Polizei rät Bikern zu vorsichtigem Einstieg in die neue Motorradsaison
Schönstes Wetter ist angesagt, die Maschinen sind wieder zugelassen - es wird ein Motorrad-Wochenende. Doch oft endet die erste Ausfahrt tödlich. Polizei und Helfer bereiten sich auf schlimme Unfälle vor.
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RAIMUND WEIBLE
Nach Monaten der Abstinenz fehlt Bikern oft das Gefühl für die Maschine, viele unterschätzen die Risiken. Foto: Fotolia
Tübingen "Da wird es abgehen an diesem Wochenende." Der Erste Hauptkommissar Dieter Speiser weiß aus Erfahrung, was am Samstag und Sonntag auf den Straßen los sein wird. Das erste April-Wochenende steht bevor, dazu ist noch schönes, mildes Wetter angesagt. Beste Bedingungen, das eben erst wieder angemeldete Motorrad für die erste Ausfahrt aus der Garage zu holen.
Doch Speiser von der Servicestelle "Gib acht im Verkehr" in Tübingen rät zur Vorsicht. "Man muss erst wieder ein Gefühl kriegen für die Maschine", sagt der Polizist, der selbst gerne Motorrad fährt, "man muss sich erst wieder warm fahren". Vernünftige Biker gehen die ersten Ausfahrten entspannt an, gewöhnen sich langsam wieder an die Bremsen, die Beschleunigung, die Geschwindigkeit und das Lenkverhalten ihrer Maschine. Sie halten sich beim Überholen zurück. Denn auch das Abschätzen von Entfernung und Tempo der entgegenkommenden Fahrzeuge ist Übungssache. So kurz nach dem Winter heißt es auch, auf Frostaufbrüche und Splitt zu achten. "Am besten macht man zu Saisonbeginn ein Sicherheitstraining", empfiehlt Speiser.
Vorsicht ist absolut geboten. Die erste Ausfahrt im Jahr ist für zahlreiche Biker gleich auch die letzte. An den ersten sonnigen Wochenenden des Frühjahrs häufen sich die Unfälle, "weil Mensch und Maschine noch nicht fit genug für das Freiluftvergnügen sind", wie das Innenministerium feststellt. Polizisten, Notärzte, Sanitäter fürchten diese ersten schönen Wochenenden. Sie müssen sich auf schlimme Motorradunfälle gefasst machen.
Auch die Autofahrer müssen sich wieder auf die Motorradfahrer einstellen. Sie sind wegen ihrer schmalen Silhouette leicht zu übersehen. Überhöhte Geschwindigkeit, Leichtsinn und das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten sind bei den meist folgenschweren Unfällen häufig die Ursachen. Kollisionen, die zwischen Autos nur Blechschäden und keine Personenschäden hervorrufen, haben bei einem Zusammenprall von Fahrzeug und Motorrad meist ernstere Folgen. Und der Motorradfahrer ist derjenige, den es am schlimmsten erwischt: Er hat keine Knautschzone.
Die Polizei tut einiges, um die Motorradfahrer zu besonnenem Fahren anzuhalten. "Raser verlieren" heißt es auf Plakaten. Sie hängen an besonders unfallträchtigen Motorradstrecken, so zwischen Todtnau-Gschwend und Bernau-Dorf im Hochschwarzwald oder zwischen Neidingen und Dietfurt im oberen Donautal. Nicht ohne Grund: Jeder fünfte Verkehrstote in Baden-Württemberg ist ein Motorradfahrer. Obwohl Motorräder nur einen Anteil von zwei Prozent an der jährlichen Fahrleistung aller Fahrzeuge in Deutschland aufweisen, besteht für die Fahrer ein 16-fach höheres Risiko, schwer zu verunglücken. Die jüngsten Motorradfahrer wiederum sind am stärksten gefährdet. Bei über 20 Prozent aller Motorradunfälle mit Verletzten waren Personen zwischen 18 und 24 Jahren beteiligt, und jeder vierte getötete Motorradfahrer ist dieser Altersgruppe zuzurechnen.
Bei Warnungen und Informationsveranstaltungen belässt es die Polizei nicht. Auf besonders unfallträchtigen Strecken überwacht sie, ob die Motorradfahrer die Tempolimits einhalten. Lasermessgeräte und Lichtschrankenanlagen kommen zum Einsatz. Und dann noch die Videomotorräder, sozusagen die "Geheimwaffe" der Polizei. Inzwischen sind acht solcher zivil aussehenden Motorräder im Land unterwegs. Sie sind so stark und ihre Fahrer so geübt, dass sie auch Rasern folgen können. Eine Kamera am Scheinwerfer zeichnet verbotenes Fahren auf.