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Null Bock auf Bohlen & Co.

Studie zeigt: Jugend wahrt Distanz zu Castingshows

Entwarnung für Eltern: Eine Studie belegt, dass die meisten Jugendlichen nicht im Traum daran denken, in einer Castingshow mitzumachen.

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MARTIN WEBER

Berlin Sie drängen sich zu Tausenden vor den Toren von "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germanys Next Topmodel": Die Bilder von riesigen Bewerberschlangen gehören zum Auftakt jeder Castingshow wie Dieter Bohlens fiese Sprüche oder Heidi Klums Befehlston. Heerscharen junger Leute wollen unbedingt Karriere als Gesangsstar oder lebender Kleiderständer machen.

Artikelbild: Studie zeigt: Jugend wahrt Distanz zu Castingshows Bei Dieter Bohlen auftreten? Nein danke, sagen viele Jugendliche.

Eine ganze Generation, so suggerieren es die Fernsehbilder, träumt vom Ruhm auf der Bühne oder dem Laufsteg. Doch das stimmt so gar nicht, wie jetzt eine repräsentative Studie ergeben hat. Sie steht im Zentrum des von den Medienwissenschaftlern Daniel Hajok, Olaf Selg und Achim Hackenberg herausgegebenen Buches "Auf Augenhöhe? Rezeption von Castingshows und Coachingsendungen".

Die Studie gibt Entwarnung für Millionen Eltern: Die meisten Kinder und Jugendliche denken nicht im Traum daran, sich vor Bohlen oder Klum zum Affen zu machen. Zwar schalten Millionen junger Leute den Fernseher ein, wenn "Deutschland sucht den Superstar", "Germanys Next Topmodel", das vergleichsweise harmonische "The Voice of Germany" oder eine andere der vielen Castingshows über den Bildschirm flimmert. Als Kandidat dabei sein wollen jedoch nur die wenigsten. "Selbst einmal bei einer Castingshow mitzumachen, ist (. . .) nur für die wenigsten der befragten Heranwachsenden eine Option", heißt es in dem Buch. Und weiter: "Auch wenn es ihnen ihrer eigenen Einschätzung nach nicht an Talent fehlt, fürchten sie, sich mit einem Auftritt bei DSDS und GNTM zu blamieren, oder finden es schlichtweg peinlich, auf diese Art und Weise in der Öffentlichkeit zu stehen."

Die Aussage basiert auf einer von der "Arbeitsgemeinschaft Kindheit, Jugend und neue Medien" (AKJM) in Auftrag gegebenen Studie, für die 1200 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren und 1500 junge Erwachsene zwischen 18 und 24 zu Castingshows befragt wurden.

Schlichtweg Unterhaltung, Spaß und Spannung sind laut Studie die vorherrschenden Motive, RTL oder Pro 7 einzuschalten, wenn Bohlen oder Klum junge Leute traktieren. Dabei werden die in Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germanys Next Topmodel" propagierten Eigenschaften wie Ehrgeiz, Disziplin und Durchsetzungskraft von vielen Jugendlichen zwar durchaus als vorbildlich empfunden - nicht aber der oft harsche Ton und herabwürdigende Umgang mancher Show-Jurys mit den Kandidaten.

"Die AKJM-Studie kann die Kritik vonseiten der Öffentlichkeit und des Jugendmedienschutzes, Kinder und Jugendliche könnten den hämischen und zynischen Umgang der Jury mit den Kandidaten als nachahmenswerte Verhaltensmuster übernehmen, nicht bestätigen", heißt es in dem Buch. Zu einer Verrohung jugendlicher Sitten tragen Bohlen und Co. der Studie zufolge viel weniger bei als gemeinhin angenommen wird. Auch in dieser Hinsicht müssen sich Eltern also kaum Sorgen machen (siehe auch Leitartikel).

Info Daniel Hajok, Olaf Selg, Achim Hackenberg (Hrsg.): "Auf Augenhöhe? Rezeption von Castingshows und Coachingsendungen". UVK-Verlag, Konstanz, 272 Seiten, 29 Euro

04.02.2012 - 08:30 Uhr

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