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Frage der Mitschuld

Tod eines Kindes: Hat das Jugendamt versagt?

Im Prozess um den Hungertod eines kranken Kindes hat die Mutter ein Geständnis abgelegt. Ihr Anwalt will die Kultusministerin als Zeugin hören.

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Mannheim Als sich der Amtsarzt im April 2010 Zugang zu einer Mannheimer Wohnung verschafft, bietet sich ihm ein schrecklicher Anblick: Der neunjährige Marcel wiegt nur noch 14 Kilogramm. "Er war deutlich abgemagert und hatte kaum Fettgewebe", berichtete der Mediziner gestern im Mannheimer Landgericht. Die Hilfe kommt zu spät: Einige Wochen später stirbt der Junge in einer Klinik an den Folgen der Unterernährung.

Seit gestern muss sich Marcels Mutter vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen Totschlag durch Unterlassung vor. Gestern gestand die Angeklagte unter Tränen die Tat: Sie habe die künstliche Ernährung eingestellt, um die Qualen des unheilbar kranken Jungen zu beenden. Sie habe "als Mutter versagt" und bedaure ihr Fehlverhalten zutiefst, heißt es in einer Erklärung, die ihr Verteidiger Steffen Lindberg verlas. Sie werde ein Leben lang daran zu tragen haben. Eine Mitschuld trügen auch Mitarbeiter des Mannheimer Jugendamtes und eines Freien Trägers, glaubt der Verteidiger. Sie hätten Kontroll- und Überwachungspflichten vernachlässigt, sagt Lindberg - und will die neue Kultusministerin als Zeugin hören. Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) war damals als Mannheimer Bürgermeisterin für die Jugendhilfe zuständig. Der Anwalt glaubt, dass sie weiß, was im Fall Marcel "schiefgelaufen" sei.

Marcel sei ein Wunschkind gewesen, berichtete die Mutter gestern. Bevor seine unheilbare Krankheit ausbrach, sei der Bub aufgeweckt und fröhlich gewesen. 2007 dann die furchtbare Diagnose: Adrenoleukodystrophie. Eine Erbkrankheit, die zu einem raschen neurologischen Verfall und einem frühen Tod führt. Ende 2009 sei der Bub taub, blind und gelähmt gewesen, konnte nur noch künstlich ernährt werden. Ermittelt wird inzwischen auch gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamtes sowie zwei Angestellte eines Freien Trägers. Sie werden der fahrlässigen Tötung verdächtigt. In Mannheim soll nun die Jugendhilfe auf den Prüfstand, kündigte die zuständige Bürgermeisterin an.

04.02.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 04.02.2012 - 08:12 Uhr

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