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Alarmstimmung in Bangkok

Artenschutzkonferenz: Illegaler Handel mit bedrohlichem Ausmaß

Im Würgegriff internationaler Verbrecherbanden können bedrohte Tier- und Pflanzenarten ohne drastisches Eingreifen nicht überleben - das ist die Auftaktbotschaft der Artenschutzkonferenz in Bangkok.

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AFP/DPA

Bangkok Das Abschlachten bedrohter Tierarten und die Vernichtung von Tropenwäldern haben beängstigende Ausmaße angenommen. Mit dieser Botschaft schlugen die Auftaktredner bei der Cites-Artenschutzkonferenz in Bangkok gestern Alarm. "Das Ausmaß hat Krisenproportionen angenommen und ist mit dem globalen Rauschgift- und Waffenhandel vergleichbar", sagte Achim Steiner, Direktor der UN-Umweltprogramms. "Gegen den illegalen Handel vorzugehen ist eine Sache globaler Dringlichkeit", betonte auch John Scanlon, Chef des Sekretariats des Washingtoner Artenschutzabkommens.

Artikelbild: Artenschutzkonferenz: Illegaler Handel mit bedrohlichem Ausmaß Schutzbedürftig: viele Schildkrötenarten sowie zahlreiche Rochen- (rechts oben) und Haiarten (rechts unten ein Hammerhai) sind weltweit vom Aussterben bedroht. Ebenso die afrikanischen Elefanten und die Eisbären. Fotos: dpa/afp/fotolia

Betroffen ist unter anderem das Breitmaulnashorn, dessen Horn in Vietnam und China als Wundermittel reißenden Absatz findet und für dessen Horn bis zu 50 000 Dollar (38 500 Euro) pro Kilogramm gezahlt wird. Extrem bejagt werden auch afrikanische Elefanten: "In vielen Teilen Afrikas werden jedes Jahr zehn bis zwölf Prozent der Bestände wegen des Elfenbeins getötet", sagte Steiner. Oft seien Rebellenarmeen mit Waffen am Werk oder internationale Syndikate mit raffinierten Hightech-Methoden, etwa zum Hacken von Computern um Lizenzen zu fälschen. "Das kann die Stabilität und Wirtschaft der Länder bedrohen", sagte Scanlon. Bis zu 90 Prozent der Abholzung von Tropenwäldern ist laut Steiner in den Händen organisierter Banden.

Artikelbild: Artenschutzkonferenz: Illegaler Handel mit bedrohlichem Ausmaß

Die 178 Unterzeichnerstaaten des 40 Jahre alten Artenschutzabkommens - kurz Cites genannt - beraten im thailändischen Bangkok noch bis zum 14. März, bei welchen Tier- und Pflanzenarten der Handel künftig verboten, eingeschränkt oder gelockert werden soll. Auf den Cites-Schutzlisten stehen rund 35 000 Arten. Bei drei Prozent davon ist der Handel gänzlich verboten. Dazu gehören Tiger, Nashörner und seltene Orchideenarten. Die 2000 Delegierten müssen über 70 Anträge entscheiden.

Deutschland setzt sich bei der Konferenz dafür ein, den Handel mit fünf Hai- und Mantarochen-Arten unter Aufsicht zu stellen. Die Anträge werden unter anderem von Brasilien, den USA und Ägypten unterstützt. Das wertvolle Fleisch der Fische soll nur noch aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen in den Handel gelangen. "Dieses Treffen könnte endlich die längst überfällige Wende bringen", gibt sich die deutsche Delegationsleiterin Elsa Nickel hoffnungsfroh.

Der Schutz des Heringshais war bei der Cites-Konferenz vor drei Jahren knapp gescheitert. Haie seien nicht nur wegen der in Asien als Delikatesse geltenden Flossen gefährdet, sagte Hai-Spezialistin Sarah Fowler: "Wir haben die Haie in der nördlichen Hemisphäre schlicht aufgegessen." Im Mittelmeer lebt nur noch ein Prozent der Heringshai-Bestände der 50er und 60er Jahre, im Nordostatlantik sind es nur noch sechs Prozent. In der EU stehen Heringshaie unter Schutz.

Die USA wollen Eisbären auf die Handelsverbotsliste setzen. Sie werden als Trophäen oder wegen ihrer Felle gejagt. Die Umweltstiftung WWF hält dies für ein Feigenblatt der Amerikaner. "Ein Handelsverbot wird den Eisbären wenig nutzen, es werden nur wenige gejagt", sagte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. "Die Hauptbedrohung für die Eisbären ist der Klimawandel - und das Problem gehen die Amerikaner nicht an."

Beim Elfenbein der Elefanten wird sich auch Gastgeber Thailand kritischen Fragen stellen müssen. Da der inländische Handel mit den Stoßzähnen thailändischer Zuchtelefanten legal ist, dient das Land Schmugglern als Drehscheibe, um Elfenbein der geschützten afrikanischen Dickhäuter in Umlauf zu bringen. "Der Trend geht auch hier bei der Wilderei exponentiell hoch", sagt Ilka Herbinger vom WWF.

Ein ähnliches Problem gibt es in China, wo die wachsende Zahl von Tigerzüchtern für eine Handelsfreigabe für Tigerprodukte wirbt. Von den nur noch gut 3000 streng geschützten Wild-Tigern wären die Produkte von den in Gefangenschaft gehaltenen Tiere jedoch kaum zu unterscheiden.

04.03.2013 - 08:30 Uhr

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