Serie: "Auslandsknigge für deutsche Urlauber" - Heute: Frankreich
Von wegen bierselige teutonische Horden: In Frankreich gelten deutsche Touristen als höflich, ordentlich und großzügig.
Verpönt allerdings ist die Stadtbesichtigung im Strand- oder Camping-Outfit.
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PETER HEUSCH
Paris Leben wie Gott in Frankreich! Und wo es selbst dem lieben Gott gefällt, fühlen sich offenbar auch die Deutschen pudelwohl. Der Urlaub im Nachbarland ist bei rund 13 Millionen Touristen, die es jedes Jahr von der rechten auf die linke Rheinseite zieht, für Deutsche beinahe schon ein Heimspiel. Dass die Franzosen uns also recht gut kennen, darf man angesichts solcher Zahlen voraussetzen. Und trotzdem - oder gerade deshalb - mögen sie uns.
Der Ruf, der deutschen Touristen in Frankreich vorauseilt, ist so meilenweit entfernt von dem uns anderenorts plagenden Image der bierseligen und lautstarken teutonischen Invasionshorden, dass er eigentlich nur verdorben werden kann. In einer kürzlich von der Tageszeitung "Le Parisien" veröffentlichten Umfrage bescheinigen die Franzosen ihren deutschen Besuchern, höflich, ordentlich, wohlerzogen sowie großzügig beim Thema Trinkgeld zu sein. Im Frankreich mag man nicht nur Autos made in Germany, sondern auch die, die sie bauen.
So viel Kredit lässt sich kaum verspielen. Aber schmälern kann man ihn - etwa in der irrigen Annahme, dass Englisch oder gar Deutsch Sprachen sind, die jeder Franzose verstehen müsse. Dem ist zwar viel häufiger so, als es ein hartnäckiges Vorurteil will. Trotzdem lassen unsere auf ihre Mundart und Kultur stolzen Nachbarn Fremdsprachenkenntnisse selten heraushängen.
Dass Franzosen Wert auf Kleidung mit einem gewissen Chic legen, ist bekannt. Einen Zwang zur Nachahmung setzt dennoch niemand voraus. Allerdings ist es ratsam, den im Urlaub nahe liegenden Griff zu lässigen oder sportlichen Klamotten nicht auf die Spitze zu treiben. Als Tritt in den Fettnapf jedenfalls gilt es, im Strand- oder Camper-Outfit Stadtzentren zu besichtigen. Von Restaurantbesuchen ganz zu schweigen.
Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht - lautet ein deutsches Sprichwort, welches man tunlichst vergessen sollte bei der Reise in ein Land, dessen Bewohner sich nicht von ungefähr einiges einbilden auf ihre raffinierte Küche. Wer beim Studieren der Speisekarte Hilflosigkeit verspürt, darf Wirt oder Kellner ruhig um ihre Empfehlung bitten. Zu 99 Prozent garantiert die Auskunft wahre Gaumenfreuden. Zu letzteren zählt "Andouillete" (eine dicke, mit Innereien gefüllte und scharf angebratene Schweinedarm-Wurst).
Urlauber, die dank fortgeschrittener Kenntnisse von Land und Sprache gerne die Geselligkeit mit den Einheimischen suchen, wissen es: Über Geld redet man in Frankreich nicht, Politik und Religion können sich rasch als Reizthemen entpuppen. Zum "savoir vivre", sprich zur französischen Lebensart, gehört nun einmal eine gewisse Leichtigkeit, die die Umgehung konfrontationsträchtiger Diskussionen einschließt. Am wichtigsten jedoch ist es, den typisch deutschen Hang zum Erteilen von Lektionen zu zügeln. Denn Franzosen, auch das ist typisch, hassen Besserwisserei.