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Voller Stolz und Witz: Der Narro

Villinger Figur karikiert Gewänder und Gehabe des Hofadels

Der Narro ist die Hauptfigur der Villinger Fasnet. Barock und majestätisch tritt er beim Umzug auf, dabei hat jedes Teil seines Häses eine Bedeutung. Beim Strählen hält er seinen Mitbürgern den Narrenspiegel vor.

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PETRA WALHEIM
Artikelbild: Villinger Figur karikiert Gewänder und Gehabe des Hofadels

Villingen-Schwenningen Den Villingern geht das Herz auf, Auswärtige staunen und sind sichtlich beeindruckt, wenn sich am Fasnetsmontag um 9 Uhr mehr als 2500 Narren der Narrozunft Villingen auf den Weg durch die Altstadt machen. Der Narrovater führt hoch zu Ross die große Schar der Villinger Maschgere an, - so wurde der Narro ursprünglich genannt. In der ersten großen Gruppe sind die Narros unter sich. Im weiteren Verlauf des Umzugs gesellen sich die Altvillingerinnen und das Morbili dazu, zwei weibliche Fasnetsfiguren, die Trachten aus vorderösterreichischer Zeit tragen. Mit dabei sind auch die Stachi, die Butzesel und die Wuescht.

Wer die Fasnet liebt, fiebert ihr entgegen, und er nimmt einiges in Kauf, um mit dabei sein zu können. Wenn der Narro endlich in voller Montur in der Altstadt steht und darauf wartet, dass sich der Zug in Bewegung setzt, hat er schon eine kleine Tortur hinter sich. Das Anlegen des Narrohäses dauert, wenn der Narr Zeit genug hat, eine gute halbe Stunde, und es beginnt mit dem "Unterbau". "Der Narro ist eine barocke Figur, die wohlproportioniert sein muss", erklärt Zunftmeister Joachim Wöhrle. "Er kommt stolz und majestätisch daher. Deshalb wird er auch der Aristokrat der schwäbisch-alemannischen Fasnet genannt." Dabei will alles am Narro den Adel verspotten. So zumindest wird das Häs in der aktuellen Fasnetsforschung gedeutet. Was die adligen Herren früher getragen haben, ist zum Teil am Narro wiederzufinden, jedoch derart übertrieben, dass es die damalige adlige Lebensart karikiert und ins Lächerliche zieht.

Schlanke Narren, die einen Narro tragen wollen, müssen kreativ sein, um sich eine barocke Figur zu basteln. Einige tragen unter dem Häs einen dicken, alten Mantel, andere binden sich Decken um das Hinterteil, "denn in der Narrohose muss ein gut proportionierter Hintern stecken", sagt Wöhrle. Das Häs aus hellem, grobem Leinenstoff, wie ihn die einfachen Leute früher getragen haben, ist mit Ölfarben bemalt. Auf der Vorderseite der Hosenbeine stehen Löwe und Bär. Sie sollen die adligen Wappentiere karikieren. Die Rückseite schmücken "Hansele" und "Gretele". Der Hans hält eine Wurst in den Händen, ein Zeichen für fleischliche Genüsse. Der Häskittel ist nur etwa hüftlang und zeigt vorne Fuchs und Hase. Auf dem Rücken ist wieder der Hansel zu sehen, der eine Katze neckt. Hose und Kittel sind mit Pflanzenornamenten verziert. Auf die Ärmel sind Würste gemalt. Sie weisen darauf hin, dass vor der Fastenzeit noch einmal ordentlich gegessen und getrunken werden darf.

Dann legt der Narro jeweils über Kreuz vier Lederriemen mit je elf Rollen an. Rollen, das sind aus Bronze gegossene, runde Glocken. Sie wiegen zusammen 20 Kilogramm, und werden vom Narro beim Sprung zum Klingen gebracht. Schellen oder Rollen galten früher als Ausdruck von Würde und Stil. Seit dem 12. Jahrhundert schmückte sich der Adel mit kleinen Schellen. Um auch das zu veralbern, schmückt sich der Narro mit vielen großen Glocken. Links an den Rollen hängt das "Foulard", ein edles Seidentuch, das der Narr während des Umzugs eitel präsentiert.

An der Häskappe sind ein Fuchsschwanz und die Scheme, also die Maske, befestigt. Die Scheme ist aus Lindenholz, und die Narrozunft legt größten Wert darauf, dass sie handgeschnitzt ist. "Gefräste Schemen lehnen wir ab", sagt Wöhrle. Mit dem überdimensionierten Kragen und der riesigen Masche, die dem Narro bis weit über den Bauch reicht, ist das Narrohäs komplett. Sowohl Kragen als auch Masche zielen wieder auf die Kleidung des Adels ab und verspotten sie. Zum Häs trägt der Narro schwarze Lederschuhe und -handschuhe sowie einen globigen hölzernen Narrosäbel, eine Persiflage auf die Waffen der Adligen.

"Ein guter Narr hebt seine Scheme in der Öffentlichkeit nicht", sagt Wöhrle. Die Anonymität sei auch für das "Strählen" wichtig. Das geschieht beim Umzug und danach, wenn die Narren auf Bekannte und Wildfremde zugehen und sie hänseln: Sind es Bekannte, wird er ihnen ihre Missgeschicke unter die Nase reiben und sich darüber lustig machen. Bei Fremden kann er sich über Dinge auslassen, die ihm auffallen, und seien es nur rote Haare. Beim Strählen wie für die ganze Fasnet gilt jedoch: "Allen zur Freud und niemand zum Leid."

Weil der Narro aber doch hin und wieder seine Finger in Wunden legt, will er sein Opfer nach dem Strählen versöhnen. Deshalb darf der Gestrählte in die Schnupfdose fassen und sich eine Süßigkeit nehmen.

27.01.2010 - 08:30 Uhr

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