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Fernwärme von der Sonne

Pilotprojekte in Büsingen und Crailsheim

Bioenergiedörfer gibt es einige im Land - aber keines, in dem Solarwärme genutzt wird. Büsingen wird das erste sein. Wie die Wärme der Sonne gespeichert werden kann, zeigt ein Projekt in Crailsheim.

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PETRA WALHEIM
Artikelbild: Pilotprojekte in Büsingen und Crailsheim

Büsingen/Crailsheim In Büsingen ist vieles anders als im Rest von Deutschland: Die Gemeinde im Kreis Konstanz mit knapp 1400 Einwohnern ist komplett von Schweizer Staatsgebiet umgeben und bundesweit die einzige Exklave. Es gelten zwei Währungen: Obwohl das offizielle Zahlungsmittel der Euro ist, wird in Büsingen mit Schweizer Franken bezahlt, auch deshalb, weil viele Büsinger in der Schweiz arbeiten. Und: Büsingen gilt als Schweizer Wirtschaftsraum, weshalb dort das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht gilt.

Nun soll aber auch Büsingen Bioenergiedorf werden. Grundlage der bisherigen Vertreter dieser Zunft sind in der Regel Biogasanlagen, die mit Biomasse betrieben werden. Die Anlage erzeugt meist ein Vielfaches dessen, was an Strom und Wärme im Dorf benötigt wird. Die Betreiber der Anlagen speisen den überschüssigen Strom ins Netz ein und erhalten dafür eine feste Vergütung, die über das EEG geregelt ist. "In Büsingen läuft das Prinzip ins Leere", sagt Bene Müller, Vorstand des Unternehmens Solarcomplex in Singen. Dessen ehrgeiziges Ziel ist es, die Energieversorgung in der Bodenseeregion bis 2030 weitgehend auf erneuerbare Energien umzustellen. So auch in Büsingen.

Weil das EEG in der Exklave nicht gilt, wird Büsingen bundesweit das erste Bioenergiedorf, in dem außer der Biomasse die Solarthermie genutzt wird. Diese Mischung entspricht auch einem Grundprinzip Müllers: "Wir können nicht nur auf Biomasse setzen, weil wir für den Anbau der benötigten Pflanzen die Flächen nicht haben." Außerdem sei die Flächeneffizienz der Biomasse schlecht: Über Sonnenkollektoren und Windkraftanlagen könne auf der gleichen Fläche ein Vielfaches der Energie erzeugt werden, die aus Biomasse gewonnen wird.

Gebaut werden in Büsingen ein fünf Kilometer langes Nahwärmenetz, zwei Hackschnitzelkessel und ein Solarkollektorfeld mit 1000 Quadratmetern Kollektorfläche. Aufgestellt werden die Kollektoren auf einer 4000 Quadratmeter großen Wiese am Ortsrand. Dort wird auch eine Heizzentrale gebaut mit einem Pufferspeicher , in dem 100 000 Liter des von der Sonne erwärmten Wassers gespeichert werden können. Mit den Hackschnitzelkesseln könne nicht schnell genug auf einen spontan erhöhten Bedarf an warmem Wasser reagiert werden, sagt Müller. Baubeginn ist im März, im Herbst soll die Wärmelieferung an die Büsinger starten.

Dem Problem der Speicherung solar erzeugter Wärme haben sich die Stadtwerke Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) in besonderer Weise genähert. Sie haben in einem neuen Wohngebiet mit Gymnasium und Sporthalle sowie 270 Gebäuden eine "solar unterstützte Nahwärmeversorgung" mit einem saisonalen Erdsonden-Wärmespeicher gebaut. Nach Wissen von Sebastian Kurz von den Stadtwerken Crailsheim ist das die bundesweit größte Anlage dieser Art. Mit ihr soll erreicht werden, dass die von den Sonnenkollektoren im Sommer erzeugte Wärme bis in den Winter hinein gespeichert wird und damit die Häuser der Siedlung mit warmem Wasser beliefert werden. 50 Prozent des Gesamtwärmebedarfs sollen so gedeckt werden. Die andere Hälfte liefert ein Blockheizkraftwerk per Fernwärme.

Für die Wärmespeicherung wurden 80 Sonden bis in eine Tiefe von 55 Meter verlegt. Durch sie fließt das von der Sonne erwärmte Wasser. Dadurch erwärme sich das umliegende Gestein bis zum Ende des Sommers auf bis zu 75 Grad, sagt Kurz. Er ist bei den Stadtwerken Leiter der Abteilung Planung und Projektleiter für die Solaranlage. Das Gestein speichere die Wärme und gebe sie im Winter wieder an das aus den Häusern zurückfließende, abgekühlte Wasser ab. 66 Grad warm muss das Wasser sein, das in die Häuser geleitet wird.

Da das Gestein die Wärme an das Wasser abgibt, kühlt es im Lauf des Winters ab. Ist es nur noch 40 Grad warm, wird eine Wärmepumpe dazugeschaltet. Das ist auch in diesem Winter noch der Fall. Die Anlage ging erst 2009 in Betrieb. Nach Auskunft von Sebastian Kurz ist das Gestein noch nicht so stark erhitzt, dass es das Wasser durchgängig ausreichend erhitzen könne. Es dauere Jahre, bis sich der Untergrund stabil erwärmt habe. Doch es zeigt sich jetzt schon, dass das Prinzip funktioniert. "Sogar besser als erwartet", sagt Kurz. Die Wärmespeicherfähigkeit des Gesteins und das Abkühlungsverhalten seien sehr gut. Das Institut für Thermodynamik und Wärmetechnik der Uni Stuttgart hat das Monitoring des Projekts übernommen und bestätigt den bisherigen positiven Verlauf.

03.02.2012 - 08:30 Uhr

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