Der Traum von einem neuen gläsernen Stadttor ist in Isny ausgeträumt. Die Bürger der Stadt haben dem spektakulären Projekt eine Absage erteilt.
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RUDI SCHÖNFELD
Isny In der Nacht nach dem Bürgerentscheid hat er schlecht geschlafen, räumt Rainer Magenreuter ein, Bürgermeister von Isny (Kreis Ravensburg). Am Montagmorgen sitzt der Schock der Abstimmungsniederlage noch tief. Aus zahlreichen Informationsveranstaltungen und Diskussionen um das neue Stadttor habe er keinerlei negative Signale aus der Bevölkerung erhalten. Und nun das: Dreiviertel der Abstimmenden haben Nein gesagt. Sie wollen den Glasturm nach Plänen des Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor nicht, weil er nicht ins historische Stadtbild passe, weil die Finanzierung zweifelhaft sei und weil sie die Folgekosten für das auf rund 20 Millionen Euro geschätzte Bauwerk für unkontrollierbar halten.
Nach rund zwei Jahren der Diskussion um das Stadttor stehen Gemeinderat und Verwaltung zwar nicht wieder am Anfang ihrer Überlegungen zur Neugestaltung der Innenstadt, doch das architektonische Glanzlicht werde nun fehlen, sagt der Bürgermeister. Im Stadtsäckel fehlen auch rund 350 000 Euro, die der Gemeinderat für Projektstudien und Werbung bisher bewilligt hat. Mit ihrem Nein haben die Bürger dem Projekt die Grundlage entzogen. Ohne ihre Unterstützung, hatte Architekt Zumthor vor dem Bürgerentscheid erklärt, werde er den gläsernen Turm nicht bauen, auch dann nicht, wenn sich doch noch ein privater Investor fände.
Die ursprüngliche Idee von Bürgermeister und Gemeinderat war, das neue Stadttor ausschließlich mit Sponsorengeldern zu verwirklichen. Der städtische Haushalt dürfe nicht belastet werden. Doch die ehrgeizige Idee hatte einen Webfehler: Es gab keine überzeugende Vorstellung für eine Nutzung. An Veranstaltungsräumen, Restaurants oder Cafés herrscht in der Stadt kein Mangel. Ein Raum mit 120 Plätzen in einer großen Kugel, wie sie an der Spitze des 35 Meter hohen Turms vorgesehen war, schien den Projektgegnern zu wenig im Verhältnis zur Investition und den Folgekosten.
Was vom Traum einer neuen Touristenattraktion bleibt, ist der mit Pflastersteinen im Asphalt verlegte Grundriss des Turms nebst einer Stele, die einen großen architektonischen Wurf ankündigte. Die könnte nun zum Grabstein umgewidmet werden, unter dem die Idee von einem neuen Wahrzeichen der Stadt im 21. Jahrhundert beerdigt wurde.