04.03.2013 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

"Eine Stadt ist niemals fertig"

OB Hermann-Josef Pelgrim kandidiert in Schwäbisch Hall für eine dritte Amtszeit

Seit 16 Jahren ist Hermann-Josef Pelgrim Oberbürgermeister in Schwäbisch Hall. Am 10. März tritt er wieder an - für weitere acht Jahre. Schließlich gebe es noch viel zu tun, sagt der Rathauschef.

Anzeige


MARCUS HAAS

Schwäbisch Hall "Eine Stadt ist niemals fertig. Es gibt noch viel zu gestalten. Meine Arbeit macht mir Freude", sagt Hermann-Josef Pelgrim. Das Gesundheitswesen mit der Weiterentwicklung des Diakgeländes, die Kocherstadt vollends als Hochschulstandort zu etablieren, das sind ihm wichtige Themen. Auf Landesebene engagiert er sich als Vorsitzender der sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik. Bei der Landtagswahl 2011 trat Pelgrim als SPD-Kandidat im Wahlkreis Hohenlohe an. Im Falle eines Einzugs wollte er zugleich OB bleiben. Er gehörte zwar zu den Kandidaten mit dem größten Stimmen-Plus landesweit, den Sprung in den Landtag schaffte er aber nicht.

Artikelbild: OB Hermann-Josef Pelgrim kandidiert in Schwäbisch Hall für eine dritte Amtszeit Hermann-Josef Pelgrim will Rathauschef in Hall bleiben. Foto: Marcus Haas

Ende 2012 war Pelgrim mit Tübingens Grünen-OB Boris Palmer mit Stuttgart 21 in den Schlagzeilen. In einem Brief an die Landesregierung forderten sie, den Weg für eine Alternative zu Stuttgart 21 zu ebnen - durch Verzicht auf Schadensersatz.

Der SPD-Politiker erfährt in Hall breite Unterstützung über die politischen Strömungen hinweg, auch im Gemeinderat. Bürger aus vielen Gesellschaftsschichten machen sich in einer über 150-köpfigen Wählerinitiative für eine weitere Amtszeit Pelgrims stark. Das hängt vor allem mit der geleisteten Arbeit zusammen. Der 53-Jährige erinnert sich an die Zeit, als er in die Kocherstadt kam. Die Stadt hatte 20 Jahre Reichtum hinter sich. Jährlich sprudelten Millionen an Gewerbesteuerzahlungen der Bausparkasse. Eigentlich lief es von alleine und für einen OB gab es gar nichts groß zu tun? "Ein genauerer Blick zeigte, dass es damals schon Mittelmäßigkeit in der Beschäftigungsdynamik, in der Ausbildungssituation gab. Es fehlten Gewerbegebiete, die Verkehrsinfrastruktur war rückläufig", so Pelgrim, der seine größte Herausforderung als OB da noch vor sich hatte.

Von 2002 an gab es keine Gewerbesteuer mehr von der Bausparkasse. Ein finanzieller Zusammenbruch, knapp die Hälfte der Einnahmen war weg, die Ausgaben liefen weiter. Keiner wusste, wie eine solche Krise zu bewältigen ist. "Ein Notfallplan für die Stadt musste her", sagt Pelgrim. Aufgaben wurden reduziert, Einrichtungen zusammengeführt, Gebühren sowie Steuern erhöht und der Personalaufbau in der Verwaltung verändert, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Über 2000 Einzelmaßnahmen waren es in kurzer Zeit.

In kurzer Zeit musste Pelgrim vom Vermögensverwalter zum Krisenmanager werden. "Auch wenn das eine schwierige Situation war, die Verknüpfung von Politik und Management hat mich schon immer gereizt. Das liegt mir", sagt er.

Und Niederlagen? Schlimm war der Montag nach der Wiederwahl zum OB im Jahr 2005. Eine Beteiligung von 22,3 Prozent, "das war schon deprimierend". Aber Jammern ist nicht sein Ding. Entspannung findet er beim Fußball oder beim Wandern im Gebirge. Dass der Notfallplan für die Stadt funktioniert hat, zeigen aktuelle Daten. Die Bevölkerungszahl ging nach oben, auf 37 337 Menschen Ende 2012. Nie gab es mehr Haller. Noch stärker stieg die Beschäftigung.

Mittlerweile ist Schwäbisch Hall ein Stadtkonzern mit über 1000 Beschäftigten und fast 500 Millionen Euro Jahresumsatz. "Es gibt im Prinzip keine grundlegende Entscheidung, die nicht durch den Oberbürgermeister getragen sein muss", sagt Pelgrim, der genau das gesucht und gefunden hat: Entscheiden und gestalten können. Bevor er nach Hall kam, war er unter anderem für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Chile und Nicaragua. Seither spricht Pelgrim fließend spanisch, seit seinem Betriebs- und Volkswirtschaftsstudium in den USA fließend englisch. Pelgrim hat einen Bruder, zwei Töchter, ist zum zweiten Mal verheiratet. Er ist in Bocholt in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen. Heimat ist ihm aber Schwäbisch Hall geworden.

04.03.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 18:50 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt: Markus Appenzeller

An der Uni Tübingen entsteht ein 3D-Modell des römischen Rottenburg

Kreisliga A3: Eintracht Rottenburg - SC Azurri Mössingen 0:1 Millipay Micropayment

8. Reutlinger Oldtimertag auf dem Marktplatz

Kunststücke mit dem JoJo: Europameister Carlos Braun aus Entringen

Wakeboarding auf der Ammer in Tübingen schlägt Wellen

Falscher Straßenbelag in der Tübinger Friedrichstraße

Samstag Zaz, Sonntag LaBrassBanda beim Sommer-Open-Air

Rettung am Bahnübergang: Trainieren für den Ernstfall

Berthold Schneider hat Tätowierte fotografiert

Impressionen von der Tübinger Sommerinsel

Eine erneute Blockade für die B28a in Hirschau

Umschalten auf Ferienstimmung - wie gelingt das am besten?

Altes Blechle: Parade der Oldtimer in Hailfingen

Rock'n'Punk im Jugendhaus Mössingen

Bau des Scheibengipfeltunnels an der Achalm in Reutlingen

Mini-Rock-Festival 2014 in Horb

Demo gegen Antisemitismus in Tübingen

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Neue Aula

Wissen, was war

Die Woche vom 9. bis 15. August: Gletscher-Unglück, Humboldt-Ranking, Ammer-Spritztour und Stellplatz-Not

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Zeitzeugnisse
Szene um 1914, Soldaten auf dem Weg zum Bahnhof Eyach winken in Börstingen einer Frau zu, die mit ...

Mit den Kindern des Feindes geteilt

Zum Themenabend „1914 – Feld der Ehre – Ährenfelder“ lud das Börstinger Dorfmuseum Kulturtankstelle am Samstagabend ins Gasthaus Lamm. Dort gab es zu den Lesungen und einer kleinen Ausstellung auch „schmackhafte Kriegskost“.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion