Heilbronner Polizisten berichten von Diensterlebnissen
Mit dem Schreiben Stress abbauen
"Es gibt nichts, was es nicht gibt", erfahren Polizisten bei der Ausbildung ebenso wie im Alltag. Heilbronner Beamte haben ihre prägendsten Erlebnisse und Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst.
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HANS GEORG FRANK
Heilbronn Die erste Wiederbelebung einer Frau nach einem Selbstmordversuch, das Auffinden eines Erhängten auf dem Dachboden, ein Unfall mit einem tödlich verletzten Kind - solche Erlebnisse vergessen Polizisten nicht. "Täglich müssen wir uns mit Dingen auseinandersetzen, die für Außenstehende undenkbar erscheinen", weiß der Chef der Heilbronner Polizeidirektion, Roland Eisele (55). Dazu gehöre die "Gefahr für Leib und Leben", schwerer Widerstand ebenso wie "scheinbar Unbedeutendes und Banales, das sich in unsere Gedanken förmlich hineingefressen hat".
Zum Lachen ist der Polizeialltag nur selten, nachlesbar im neuen Buch: Heilbronns Polizeichef Roland Eisele (links), Pressesprecher Harald Schumacher. Foto: Polizei
Was die Ordnungshüter oft viele Jahre beschäftigt, haben einige von ihnen aufgeschrieben und in einem Buch zusammengefasst. "Alltagsgeschäft?!" heißt der Sammelband, der nach einer Idee von Pressesprecher Harald Schumacher entstanden ist. Der 48-jährige Polizeihauptkommissar hatte alle 900 Kollegen aufgerufen, 22 von ihnen haben reagiert und 51 Geschichten eingeschickt, um sich, wie Schumacher glaubt, "das Erlebte vom Hals zu schaffen".
"Mein Leben ist nicht in der Hand des Bankräubers, sondern in der Hand Gottes", sprach sich ein Polizist Mut zu, als er den Lauf eines Revolvers spürte. Derart motiviert blieb er ruhig und besonnen, organisierte die Fahndung, die nach fünf Minuten zur Festnahme führte.
Der Heilbronner "Zuhälterkönig" Hannes baute ein illegales Imperium auf, "als der damalige baden-württembergische Innenminister öffentlich die Existenz organisierte Kriminalität in Abrede stellte". Hannes legte sich mit Hamburger Kollegen an, war vor Ort auf Manieren bedacht, weshalb ein Subalterner sich nach einer Auseinandersetzung mit Polizisten höflichst für sein "ungebührliches Verhalten" entschuldigen musste.
"Der Tod in seiner unerbittlichen Nüchternheit", wie ein Polizist schrieb, bleibt unvergesslich wie gefährliche Verfolgsfahrten, die waghalsige Hilfe für ein versumpftes Schaf, treffsichere Exekution ausgebüxter Rinder neben der Autobahn, die verdeckte Ermittlung gegen Prostituierte oder ein Striptease im Revier. "Die authentischen Schilderungen lassen zum Teil erahnen, welchen Gedanken, Ängsten und Gefühlen die einzelne Beamtin oder der Beamte ausgesetzt waren", schreibt Eisele im Vorwort. Zu den außergewöhnlichsten Episoden gehört der Zusammenstoß eines Radfahrers mit einem Zug. Der Mann hatte das Rotlicht nicht gesehen, die Lokomotive nicht gehört - der Taubstumme war sehbehindert und wurde von der Sonne geblendet. Er überlebte den Unfall mit einer ausgerenkten Hüfte, weil er zwischen die Gleise geworfen und nicht überrollt worden war.
Für Harald Schumacher ist das Schreiben ein Ventil zum Stressabbau. Er hat bereits fünf Kinderbücher verfasst, sie handeln vom Zwerg Zorg, von Wald und Tieren.
02.01.2013 - 08:30 Uhr
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