In einer Massenpanik kann man sich kaum bewegen, wird gepresst, kann kaum atmen, sagt der Experte Wolf Dombrowsky. Hinfallen ist tödlich.
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Welche Chance hat man in einer Massenpanik?
Im Gedränge können Menschen auf Gestürzte nicht mehr achten. Man kann gar nicht verhindern, auf Menschen zu treten. Gegen den schiebenden Pulk kann der Einzelner sich nicht stemmen. Deswegen hat jemand, der stürzt, fast keine Chance mehr.
Was geschieht dann in der Menge?
Die Menschen werden im Gedränge so stark zusammengepresst, dass sie nicht mehr atmen können. Die Atemmuskulatur schafft es nicht mehr, den Brustkorb gegen den Druck der anderen Leiber zu heben. Es entsteht das Gefühl zu ersticken, man bekommt Todesangst.
Wie reagieren die Menschen dann?
Das Überlebensprogramm beginnt automatisch: Die Menschen schreien panisch, versuchen sich mit den Ellbogen Platz zum Atmen zu verschaffen. Sie trippeln nur noch, können nicht mehr nach unten sehen, nicht steuern, wo es hingeht. Sie werden aggressiv, drücken, schubsen: Sie kämpfen um das Überleben. Dadurch wird es im Gesamtpulk noch gedrängter und gefährlicher.
Welche Faktoren beeinflussen eine Panik negativ?
Die Panik steigert sich, wenn es dunkel und laut ist. Wenn Menschen etwa ihren Partner verlieren, können sie einander nicht mehr sehen, Rufe dringen unter Umständen nicht durch. Ein Tunnel wie in Duisburg an sich ist beklemmend und die Luft ist ohnehin schlecht.
War es nicht abzusehen, dass der Tunnel in Duisburg für den Andrang zu klein war?
Wenn in einen engen Zugang in der Grundform eines Ts von zwei Seiten die Massen strömen und sich in der Mitte für einen einzigen Ausgang einfädeln müssen, entsteht an der Stelle ein Stau, eine Verdichtung. Aus dieser eingeengten Situation wollten die Menschen besonders schnell wieder raus, so dass in dem Gedränge große Kräfte entstanden.
Was kam noch hinzu?
Wenn dann der Abfluss der Massen blockiert ist und von hinten weiter tausende nachdrängen, wird es richtig gefährlich. Auch direkt vor den Tunneleingang hat es keinen Ausweg nach links oder rechts gegeben, der die Menschen hätte aufnehmen können. apn
Info: Der Katastrophenforscher Wolf Dombrowsky von der Steinbeis-Hochschule in Berlin beschäftigt sich seit Jahren mit der Sicherheitslage bei Großveranstaltungen.