Protest gegen S 21/"Schwabenstreich" auch in Tübingen
Der Widerstand gegen Stuttgart 21 wird immer massiver: Am Samstag demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund 16.000 Menschen gegen das Milliardenprojekt der Bahn.
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Proteste gegen Stuttgart 21 erreichen neuen Höhepunkt
Inzwischen scheint die Protestwelle auch in Tübingen angekommen zu sein. Am Montag soll es auf der Neckarbrücke zu einem so genannten Schwabenstreich kommen, wie er in Stuttgart und Umgebung schon seit längerem praktiziert wird. Der Kreisvorstand der Linken ruft die hiesigen Projektgegner dazu auf, um Punkt 19 Uhr mit Trillerpfeifen, Kochdeckeln und anderen Instrumenten gegen das „unverantwortliche Milliardenprojekt“ zu protestieren.
Bei der Kundgebung am Samstag vor dem vom Abriss bedrohten Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs sprach mit Hermann Scheer erstmals auch ein prominenter SPD-Politiker. Der Waiblinger Bundestagsabgeordnete und Träger des alternativen Nobelpreises forderte eine Bürgerbefragung über das Bahnprojekt: "Wir brauchen jetzt einen Schiedsrichter, und der kann nur die Bevölkerung sein.“
Nach etwa einer Stunde zogen nach Zählung der Polizei 12.000 Stuttgart-21-Gegner durch die Innenstadt über den Rotebühlplatz zur Kreuzung beim Charlottenplatz, die rund 20 Minuten lang blockiert wurde. Eine kleinere Gruppe von Demonstranten blockierte später am Abend auch noch die Straßenkreuzung vor dem Stuttgarter Bahnhof.
Bereits am Freitag hatten rund 60 Sozialdemokraten in einem Brief an die Parteivorsitzenden verlangt, dass sich die SPD für eine Bürgerbefragung stark machen soll. Kritisiert werden unter anderem die Kosten: Der Verlegung des Stuttgarter Bahnhofs unter die Erde, die Tunnel durch die Stadt sowie der Bau des neuen Filderbahnhofs sollen nach aktuellem Stand 4,1 Milliarden Euro kosten.
Für die Linke im Kreis Tübingen kritisiert deren Landesgeschäftsführer und Kreisrat Bernhard Strasdeit in einer Pressemitteilung, dass „die Kostenschätzungen inzwischen im Intercity-Takt steigen“. Stuttgart 21 gefährde den Ausbau des Regionalverkehrs, die Elektrifizierung der Bahn in der Fläche und die Taktung für die Berufspendler „gerade auf der Gäubahn und der Strecke Sigmaringen – Tübingen – Stuttgart“.