03.07.2012 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

Jugendliche fühlen sich über Sexualität gut informiert

Pornos klären nicht auf

Noch nie fühlten sich Jugendliche so gut sexuell aufgeklärt wie heute. Dennoch gibt es nach Ansicht von Beratern nach wie vor Lücken. Das Internet könnte helfen, doch statt Informationen gibt es Pornografie.

Anzeige


TATJANA GARTNER, DPA

Mannheim Beim Thema Sexualaufklärung ist nach wie vor Fingerspitzengefühl gefragt. Zwar lassen die Zahlen einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hoffen: Danach fühlen sich 84 Prozent der Mädchen und 83 Prozent der Jungen beim Thema Sex gut informiert - ein neuer Rekord. Sexualberater sehen dennoch weiterhin Lücken. Sorgen bereitet ihnen auch das Internet. Dort suchen Jugendliche häufig nach Informationen über Sex, finden aber oft nur pornografische Darstellungen.

Artikelbild: Pornos klären nicht auf In der Pupille eines Internet-Nutzers spiegelt sich die Darstellung einer spärlich bekleideten Frau. Sexualaufklärung am Computer reicht jedenfalls nicht aus, sagen Berater. Pornografische Videos führen zu falschen Vorstellungen. Foto: dpa

Der Sozialarbeiter Rainer Misera von der Mannheimer Beratungsstelle für sexuell übertragbare Infektionen sagt: "Viele Kinder ab zehn Jahren haben schon mal pornografisches Material im Internet angeschaut. Diese prägen dann oft die Vorstellungen über Geschlechterrollen, Identität, Gefühle, Liebe und Sexualität." So entstünden "Erwartungshaltungen, die stark problematisch sind".

Die JIM-Studie (Jugend, Information, Media) von 2011 listet auf, dass Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren täglich mehr als zwei Stunden im Internet surfen. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es noch 80 Minuten; die Nutzungsdauer steigt mit höherem Alter stetig an.

Dass die Jugendlichen dabei auch nach sexuellen Themen suchen, kann man aus der Jugendsexualität-Studie der Bundeszentrale schließen. Dort erklärten 36 Prozent der Jungen mit deutscher Staatsangehörigkeit, dass sie sich am liebsten online über Sexualität und Verhütung informieren würden, bei Jungen mit Migrationshintergrund waren es sogar 46 Prozent.

Die Karlsruher Frauenärztin bei der Beratungsstelle pro familia, Anne Rudigier, beobachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Zwar böten die Medien einen einfachen Zugang zur Aufklärung, aber die Jugendlichen könnten nicht nachfragen. "Oft bleibt es deshalb bei Halbwissen." In einigen Familien seien Medien allerdings eine der wenigen Möglichkeiten für die Jugendlichen, sich mit sexuellen Themen zu beschäftigen. "Manchmal sind Gespräche aufgrund einer bestimmten Weltanschauung oder Kultur nicht möglich oder sogar nicht erlaubt", erzählt Rudigier. "In solchen Familien wird sogar der Fernseher abgedreht, wenn eine Liebesszene gezeigt wird."

Das Thema Aufklärung per Internet beschäftigt auch den Diplompsychologen Clemens Zeller, zuständig für sexualpädagogische Fragen bei pro familia im Landkreis Tübingen. Die Beratungsstellen müssten das Problem des Pornografiekonsums offensiver angehen, sagt er. "Das Ansehen von Pornos geht nicht spurlos an Jugendlichen vorbei und beeinflusst ihr sexuelles Verhalten." Allerdings warnt er gleichzeitig vor Panikmache. Die meisten Jugendlichen seien sich sehr wohl bewusst, dass in den kostenlosen Porno-Clips im Internet nicht die Realität einer sexuellen oder gar Liebes-Beziehung zwischen zwei Menschen gezeigt werde.

03.07.2012 - 08:30 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Fußball-Kreisliga A3: SV Oberndorf - SGM Poltringen/Pfäffingen 2:0 Millipay Micropayment

Frauen-Handball: Mössingen unterliegt Neuhausen 22:25 Millipay Micropayment

Tübingen siegt im Duell der Kellerkinder

Tübingen: 25 Jahre Partnerschaft mit Petrosawodsk

Windmills mit dem Weltmeister

Breakdance: Ein Turtle in Bildern

Kreisliga B: Bühl und Kiebingen II trennen sich 1:1 Millipay Micropayment

TSG-Gala in Tübingen

Martinsumzug in Wurmlingen

Walter Tigers gegen Ulm

Almklausi war in der Bästenhardt-Turnhalle

Landesliga: Rottenburg und Mössingen trennen sich 0:0 Millipay Micropayment

Handball-Landesliga: Spvgg Mössingen - Dettingen/Erms: 28:27 Millipay Micropayment

Walter Tigers Tübingen - Braunschweig: 93:76

Basketball-Regionalliga: Tübingen schlägt Kaiserslautern 81:76 Millipay Micropayment

Bernd Haug ist Bürgermeister von Kirchentellinsfurt

Der alte ist der neue

Bernd Haug wird Bürgermeister in Kirchentellinsfurt

Anzeige


Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Woche im Rückklick
Viele Kinder der Hügelschule und der Französischen Schule müssen die stark befahrene B 27 in ...

Wissen, was war

Die Woche vom 15. bis 21. November: Gefährliche Kreuzungen und Ampelübergänge, Überfall mit tödlichen Folgen und Entsetzen über ein Prügelvideo im Netz.

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Das TAGBLATT-Zeitungsarchiv
Artikelbild: Das Redaktionsarchiv des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS

Sie suchen? Wir finden.

Wer kennt das nicht: Ausgerechnet den Artikel zum Thema, das einen gerade beschäftigt, hat man verpasst. Oder man braucht dringend einen Überblick über eine regionale Fragestellung. Das TAGBLATT-Archiv hilft weiter.

Ihr Kontakt zur Redaktion
Schwäbisches Tagblatt 

07071/934-0

Tagblatt Online
07071/934-0
Steinlach Bote 07473/9507-0
Rottenburger Post 07472/1606-16
Reutlinger Blatt 07121/3259-50
Neckar Chronik Horb 07451/9009-30
Tagblatt Anzeiger 07071/934-0