Etwa 50 Menschen stehen gestern nach dem Loveparade-Desaster vor dem Tunnel am einstigen Güterbahnhof. Manchen Trauernden steht die Todesangst vom Samstag noch ins Gesicht geschrieben. "Der Tunnel war verstopft. Es wurde richtig voll. Ich fühlte mich ohnmächtig", sagt Maja Jakov (32).
Oberbürgermeister Adolf Sauerland weist jede Verantwortung für die Katastrophe zurück.
Bei älteren Duisburgern mischt sich in die Trauer Wut. "Ich schäme mich für diese Stadt und die Organisation. Ich fordere den sofortigen Rücktritt von Oberbürgermeister Sauerland", sagt der 59-jährige Duisburger Manfred Pauls.
Ortskundige hatten ihre Warnungen lange zuvor ins Netz gestellt. Sie hatten das zu kleine Partygelände und den potenziell gefährlichen Zugang kritisiert. Besonders klar geht das aus der Nachricht eines Nutzers namens "klotsche" hervor, der sich in einem Kommentar auf der Seite "DerWesten.de" äußerte. Am 7. Juni schreibt er: "Sehe ich das richtig, dass die versuchen eine Million Menschen über die einspurige Tunnelstraße mit zwischendurch zwei kleinen Trampelpfaden hoch zum Veranstaltungsgelände zu führen? Also in meinen Augen ist das ne Falle. Das kann nie und nimmer gut gehen . . . Ich fass es nicht!!!! Ich seh schon Tote, wenn nach der Abschlusskundgebung alle auf einmal über diese mickrige Straße das Gelände verlassen wollen."
Ebenfalls am Donnerstag schrieb der Nutzer "Duisburger": "Es wird das größte Chaos geben. Die Stadt wäre besser beraten gewesen, die Loveparade abzusagen. . ."
Im Gegensatz zu den Stadtoberen bekennt Panikforscher Michael Schreckenberg, der in die Planung der Loveparade einbezogen war: "Wir haben gewarnt, aber wir hätten vielleicht stärker warnen müssen." Der Professor verrät, dass das Sicherheitskonzept von maximal 500 000 Menschen ausging - verteilt über die Stadt. Der Tunnel, an dessen Rampe die Menschen starben, habe nur eine Kapazität von 20 000 Menschen pro Stunde. Durch dieses Nadelöhr sollten bis zu 250 000 Raver auf das Gelände geschleust werden - und wieder runter. Er habe den Veranstaltern zuvor gesagt: "Wenn der Tunnel die Lösung ist, muss das bis ins Letzte durchgeplant werden." Das Tunnelmanagement sei Sache des Veranstalters gewesen. Er habe auch eine Videoüberwachung der Rampe angeraten, der Veranstalter habe dies aber abgelehnt. Auch hätte die Treppe an der Rampe, an der die meisten Toten gefunden wurden, besser abgeschirmt, "vielleicht sogar besser gesprengt werden sollen". Schreckenberg sieht "Schuldige auf beiden Seiten", meint damit auch risikofreudige Kletterer unter den Besuchern, lässt aber indirekt erkennen, dass die Planung zwar "bestens" gewesen sei, die Ausführung aber das Problem gewesen sein könnte.