame ist Stroh", fügte er hinzu. Das Publikum klatschte.

04.03.2013 - 08:30 Uhr

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