Robert Antretter (SPD) gibt den Vorsitz der Rottenburger Kommission sexueller Missbrauch ab. Markus Grübel (CDU) übernimmt die Aufgabe.
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RAIMUND WEIBLE
Rottenburg Die vergangenen eineinhalb Jahre waren eine arbeitsreiche Zeit für Robert Antretter. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete aus Backnang führte als eine Art Ombudsmann zahlreiche Gespräche mit Menschen, die von kirchlichen Mitarbeitern sexuell missbraucht worden waren. Als Vorsitzender der Kommission sexueller Missbrauch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart arbeitete er diese Fälle auf. Er leitete dieses - in der katholischen Kirche zunächst einmalige - Gremium bereits ab 2002. Anfang 2010 meldeten sich vermehrt Opfer. Antretter war gefordert.
Der Ex-Abgeordnete, inzwischen 72 Jahre alt, hat gestern das Amt aufgegeben. Als Grund führte er die zu hohe Belastung an. Es war eine Doppelbelastung. Denn seit dem Jahr 2000 ist Antretter zugleich Vorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung. Eine Aufgabe, die ihn offenbar stark beansprucht. Deshalb bat er den Rottenburger Bischof Gebhard Fürst, ihn von seiner Aufgabe als Kommissionsvorsitzender zu entbinden.
Fürst präsentierte gestern in einer Mitteilung zugleich einen Nachfolger. Er berief den Esslinger CDU-Bundestagsabgeordneten Markus Grübel (51) zum Vorsitzenden. Der gelernte Notar ist der katholischen Kirche vielfach verbunden. Er war lange Jahre Kirchengemeinderat in Esslingen, agierte als Lektor und Kommunionhelfer und belegte ein Fernstudium in Liturgie. Er gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an. Als Experte für familienpolitische Fragen bringt Grübel laut Fürst beste Voraussetzungen für die "weiterhin schwierige und höchst anspruchsvolle Tätigkeit" in der Kommission sexueller Missbrauch mit.
Über den scheidenden Vorsitzenden sagte Fürst, Antretter habe einen unschätzbaren Dienst für die Glaubwürdigkeit der Diözese geleistet. Stets sei es sein erstes Ziel gewesen, den Opfern sexueller Übergriffe Gerechtigkeit zu verschaffen.