24.12.2012 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

Nach dem brutalen Überfall in Esslingen

Innenminister Gall kündigt Konsequenzen an

Kurz vor Weihnachten eskaliert ein Streit unter Rockerbanden in Esslingen. 30 Männer gehen aufeinander los. Ein 22-Jähriger stirbt, sieben weitere junge Männer werden verletzt. Drei Verdächtige sind in U-Haft.

Anzeige


LSW/E

Esslingen Nach dem Tod eines 22-Jährigen bei einer Messerstecherei unter verfeindeten Rockerbanden in Esslingen sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft. Bei der Auseinandersetzung waren in der Nacht zum Samstag sieben weitere junge Männer verletzt worden. Rund 30 Männer waren mit Messern und Schlagwerkzeugen aufeinander losgegangen. Die Hintergründe blieben auch gestern noch unklar.

Zusammen mit einem 26-Jährigen, dessen Festnahme gestern bekannt gegeben wurde, sitzen seit Samstagmittag ein 20 und ein 25 Jahre alter Mann wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord in Untersuchungshaft. Ein 21-Jähriger der schwer verletzt wurde, schwebte am Samstagabend nicht mehr in Lebensgefahr. Das 22 Jahre alte Opfer wurde durch mehrere Messerstiche getötet, wie die Obduktion seiner Leiche ergab.

Polizeiangaben zufolge handelte es sich bei den Überfallenen größtenteils um Mitglieder der Black Jackets und bei den Angreifern vorrangig um Angehörige der Red Legions. Die beiden Gruppierungen liegen in der Stadt seit langem im Clinch.

Am Wochenende seien weitere Namen von Menschen bekanntgeworden, die am Freitagabend am Tatort waren, teilte die Polizei mit. Ob es sich dabei um Zeugen, Geschädigte oder weitere Verdächtige handelt, war noch ungeklärt. Es sei möglich, dass unter diesen noch weitere Verletzte seien. Auch die zuerst verhafteten zwei jungen Männer trugen Verletzungen davon.

Bei Wohnungsdurchsuchungen seien unter anderem Computer und Handys beschlagnahmt worden. Bei einem Tatverdächtigen fanden die Ermittler ein Kleidungsstück, das auf die Zugehörigkeit zu der Rockergruppe Red Legions schließen lasse. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass alle drei verhafteten Verdächtigen Mitglieder der Red Legions sind.

Innenminister Reinhold Gall (SPD) sagte: "Mit diesem Überfall ist eine bisher in Baden-Württemberg unvorstellbare Brutalität erreicht worden." Er kündigte Konsequenzen an: "Kriminelle Banden hier im Land sollen wissen, dass wir auf diese Umtriebe die richtigen Antworten haben", sagte Gall. Der Minister verwies auf die Hells Angels in Pforzheim. Dort ist die Gruppierung "Charter Borderland" seit Januar 2012 rechtskräftig verboten.

In Esslingen waren in der Nacht zu Samstag zunächst sieben bis zehn Männer der Angreifergruppe auf eine etwa gleichgroße Gruppe in einer Bar in der Innenstadt getroffen. "Sie haben die Männer quasi in eine Falle gelockt", sagte die Polizeisprecherin. Denn vor der Tür hätten mindestens noch einmal genauso viele Angreifer gewartet, die die Opfer "überfallartig angriffen", wie es bei der Polizei hieß. Sie richtete die Sonderkommission "Obertor" mit 35 Kräften ein.

Die Täter flüchteten zu Fuß. Wenig später konnten Polizisten den 20-Jährigen und den 25-Jährigen festnehmen. Der 26-Jährige wurde am Samstagmittag festgenommen. Zunächst machte keiner der Beteiligten Angaben.

Ende Juni 2009 waren auf einem Esslinger Schulhof 22 mit schwarzen Sturmhauben vermummte Mitglieder der Black Jackets über etwa 15 junge Leute hergefallen. Drei Jugendliche wurden teils lebensbedrohlich verletzt. Dafür wanderten 21 Angeklagte für bis zu sieben Jahre und neun Monate hinter Gitter. Mit dem Urteil von Oktober 2012 endete nach mehr als zweieinhalb Jahren eines der längsten Verfahren am Stuttgarter Landgericht. Wegen eines Überfalls auf eine Kneipe in Ludwigsburg standen erst kürzlich elf Mitglieder der Red Legions in Stuttgart vor Gericht. b

24.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 24.12.2012 - 08:32 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Sv Unterjesingen schlägt SV Neustetten 3:1 Millipay Micropayment

50 Jahre Boccia-Bahn

Wer hat das schönste Kübele im Dorf?

Tag der offenen Tür in der Volksbank-Arena

Oldtimer-Parade: Nehren strahlt in Feuerwehr-rot

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt

Interview mit Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling

Peter Ertle - "14 und 2 Brillenjahre" aus dem Buch "Der Mond im Ei"

TSV Altingen – SGM Poltringen/Pfäffingen 4:1 Millipay Micropayment

Mobil ohne Auto 2014 im Neckar-Erlebnis-Tal

Umbrisch-Provenzalischer Markt in Tübingen 2014

Tübinger Erbe-Lauf 2014

Demonstration gegen Tierversuche

Primaten, Proteste, Palmer

Die drei Lieblingsorte der Kirchentellinsfurter Bürgermeisterkandidaten: Bernd Haug

Die drei Lieblingsorte der Bürgermeisterkandidaten: Petra Kriegeskorte

TV Derendingen schlägt SV03 Tübingen 4:1 Millipay Micropayment

Ammerbucher Fliegerfest 2014

Anzeige


Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Woche im Rückklick

Wissen, was war

Die Woche vom 20. bis 26. September: Demo gegen Tübinger Tierversuche, alles zum Stadtlauf und das Schweigen der Wissenschaft

Aktive Singles auf
date-click
Zeitzeugnisse
Anton Schäfle in Uniform. Das Bild entstand Anfang Februar 1917.

„Ich habe nämlich erbärmlich Hunger“

Der 18-jährige Musketier Anton Schäfle hat seinen Eltern seit seiner Ausbildung zum Soldaten im November 1916 bis zu seinem Fronteinsatz im Juni 1917 Briefe und Feldpostkarten geschickt. Die Wannweilerin Claudia Treutlein hat die Texte entziffert, fehlende Informationen recherchiert, alles dem TAGBLATT für die Veröffentlichung überlassen. Briefe und Karten sind ein Zeugnis des Hungers, den die Soldaten im Ersten Weltkrieg an der Front erleiden mussten. Nicht nur deshalb konnte sich Anton Schäfle für den Ersten Weltkrieg nicht begeistern; der Hof daheim war ihm viel wichtiger.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion