02.01.2013 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

Heilbronner Polizisten berichten von Diensterlebnissen

Mit dem Schreiben Stress abbauen

"Es gibt nichts, was es nicht gibt", erfahren Polizisten bei der Ausbildung ebenso wie im Alltag. Heilbronner Beamte haben ihre prägendsten Erlebnisse und Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst.

Anzeige


HANS GEORG FRANK

Heilbronn Die erste Wiederbelebung einer Frau nach einem Selbstmordversuch, das Auffinden eines Erhängten auf dem Dachboden, ein Unfall mit einem tödlich verletzten Kind - solche Erlebnisse vergessen Polizisten nicht. "Täglich müssen wir uns mit Dingen auseinandersetzen, die für Außenstehende undenkbar erscheinen", weiß der Chef der Heilbronner Polizeidirektion, Roland Eisele (55). Dazu gehöre die "Gefahr für Leib und Leben", schwerer Widerstand ebenso wie "scheinbar Unbedeutendes und Banales, das sich in unsere Gedanken förmlich hineingefressen hat".

Artikelbild: Mit dem Schreiben Stress abbauen Zum Lachen ist der Polizeialltag nur selten, nachlesbar im neuen Buch: Heilbronns Polizeichef Roland Eisele (links), Pressesprecher Harald Schumacher. Foto: Polizei

Was die Ordnungshüter oft viele Jahre beschäftigt, haben einige von ihnen aufgeschrieben und in einem Buch zusammengefasst. "Alltagsgeschäft?!" heißt der Sammelband, der nach einer Idee von Pressesprecher Harald Schumacher entstanden ist. Der 48-jährige Polizeihauptkommissar hatte alle 900 Kollegen aufgerufen, 22 von ihnen haben reagiert und 51 Geschichten eingeschickt, um sich, wie Schumacher glaubt, "das Erlebte vom Hals zu schaffen".

"Mein Leben ist nicht in der Hand des Bankräubers, sondern in der Hand Gottes", sprach sich ein Polizist Mut zu, als er den Lauf eines Revolvers spürte. Derart motiviert blieb er ruhig und besonnen, organisierte die Fahndung, die nach fünf Minuten zur Festnahme führte.

Der Heilbronner "Zuhälterkönig" Hannes baute ein illegales Imperium auf, "als der damalige baden-württembergische Innenminister öffentlich die Existenz organisierte Kriminalität in Abrede stellte". Hannes legte sich mit Hamburger Kollegen an, war vor Ort auf Manieren bedacht, weshalb ein Subalterner sich nach einer Auseinandersetzung mit Polizisten höflichst für sein "ungebührliches Verhalten" entschuldigen musste.

"Der Tod in seiner unerbittlichen Nüchternheit", wie ein Polizist schrieb, bleibt unvergesslich wie gefährliche Verfolgsfahrten, die waghalsige Hilfe für ein versumpftes Schaf, treffsichere Exekution ausgebüxter Rinder neben der Autobahn, die verdeckte Ermittlung gegen Prostituierte oder ein Striptease im Revier. "Die authentischen Schilderungen lassen zum Teil erahnen, welchen Gedanken, Ängsten und Gefühlen die einzelne Beamtin oder der Beamte ausgesetzt waren", schreibt Eisele im Vorwort. Zu den außergewöhnlichsten Episoden gehört der Zusammenstoß eines Radfahrers mit einem Zug. Der Mann hatte das Rotlicht nicht gesehen, die Lokomotive nicht gehört - der Taubstumme war sehbehindert und wurde von der Sonne geblendet. Er überlebte den Unfall mit einer ausgerenkten Hüfte, weil er zwischen die Gleise geworfen und nicht überrollt worden war.

Für Harald Schumacher ist das Schreiben ein Ventil zum Stressabbau. Er hat bereits fünf Kinderbücher verfasst, sie handeln vom Zwerg Zorg, von Wald und Tieren.

02.01.2013 - 08:30 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

Afrikafest in Tübingen

700 Jahre Bürgerwache Rottenburg

Dorfstraßenfest Kirchentellinsfurt

10. Tübinger Rosenfest

Der zehnte 24-Stundenlauf von Dettenhausen

Drei Tage umsonst und draußen: Das achte KuRT-Festival hat eröffnet

Grillen wie ein Profi

Tübingen fiebert mit der National-Elf im Finale

So feierten Tübingen und Reutlingen den WM-Titel

Hoch zu Ross: Die Stadtgarde feierte

Tübinger Fußballfans nach dem 7:1 im WM-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien

Busfahrer-Warnstreik am 8. Juli 2014 im Tübinger Stadtverkehr

Busfahrer-Streik im Tübinger Stadtverkehr

Fest im Französischen Viertel

In Dusslingen wurde der Acker gerockt

Spring- und Dressurreiten in Turnier-Vollendung

Im Laufschritt durch die Reutlinger Altstadt

Gräber über Gräbern: Die Sülchen-Ausgrabung in Rottenburg

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Artikelbild: 51-Jähriger wird in Altingen von einer Kreuzotter gebissen

Wissen, was war

Die Woche vom 12. bis 18. Juli:Weltmeister-Jubel, Interview mit Die Partei-Stadtrat und ein mysteriöser Schlangenbiss

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Zeitzeugnisse

Ein Haus mit schönen Töchtern

Die Neckarhalde galt als „reizvolle Lage mit schönen Gärten bis an den Fluß“. So beschrieb das SCHWÄBISCHE TAGBLATT in seiner Rubrik „Die Straße der Berühmtheiten“ die Neckarhalde in der Ausgabe vom 1. August 1947. Namentlich erwähnt wurde darin auch das Gebäude in der Neckarhalde 32, das andere Eigentümer hatte, bevor es 1931 in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde überging.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion