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"Die hätten komplett öffnen sollen"

Marina Hahn aus Lonsee war auf der Loveparade

Tot, verletzt - "das hätten auch wir sein können", sagt Marina Hahn (21), die mit acht Freunden auf der Loveparade war. Sie alle hatten "einfach Glück".

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PETRA LAIBLE
Artikelbild: Marina Hahn aus Lonsee war auf der Loveparade Marina Hahn aus Lonsee war mit acht Freunden bei der Parade. Privatfoto

Duisburg Schon im Zug von Köln nach Duisburg müssen die neun Freunde am Samstag auf dem Boden sitzen. "Alles war voll mit Menschen", erzählt Marina Hahn aus Lonsee (Alb-Donau-Kreis). Im Zug, an den Bahnsteigen, vor dem Duisburger Bahnhof - "Bilder, wie man sie sonst nur aus China kennt."

Die 21-Jährige ist mit acht anderen zur Loveparade gefahren und wieder heil zurück. "Wir hatten alle Glück", meint sie. Opfer, "das hätten auch wir sein können". Sie seien früh da gewesen und deshalb ohne Probleme durch den Tunnel gekommen. Weil Marina im Gedränge unter Platzangst leidet, blieben sie am Rand des Festivalgeländes.

Bis kurz vor 17 Uhr. Zu der Zeit, als 16 Menschen an der Rampe beim Tunnel starben, wollte die Gruppe vor zur Hauptbühne. "Wir gingen in die Masse rein." Es sei schrecklich gewesen, alle hätten sich nur noch verbissen durchgekämpft. "Ich wollte wieder raus." "Mein Freund hat mich nur noch an der Hand genommen und durch die Menge gezogen". Frauen, die mit ihr auf Augenhöhe waren, seien vor Stress richtig aggressiv gewesen.

Auf dem Weg zurück konnten sie auf die Rampe blicken und sahen weiße Tücher. Später erfuhr sie, dass damit die Leichen abgedeckt waren. Die schlimme Nachricht kam per Handy, der Bruder ihrer Freundin war durchgekommen. "Mindestens zehn Tote, 100 Verletzte . . .", dann war die Verbindung wieder weg. Die Katastrophe sprach sich herum, nur die Security habe gar nichts gewusst. Wie die Menschen reagierten? Die Musik sei eine Zeitlang leiser gewesen, "richtig entsetzt war keiner". Manche hätten sogar gelacht und gesagt, "krass, dass das hier passiert".

Ein Rätsel ist ihr, warum auf dem Weg zum Festgelände entlang der Böschungen Gitterzäune aufgestellt waren. Schließlich kostet die Parade keinen Eintritt. Als Panik ausbrach, wurden diese Zäune eingedrückt. In ihrer Not kletterten Menschen die Böschung hoch. Oben seien sie von der Polizei zurückgeschickt worden. "Die hätten alles komplett öffnen sollen", meint sie. Dann wäre auch schneller Hilfe gekommen.

Alkohol und Drogen hält sie keinesfalls für die Ursachen der Katastrophe. "Das war der Veranstalter, der nur einen Ein- und Ausgang gewählt hat, das waren die Polizisten, die vorne abgesperrt haben."

Als um 23 Uhr durchgesagt wurde, dass die Loveparade zu Ende ist, hätten sie sich schnell davon gemacht, bevor die Menschenmasse näher kommt. Die Notausgänge waren da schon wieder verschlossen. In der Dunkelheit habe die Polizei sie am Tunnel vorbei auf die Autobahn geleitet. Blaulicht, Martinshorn, Krankenwagen - wohin sie zu Fuß gingen, wussten sie nicht. Ein Bus hielt irgendwo auf der Strecke, sein Ziel war unklar. Sie landeten nicht wie angenommen in Düsseldorf, sondern an einer Straßenbahnhaltestelle in Duisburg. Stunden später waren sie in Köln. Die 21-Jährige wird trotz allem wieder auf Technopartys gehen. "Passieren kann überall etwas."

27.07.2010 - 08:30 Uhr

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