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Hoffen auf die Meteoriten-Touristen

Nach dem Einschlag setzt die Region um Tscheljabinsk am Ural auf gute Geschäfte

Der Meteoriteneinschlag am Ural am 15. Februar hat weltweit Aufsehen erregt. Forscher haben mittlerweile viele Bruchstücke gefunden. Und die Menschen in Tscheljabinsk hoffen auf einen Touristen-Boom.

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DPA

Moskau Zehn Tage nach dem verheerenden Einschlag eines Meteoriten haben russische Wissenschaftler in der Region am Ural mehr als 100 weitere Teile des zerplatzten Giganten gefunden. Das schwerste Stück wiege gut ein Kilogramm, teilten Forscher der Föderalen Ural-Universität in Jekaterinburg gestern mit. Die Druckwelle des am 15. Februar über der Millionen-Stadt Tscheljabinsk hereingebrochenen Himmelskörpers hatte tausende Gebäude beschädigt, rund 1500 Menschen verletzten sich durch geplatzte Scheiben.

Artikelbild: Nach dem Einschlag setzt die Region um Tscheljabinsk am Ural auf gute Geschäfte Ein Wissenschaftler mit einem kleinen Meteoriten-Fund. Das größte Stück wiegt ein Kilo. Es sind auch schon Fälschungen im Umlauf. Foto: dpa

Viktor Grochowski von der Russischen Akademie der Wissenschaften vermutet, dass das 60 Zentimeter große Hauptstück sich im Tschebarkul-See, 80 Kilometer von Tscheljabinsk entfernt, befindet.

Die Forscher warnten vor Betrügern, die im Internet vermeintliche Teile des Meteoriten zu hohen Preisen anbieten. Sie setzten einen Finderlohn für echte Partikel aus.

Der Einschlag lockt auch Touristen. Wer dem Meteoriten ganz nahe kommen will, braucht etwa 2500 Euro. Flug, Unterkunft, Transport, gerne auch ein Dolmetscher - in Windeseile haben sich Anbieter rund um die entlegene Absturzstelle auf "Meteoriten-Touristen" aus aller Welt eingestellt. "Es wäre eine Sünde, die Gelegenheit nicht zu nutzen", sagt Regional-Kulturminister Alexej Betechtin.

Der spektakuläre Absturz hat nicht nur Tscheljabinsk, sondern vor allem auch Tschebarkul auf einen Schlag berühmt gemacht. Von einem "zweiten Geburtstag" für die Kleinstadt und ihre 40 000 Einwohner spricht Tschebarkuls Bürgermeister Andrej Orlow. Die Stadt habe riesiges Glück gehabt, niemand kam zu Schaden.

Nun will Orlow den Meteoriten-Einschlag versilbern. "Die Leute wollen herkommen und sich den Meteoriten-Ort anschauen", sagt Betechtin. Bürgermeister Orlow rief die Einwohner bereits dazu auf, sich Gedanken zu machen, wie der Ort vom Meteoriten profitieren könne. Eine Idee ist, Bootsfahrten über den Tschebarkul-See anzubieten. Doch der ist zugleich ein wichtiges Trinkwasserreservoir - Umweltschützer warnen vor erheblichen Schäden durch Touristen-Horden.

Noch aber ist die Region rund 1500 Kilometer östlich von Moskau ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. "Tschebarkul ist nicht bereit für Besucher, es gibt kein adäquates Hotel, die Infrastruktur ist kaum ausgebaut", sagt Reiseveranstalterin Olga Gerwik. Selbst Tscheljabinsk ist alles andere als ein Touristen-Mekka. Der Reiseführer "Lonely Planet" nennt als Höhepunkt einen Besuch der mit Skulpturen gespickten Fußgängerzone.

Nun aber können sich Reiseveranstalter vor Anfragen aus aller Welt kaum retten, vor allem aus Japan. Auch die oft noch sowjetisch geprägte Wirtschaft hofft, dass der Meteorit sich als zugstarke Marke erweist und dringend benötigte Investitionen bringt. Die lokale Regierung kündigte bereits an, schnell die Straßen rund um den als Kurort genutzten See in Schuss zu bringen.

Weniger begeistert vom unerwarteten Ansturm auf Tschebarkul sind indes die Astronomen der örtlichen Uni. Sie fürchten, dass Meteoriten-Jäger Fragmente mit nach Hause nehmen und der Wissenschaft dadurch wichtige Informationen verloren gehen. Der "Meteorit von Tschebarkul" war immerhin der größte Einschlag eines Himmelskörpers auf der Erde seit Jahrzehnten.

Ganz andere Sorgen haben auch zehn Tage nach dem Unglück viele Einwohner in Tscheljabinsk. Noch immer sind zahlreiche Fenster zersplittert. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt warten Tausende auf Hilfe. Zivilschutzminister Alexej Putschkow treibt zur Eile. Anti-Korruptionskämpfer warnen, dass Händler die Not der Menschen ausnutzen und die Glaspreise in die Höhe treiben könnten.

26.02.2013 - 08:30 Uhr

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