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Keiner will Schuld haben

Aufklärung der Katastrophe von Duisburg kommt nicht voran

Laut und kontrovers verlief die Sitzung des Innenausschusses zur Loveparade-Katastrophe in Duisburg. Die Aufklärung kam keinen Schritt weiter. Dafür hagelte es gegenseitige Schuldzuweisungen.

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JOHANNES NITSCHMANN

Düsseldorf Fast sechs Wochen nach der Duisburger Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und 500 Verletzten werden die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen der Polizei, der Stadt und dem Veranstalter immer massiver. Während der gestrigen Sitzung des Innenausschusses im Landtag prallten die Positionen teilweise lautstark aufeinander. Immer stärker gerät die Polizei wegen ihres Einsatzes unmittelbar vor dem Ausbruch der Massenpanik in dem Tunnelzugang zum Festivalgelände unter Beschuss.

CDU-Fraktionsvize Peter Biesenbach erklärte, womöglich habe erst die Bildung von Absperrketten durch Polizeikräfte die drangvolle Enge im Tunnelbereich ausgelöst und "zu der Tragödie" geführt. Wenn die Polizeiführung nicht "in ein falsches Licht geraten" wolle, müsse sie "vollständige Transparenz" schaffen und alle Einsatzbefehle und Ablaufprotokolle offen legen. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) machte für mögliche handwerkliche Fehler bei dem Polizeieinsatz den Loveparade-Veranstalter verantwortlich. "Es ist unrealistisch, bei dem unfassbaren Chaos auf Veranstalterseite einen fehlerfreien Polizeieinsatz zu erwarten", sagte Jäger.

Im Gegensatz zu ihm ließ der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) keinen Anflug von Selbstkritik erkennen. "Die Stadt Duisburg hat bei der Planung und Vorbereitung der Loveparade gegen keine ihr obliegenden Amtspflichten verstoßen. Meine Mitarbeiter haben rechtmäßig gehandelt.", sagte Sauerland, der in Begleitung von zwei Anwälten im Innenausschuss erschienen war. Mit schwerer Stimme bekannte sich Sauerland dennoch sehr abstrakt zu seiner "Verantwortung" für die Katastrophe: "Weil dieses Unglück in Duisburg geschah - in der Stadt, auf deren Wohl ich verpflichtet bin."

Während Sauerland "seriöse Aufklärung" und "Wahrheitsfindung" zusicherte, attackierten seine Anwälte die Polizei. Nicht die Stadt, sondern die Polizei sei für die Einhaltung des Sicherheitskonzeptes durch den Loveparade-Veranstalter zuständig gewesen, erklärte Rechtsanwältin Ute Jasper.

Loveparade-Chef Reiner Schaller kam nicht in den Landtag. Stattdessen schickte er zwei Advokaten, die statt Fragen der Abgeordneten zu beantworten scharfe Angriffe gegen die Polizei richteten. Das empörte den innenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagfraktion Thomas Stotko. Als "schlicht unverschämt" bezeichnete er deren Verhalten. Der Veranstalter habe bis heute nicht erklären können, wie viele Ordner er eingesetzt habe und warum lediglich ein Drittel der über 30 Eingangsschleusen zum Veranstaltungsgelände besetzt waren.

03.09.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 03.09.2010 - 08:46 Uhr

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