Verband befürchtet im neuen Schuljahr erneut viele Stundenausfälle
An den Berufsschulen im Land droht auch im kommenden Schuljahr ein massiver Ausfall von Unterrichtsstunden. Vertretungslehrer fehlen.
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Stuttgart Die Versorgung mit Lehrkräften ist an den Berufsschulen "höchst gefährdet", warnt Waldemar Futter, der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands im Südwesten. Eine Lehrerreserve für krankheitsbedingte Ausfälle gebe es faktisch nicht. An einigen Schulen in Nordbaden sei im vergangenen Schuljahr bis zu 20 Prozent des Unterrichts ausgefallen. Landesweit betrug das Defizit rein rechnerisch 4,6 Prozent. "Tatsächlich lag es deutlich höher", betont Futter.
Für das neue Schuljahr rechnet der Verbandschef mit noch mehr Ausfällen. Gleichzeitig sei das angefallene Pensum der Überstunden gewaltig: Mehr als 35 000 Lehrerwochenstunden seien bereits angefallen, das entspreche 1500 voll beschäftigen Lehrern. "Damit steht das Land bei seinen Berufsschullehrern mit 80 Millionen Euro in der Kreide", rechnet Futter vor. Mittelfristig benötigten die Berufsschulen im Land rund 800 volle Lehrerstellen, auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen: 300, weil der Klassenteiler gesenkt wurde; 200, um Überstunden abzubauen; und 300, um das strukturelle Unterrichtsdefizit abzubauen.
Kultusministerin Marion Schick (CDU) widersprach postwendend: "Der berufliche Bereich ist in den vergangenen Jahren alles andere als stiefmütterlich behandelt worden", betonte sie. Obwohl die Schülerzahl sinke, würden keine Stellen gestrichen. Auch stehe genug Geld für Vertretungsverträge bereit und mit der Senkung des Klassenteilers kämen weitere Mittel an die Berufsschulen. "Von einer Verschlechterung kann keine Rede sein."
SPD-Berufsbildungsexperte Gunter Kaufmann warnte aber vor einer absehbaren Verschärfung des Fachkräftemangels, sollte die Landesregierung den Berufsschulen nicht mehr Geld geben. Der zögerliche Ausbau der beruflichen Schulen sei nahezu "fahrlässig", warnte auch die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Doro Moritz. Das Land müsse etwa das Versprechen einlösen, durch zusätzliche Klassen an den Beruflichen Gymnasien den Realschülern mehr Plätze zu bieten. Aktuell reiche teilweise ein Notenschnitt von 2,3 nicht aus, um einen Platz zu bekommen - das Ministerium habe aber festgelegt, dass eine 3,0 ausreiche. lsw