Krankenhäuser und Krankenkassen sind sich nicht immer grün. Neuester Zankapfel sind angeblich falsche Patientenabrechnungen.
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SWP
Stuttgart Die Krankenhäuser im Südwesten wehren sich gegen den Vorwurf von Falschabrechnungen. "Wir verwahren uns dagegen, dass uns regelrechter Betrug unterstellt wird", sagte Thomas Reumann, Chef der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft. Eine entsprechende Beschwerde werde demnächst an den Bundesrechnungshof gehen, kündigte er an. Die Behörde hatte vor kurzem jede dritte geprüfte Krankenhausabrechnung für fehlerhaft erklärt. 875 Millionen Euro hätten die Krankenkassen 2010 zu Unrecht an die Kliniken gezahlt.
Visite im Krankenhaus. Der Verband der Kliniken ärgert sich darüber, dass die Einrichtungen in ein schiefes Licht gerückt wurden. Foto: Fotolia
Reumann sagte: "Ich ärgere mich darüber, dass der Bundesrechnungshof die Argumente der Krankenkassen, deren medizinischer Dienst die Abrechnungen kontrolliert hatte, ungeprüft übernommen hat." Auch bei den Klinikärzten seien der Frust, die Verärgerung und das Unverständnis groß, fügte der Reutlinger Landrat hinzu.
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hatte 2010 zwölf Prozent der Krankenhausrechnungen kontrolliert. Von diesen wurden 40 Prozent beanstandet, zum Großteil, weil der MDK die Aufenthaltszeiten in den Kliniken für zu lang hielt. "Es geht also nicht um nicht erbrachte Leistungen, sondern um Beurteilungen der Ärzte am Krankenbett, die im Nachhinein nach Aktenlage infrage gestellt wurden", meinte Reumann.
Solche Entscheide müssten aber dem örtlichen Mediziner überlassen bleiben, zumal weder er selbst noch das Krankenhaus Vorteile von einer längeren Verweildauer des Patienten hätten - im Gegenteil. Auch die Hochrechnung der Ergebnisse auf alle Krankenhausrechnungen sei nicht seriös, weil gezielt solche Abrechnungen kontrolliert worden seien, bei denen hohe Einsparungen zu erwarten gewesen seien.
Überdies kritisierten die Kontrolleure der Krankenkassen falsche Codierungen für Fallpauschalen. "Das ist ein Dickicht von 13 200 Diagnosen und 25 000 möglichen Therapien, über deren Zuordnung man sich trefflich streiten kann", erläuterte Reumann. Auch hier dürfe den Ärzten kein bewusst falsches Handeln unterstellt werden.
Sein Verband sei überzeugt, dass den Kliniken eine Bezahlung für die erbrachten Leistungen zustehe. lsw