19.03.2010 Drucken Empfehlen
[X]
 per eMail empfehlen


   

Verfolgt auf Schritt und Tritt

Internet und Handy machen totale Kontrolle und Belästigung möglich

Grundsätzlich ist es ja schön, wenn man seinen Liebsten jederzeit erreichen kann - per Handy oder E-Mail. Schrecklich wird es, wenn ein Partner den anderen auf Schritt und Tritt kontrolliert.

Anzeige


 

Frankfurt Es begann wundervoll. Eine 17-jährige Medizinisch-Technische Assistentin, nennen wir sie Heike, und ein 20-jähriger Informatikstudent, in diesem Bericht Christian, waren ineinander verliebt. Allerdings wollte er, dass sie ihre Freunde nicht mehr sah. Wenn Heike ihre Clique an wechselnden Orten doch heimlich traf, war Christian merkwürdigerweise immer da. Er mied jeden Kontakt und beobachtete sie scharf. Für Heike war dann der Abend gelaufen.

Heike fühlte sich bald unter ständiger Beobachtung, wie Angela Wagner berichtet, Beraterin des Frauennotrufs Frankfurt am Main. Sie sei zunehmend unsicher geworden und habe sich wie gelähmt gefühlt. Die Leistungen in der Ausbildung seien schlechter geworden. Doch von ihrem Freund habe sie sich nicht trennen wollen.

Da ertappt die junge Frau Christian dabei, wie er in ihrem Handy die SMS-Nachrichten überprüft. Sie entdeckt weiter, dass er in ihrem E-Mail-Postfach heimlich eine Weiterleitung ihrer persönlichen Mitteilungen auf seinen Computer eingerichtet hat. Heike schützt ihr Handy und ihren Computer durch Passwörter, doch Christian durchkreuzt weiterhin ihre Treffen mit den Freunden. Sie stellt fest, dass er heimlich auf ihrem Handy einen Ortungsdienst aktiviert hat und so ihre Schritte auf dem PC und Smartphone verfolgt. Endlich beendet Heike die Beziehung.

Der Fall sei typisch für leichtere Fälle von "digitaler Gewalt", sagt Beraterin Wagner. Junge Frauen legten häufig bedenkenlos ihre Passwörter für PC und Handy ihrem Freund offen. Doch die technischen Möglichkeiten ermöglichten eine totale Kontrolle. Mit wenigen Mausklicks kann man im Internet Dienste finden, die gelöschte Computertexte wieder sichtbar machen, SMS-Mitteilungen weiterleiten, Anrufe mitschneiden oder die Kontakt- und Anruferliste eines Handys kopieren. Außerdem lässt sich ein Handy über das Telekommunikationsunternehmen oder direkt über den GPS-Sender im Smartphone orten.

Das Cyber-Stalking, also das rücksichtslose Nachstellen mithilfe von Internet, Handys und Smartphones, macht mittlerweile 40 Prozent aller Stalking-Delikte aus - Tendenz steigend, berichtet die Expertin für Internetkriminalität des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main, Birgit Roth. Viele Stalker überschütten ihre Opfer auch mit einer Flut von SMS-Mitteilungen, leiten per Internet persönliche Daten an Dritte weiter, verbreiten Lügen, Gerüchte, intime oder manipulierte Fotos im Netz.

Die Opfer des Cyber-Stalkings sind nach Recherchen von Roth zu 86 Prozent Frauen. Die Auswirkungen sind vielfältig: Angstzustände, Depressionen bis hin zu suizidalen Gedanken. Wer von "digitaler Gewalt" betroffen sei, habe das Gefühl, der Welt nicht mehr vertrauen zu können. Viele Betroffene könnten sich nur schwer wieder auf Beziehungen einlassen.

Delikte der "digitalen Gewalt" können mit Strafen bis zu mehreren Jahren Gefängnis geahndet werden. Die Frankfurter Experten empfehlen, den Betreiber einer Internetseite, auf der die strittigen Texte oder Bilder stehen, mittels Impressum oder der Registrierungsstelle "http://www.denic.de" ausfindig zu machen. Dann sollte der Verantwortliche zur Entfernung der Beiträge oder Fotos aufgefordert werden. Bei Problemen helfe der Datenschutzbeauftragte des Landes. ddp

19.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 19.03.2010 - 09:45 Uhr
Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Testbericht.de - vergleichen Sie über 100.000 Produkte mit Tests und Preisangeboten.