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Filbingers konservative Elite im Taubertal

Weikersheim gab seinen guten Namen für umstrittenes Studienzentrum

Von Weikersheim lieh Ex-Ministerpräsident Hans Filbinger 1979 den Namen für sein Studienzentrum aus. Seine konservativen Kongresse brachten dem ganzen Städtchen im Taubertal auch ein negatives Image ein.

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HANS GEORG FRANK

Weikersheim Helmut Schwarz erinnert sich noch sehr gut, wie sich 1979 "hoher Besuch aus Stuttgart" ankündigte im Weikersheimer Schloss, das er verwaltete. "Halten Sie sich bereit", sei ihm damals bedeutet worden. Eigentlich hatte er Hans Filbinger erwartet, den Ministerpräsidenten, der nach Vorwürfen wegen seiner Tätigkeit als Nazi-Marinerichter 1978 zurückgetreten war. Doch es sei nur ein Referent gekommen, der das Schloss inspizieren sollte. Filbinger war auf der Suche nach einem Standort für ein Studienzentrum, in dem er die christlichen Werte pflegen wollte.

Artikelbild: Weikersheim gab seinen guten Namen für umstrittenes Studienzentrum Das Schloss in Weikersheim: Der Juso Gerhard Schröder hat hier referiert, später geriet das von Ministerpräsident Filbinger gegründete Studienzentrum in die Schlagzeilen: als "Brutstätte für die rechte Elite". Weikersheim selbst ist wenig glücklich über das Zentrum. Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Filbinger hatte sich daran erinnert, dass er einst dem Fürsten von Hohenlohe-Langenburg - der Adlige brauchte Geld für den Wiederaufbau seines 1963 teilweise abgebrannten Schlosses - die Renaissance-Residenz abgekauft hatte. Der pompöse Rittersaal, glaubten seine Berater, wäre gut geeignet für die Kongresse. Aber Verwalter Schwarz hatte Bedenken. Der Museumsbetrieb und die Aktivitäten junger Musiker einer im Schloss untergebrachten Akademie internationalen Zuschnitts seien schlecht vereinbar mit den Tagungen. Als Alternative schlug Schwarz das "Gelbe Haus" auf dem Karlsberg vor, ein 1746 erbautes barockes Kleinod zwischen Wald und Weinberg.

Filbinger habe dieses Gebäude damals selbst besichtigt, "mit dem Bürgermeister und einigen Großkopfeten". Der Schlossverwalter war nicht dabei, aber am Nachmittag erfuhr er, "dass die das Studienzentrum Weikersheim gegründet haben". Über den Namen habe es "überhaupt keine Diskussion" gegeben. Offenbar sah es der damalige Bürgermeister als Ehre an, in einem Atemzug mit prominenten Politikern genannt zu werden.

Fortan wurde alljährlich der zunächst für untauglich befundene Rittersaal angemietet. "Höchste Persönlichkeiten" aus der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft pilgerten nach Weikersheim, wenn Filbinger rief. "Es hat nur der Bundeskanzler gefehlt, dann wäre die ganze politische Macht in Weikersheim versammelt gewesen", blickt Schwarz zurück. Der Juso Gerhard Schröder hat referiert, ebenso Gewerkschafter Heinz Kluncker. Doch es fanden sich auch immer mehr rechtsgerichtete Redner ein, Extremisten wie der "Republikaner" Rolf Schlierer gehörten zu den Mitgliedern. Ein Geschäftsführer, der gerne die erste Strophe der Nationalhymne schmetterte und Kondome "pervers" fand, verstärkte den Eindruck, dass im Taubertal eine "Brutstätte für die rechte Elite" etabliert werden sollte. Das Interesse kritischer Medien war geweckt. Die Schlagzeilen fielen oft nicht positiv aus für ganz Weikersheim, das in die Schublade "Studienzentrum" gesteckt wurde, obwohl es damit eigentlich nichts zu tun hatte. Der Zirkel sah sich als "christlich-konservative Denkfabrik", deren Produkt die "geistig-ethische Erneuerung" sein sollte, seine Protagonisten wurden von Kritikern aber wahrgenommen als "geistige Brandstifter".

Helmut Schwarz, CDU-Mitglied seit 30 Jahren, kreidet Filbinger einen schweren Fehler an: "Er hatte sich die Rettung des Abendlandes vorgenommen - da müsste er doch der Herrgott sein." Doch an den guten Absichten des Ex-Landesvaters lässt er keine Zweifel aufkommen. Nach seinem Tod (2007) habe das Studienzentrum stark an Bedeutung verloren: "Das Niveau von früher gibt es nicht mehr." Das neue Präsidium habe mit ihm noch keinen Kontakt aufgenommen, teilt Bürgermeister Klaus Kornberger mit. Es scheint ihn nicht zu stören, dass der dreitägige Kongress zu einem Eintagestreffen geschrumpft ist. Die Macher des eingetragenen Vereins füllen den Rittersaal mit 300 Plätzen nicht mehr. Sie begnügen sich mit der Orangerie, Tagesmiete 690 Euro. "Da kommen 60 bis 70 Leute", sagt Schlossverwalterin Monika Menth (51). Das Studienzentrum ist für sie Kunde "wie jede Firma oder Hochzeitsgesellschaft". Aber sie ärgert sich sehr, dass Filbingers Erben noch immer als Adresse "Marktplatz 11" angeben, den Sitz der Schlossverwaltung: "Ich habe schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, die ändern das nicht, dabei haben sie dort kein Büro, kein Telefon, nichts." Monika Menth ist auch nicht erfreut, dass der umstrittene Debattierclub mit einer Ansicht "ihres" Schlosses wirbt.

Auf der Homepage der Stadt sind über 70 Vereine und Gemeinschaften verzeichnet. Sie tragen "wesentlich zum Gemeinwohl" bei, heißt es. Landfrauen, Sportler, Musiker gehören dazu, auch CDU und SPD, Sänger, Fischer, Heimatfreunde, VdK und TSV. Das Studienzentrum Weikersheim e.V. findet man nicht.

11.08.2012 - 08:30 Uhr

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