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Volksvergnügen Elchjagd

Es muss schon ein Albino sein, damit sein Abschuss Proteste auslöst

Die Elchjagd ist in Schweden ein beliebtes Herbstvergnügen. Selbst Tierschützer halten still. Der Koloss gilt als Naturresource, wie Beeren und Pilze.

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HANNES GAMILLSCHEG ANGELA SOMMERSBERG
Artikelbild: Es muss schon ein Albino sein, damit sein Abschuss Proteste auslöst Als Elch "Albin" geschossen wurde, gab es doch noch Proteste. Foto: dpa

Stockholm Man sagt in Schweden, dass viele Väter ihren "Papa-Urlaub" so planen, dass er in die Wochen der Elchjagd fällt, und dass sie dann auf Pirsch gehen, statt Baby zu wickeln und Mama zu entlasten. Die Elchjagd ist in Schweden ein Volksvergnügen, das Städter mit der Landbevölkerung teilen, der König mit dem Bauern und immer mehr Männer mit ihren Frauen.

250 000 Jäger machen Jagd auf 100 000 Elche, die zum Abschuss freigegeben sind. Und wenn die Saison im Spätherbst endet, ist der Bestand des "Königs der Wälder" um rund ein Drittel geschrumpft.

Doch während die britische Hatz auf Füchse oder der Walfang auf erbitterten Widerstand stoßen, und sich auch Schwedens Tierschützer vehement gegen den Abschuss von Wölfen stemmen, verläuft das Elch-Massaker in Schwedens Wäldern ohne Proteste. "Wir jagen natürlich nicht selbst", sagt Lise-Lotte Norin vom größten Tierschutzverband "Djurens Rätt", "aber wenn schon gejagt werden muss, ist die Elchjagd die beste Form". Und irgendwie muss der Bestand ja eingedämmt werden, geben die Tierschützer zu, denn "außer Mensch und Auto" hat der Elch keine Feinde. "Wir würden es allerdings vorziehen, wenn dafür Profis sorgen würden und nicht Hobby-Jäger", sagt Norin.

Doch für die Schweden ist die Elchjagd vor allem ein gesellschaftliches Ereignis. Mit Gewehr, Fernglas und Schnapsflasche ausgestattet, verbringen sie viele Stunden auf den Hochsitzen und in den Jagdhütten. Abends sitzt man zusammen, klönt und feiert, auch wenn es keinen Jagderfolg zu begießen gibt. Die Mehrzahl der Jäger bekommt nicht mal ein Tier zu sehen, geschweige denn vor die Flinte, und den Elchbraten müssen die meisten im Supermarkt kaufen.

Doch "für viele ist die Jagd ein Naturerlebnis, für das sie von den Städten zurück aufs Land kommen", sagt Christina Bilson-Dag vom Jägerverband. "Dieses Naturgefühl, die Gemeinschaft und die Tradition machen die Jagd so populär."

So muss der Elch schon ein ganz besonderes Exemplar sein, ehe sein Tod Proteste auslöst. Als ein dänischer Jäger in Norwegen ein weißes Albinotier abknallte, bekam er sogar Morddrohungen: Die lokale Jägergemeinschaft hatte sich geschworen, "Albin" leben zu lassen.

Doch sonst löst der Laubfresser gemischte Gefühle aus. Einerseits ist der Elch so etwas wie ein Wahrzeichen Schwedens geworden, vor allem im Ausland, wo ihn Ikea zum Symbol machte. Für viele deutsche Touristen ist eine "Elchsafari" in einem der 30 "Elchparks" Pflicht. Andererseits verursachen die Elche Autounfälle und Waldschäden, so dass die Waldbesitzer gerne eine weit höhere Abschussquote sehen würden.

Im Vergleich zu den Problemen bei der Schlachttierhaltung sei die Elchjagd ein "kleineres Übel", meint der Tierschutzbund. Und beim Jägerverband glaubt man, dass 80 Prozent die Jagd akzeptierten: "Die Schweden sehen die Elche als eine Art Naturressource an, wie wenn sie Beeren und Pilze sammeln", sagt Nilson-Dag. "Es sagt ja auch keiner: Ich pflücke keine Pilze, weil sie im Wald so schön aussehen." Diese Verbindung zur Natur sei in vielen urbanisierten Ländern abhanden gekommen, glaubt die Jäger-Sprecherin, "deswegen verstehen die Leute dort die Jagd nicht".

26.10.2011 - 08:30 Uhr

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