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Aufregung um Atommüll

Lager für radioaktiven Abfall aus stillgelegten Anlagen gesucht

Bei Karlsruhe könnte ein Zwischenlager für Atommüll erweitert werden, in Neckarwestheim wird Abfall aus Obrigheim befürchtet. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht, sagt der Umweltminister.

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HANS GEORG FRANK

Stuttgart Die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) und das Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) haben ein gemeinsames Problem. Beide Anlagen sind abgeschaltet und werden demontiert, dabei hindert jedoch radioaktiver Abfall. Nun wird im WAK geprüft, ob ein Zwischenlager erweitert werden kann, weil das vorgesehene Depot im Schacht Konrad bei Salzgitter nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Voraussichtlich erst 2019 dürften dort schwach- und mittelradioaktive Überreste angenommen werden, gerechnet wurde jedoch mit einem Start spätestens 2013.

Werden im Hardtwald nördlich von Karlsruhe vorübergehend mehr radioaktive Überreste deponiert als vereinbart, wäre eine Erweiterung des in der Nähe befindlichen Instituts für Transurane (ITU) in Gefahr. Die europäischen Atomforscher bekamen für ihr Projekt nur grünes Licht, wenn auf dem gesamten Gelände "Campus Nord" in Zukunft weniger gefährliches Material aufbewahrt wird, was bei der angedachten Vergrößerung im WAK nicht mehr gewährleistet wäre.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), der den Karlsruher Kompromiss ausgehandelt hat, sieht "keinen unmittelbaren Zusammenhang" zwischen ITU und WAK. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei der Übergangslösung allenfalls um eine "Pufferlagerung". Von einer "neuen kerntechnischen Aktivität", wie sie im Mediationsverfahren ausgeschlossen worden sei, könne gleichfalls keine Rede sein.

"Es gibt keine konkreten Pläne für den Bau eines neues Zwischenlagers", bekräftigte Untersteller gestern. Derzeit werde nur untersucht, ob die bestehenden Lagerkapazitäten für die Abfallmenge ausreichten.

Im Obrigheimer Atomkraftwerk, das seit 2005 stillgelegt ist und derzeit zerlegt wird, befinden sich ausgemusterte Brennelemente in einem Nasslager, das dem Rückbau im Wege steht. Ein externes Endlager ist beantragt, aber noch nicht genehmigt. Erst Ende letzten Jahres wurden neue Pläne eingereicht.

In Neckarwestheim wurde im Oktober 2006 ein "Standortzwischenlager" für 40 Millionen Euro fertiggestellt. In zwei unterirdischen Röhren finden 152 Castor-Container Platz. Es soll maximal 40 Jahre lang nur für strahlenden Abfall aus den beiden Neckarwestheimer Reaktoren genutzt werden, wurde damals versprochen.

Nun haben "Überlegungen" des Umweltministeriums über einen anderen Umgang des KWO-Mülls Neckarwestheim und Umgebung aufgeschreckt. Es wird befürchtet, dass aus Obrigheim unerwünschter Nuklearschrott angekarrt wird. Ministeriumssprecher Ralf Heineken bestätigte, dass "mehrere Möglichkeiten diskutiert" würden, es gebe jedoch keinen fertigen Plan und keine Gespräche mit dem Betreiber ENBW.

Dennoch rüsten sich am Ort Gegner bereits für den Widerstand. Das Neckarwestheimer Zwischenlager hatte den Anti-Atom-Aktivisten neuen Zulauf beschert, weil von Anfang an befürchtet wurde, dass die Container für immer in den beiden Stollen bleiben könnten.

04.02.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 04.02.2012 - 08:12 Uhr

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