Duisburg Einen Tag nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten und 342 Verletzten hat gestern die Suche nach den Schuldigen an der Tragödie begonnen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
Trauer und Entsetzen herrschen nach den schlimmen Vorfällen am Rande der Duisburger Loveparade. Ausgangspunkt der Tragödie war dieser Tunnel. Foto: dpa
Am Sicherheitskonzept der Veranstaltung wurde heftige Kritik laut. Medienberichten zufolge sollen Polizei und Feuerwehr Monate vor der Loveparade massive Vorbehalte geäußert haben. Der Direktor der Duisburger Feuwerwehr habe den Oberbürgermeister der Stadt, Adolf Sauerland (CDU), im Oktober 2009 schriftlich davor gewarnt, die Veranstaltung auf dem Gerlände des alten Güterbahnhofs stattfinden zu lassen.
Ausgangspunkt der Tragödie am Samstag war ein rund 300 Meter langer Tunnel, in dessen Mitte sich ein gepflasterter Aufgang zum Festivalgelände befindet. Augenzeugen berichteten, dass an dieser Stelle dichtes Gedränge und Geschubse geherrscht habe. Nach Polizeiangaben wollten einige Menschen eine Mauer und Treppe hinaufklettern. Als sie abstürzten, brach laut Polizei Panik aus.
Augenzeugen sagten indes, dass niemand abgestürzt sei. Der Tunnel sei vielmehr so voll gewesen, dass Menschen zu Tode getrampelt worden seien. Ein Polizeisprecher dementierte dies. Für die Sicherheit im Tunnel war der Veranstalter, die Firma Lopavent, zuständig. Für die entsprechenden Genehmigungen zeichnet die Stadt Duisburg verantwortlich.
Die Angaben über die Zahl der Partyteilnehmer gingen gestern drastisch auseinander. Sie reichten von 105 000, die von der Bahn gezählt wurden, bis zu 1,4 Millionen, von denen die Stadt sprach. Das eigentliche Festgelände war Medienberichten zufolge für 250 000 Menschen freigegeben. Die Veranstalter rechneten aber mit mehr als einer Million Teilnehmer. Bochums früherer Polizeipräsident Thomas Wenner, der 2009 die Loveparade in Bochum wegen Sicherheitsbedenken abgesagt hatte, kündigte eine Anzeige gegen Duisburgs OB an.
Die Toten waren zwischen 18 und 38 Jahre alt. Elf Opfer kamen aus Deutschland, die anderen aus Spanien, den Niederlanden, Australien, Italien, China und Bosnien. Die Organisatoren verkündeten nach der Katastrophe das Aus der Loveparade. dpa/apn/ddp