02.09.2010 Drucken Empfehlen
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Beim Flamenco nicht mitklatschen

Serie: "Auslandsknigge für deutsche Urlauber" - Heute: Spanien

Spanier sind tolerant. Das ist aber noch lange kein Grund, ihre Toleranz zu strapazieren. Touristen sollten also besser ein paar Brocken Spanisch sprechen. Weiterer Tipp: Im Restaurant nie getrennt bezahlen.

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MARTIN DAHMS
Artikelbild: Serie: "Auslandsknigge für deutsche Urlauber" - Heute: Spanien Bitte nicht mitklatschen: Das ist beim Flamenco verpönt. Archivfoto

Madrid Ein Mann in mittleren Jahren macht es sich an einem Restauranttisch unter freiem Himmel bequem. Er studiert die Karte, und als der Kellner in weißem Hemd mit schwarzer Fliege auftaucht, bestellt der Gast: "Ein Bier und ein Menü Nummer drei!" Was ist falsch an dieser Szene? Sie spielt in Palma de Mallorca, in einem Innenstadtrestaurant nahe der Kathedrale, der Gast ist Deutscher, und er hat die Höflichkeitsregel Nummer eins missachtet: Er hat vergessen, dass er zu Besuch im Ausland ist.

Artikelbild: Serie: "Auslandsknigge für deutsche Urlauber" - Heute: Spanien

Die Welt gehört den Touristen, glauben viele Touristen. Also reden sie, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Deutsch ist keine Weltsprache. In vielen spanischen Hotels und Restaurants haben sich die Einheimischen auf die deutschen Gäste eingestellt und deren Sprache gelernt. Doch außerhalb der Touristenghettos wie der Playa de Palma auf Mallorca oder Maspalomas auf Gran Canaria ist es beileibe keine Selbstverständlichkeit, dass alle Welt die merkwürdig konsonantenreiche und grammatikalisch verzwickte Sprache Goethes und Dieter Bohlens versteht. Eine höfliche Frage kann nicht schaden: Sprechen Sie Deutsch? Oder noch besser: ¿Habla alemán? Wer dazu noch ein freundliches Gesicht macht, hat bei den Spaniern schon gewonnen.

Doch auch wer sich mit einem Spanisch-Kurs an der Volkshochschule auf seinen Mallorca-Urlaub bestens vorbereitet glaubt, kann ungewollt die Etikette verletzen. Deutsche haben aus spanischer Sicht eine seltsame Angewohnheit: Sie setzen sich in Cafés oder Restaurants an fremde Tische. Zugegeben nur, wenn alle anderen schon besetzt sind. Aber sie tun es, sobald sie irgendwo ein paar freie Stühle sehen und keine Lust haben, ein anderes Lokal zu suchen. Ein Spanier würde das nie tun. In den meisten Restaurants ist es ohnehin üblich, dass ein Kellner den Gästen ihren Tisch anweist.

Die nächste Falle lauert am Ende der Mahlzeit. "Zusammen oder getrennt?" Diese Frage würde ein spanischer Kellner nie stellen. Wer den Ober mit der Aufschlüsselung der Rechnung belästigen will - "Ich hatte die paella valenciana, mein Freund den bacalao a la vizcaína" -, der wird einen ziemlich ratlosen Blick ernten. Gezahlt wird immer zusammen, und jeder trägt den gleichen Anteil zur Rechnung bei, egal, ob er etwas mehr oder etwas weniger konsumiert hat als sein Sitznachbar. Ist jemand später dazugekommen und hat nur etwas getrunken, dann wird er selbstverständlich eingeladen. Die Spanier sind großzügig, und bei kleineren Summen findet sich oft einer, der für alle anderen mit bezahlt. Nachahmenswert!

Nach dem Essen zum Flamencoabend - das gehört für die meisten zum Spanienurlaub dazu. In Andalusien oder in Madrid stehen die Chancen nicht einmal schlecht, auf einer der tablaos - den Flamencobühnen - ein gehaltvolles Programm geboten zu bekommen. Doch wenn die Künstler echte Profis sind, sollten die Zuschauer keine blutigen Amateure sein. Mindestens eine Regel sollten sie beherrschen: auf keinen Fall mitklatschen. Das ist ungefähr so angebracht, wie in der Oper mitzusingen. Die palmas - das rhythmische Händeklatschen - sind Teil der Musik, und nur wer deren komplizierte Regeln beherrscht, der darf auch.

Ein Wort zur Kleidung. Das ist in Spanien nicht viel anders als in Deutschland: Manche achten auf ihr Äußeres, manche nicht. Als Urlauber braucht man ja nicht unbedingt das schlechteste Beispiel zu geben. Besonders amüsant für die Einheimischen sind die kurzbehosten guiris (also die weißhäutigen Ausländer), die auch in Sandalen nicht ohne Socken auskommen. Das wird den Spaniern ein ewiges Rätsel bleiben, wieso die Touristen noch bei blauestem Himmel Strümpfe anziehen. Gönnen Sie ihnen ihr Gelächter. Oder ziehen Sie Ihre Socken aus.

02.09.2010 - 08:30 Uhr
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