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So viel Magie war noch nie

Zauberer stellen Weltrekord auf die LTT-Bühne

Traue keinem Zauberer: Aus 100 Magiern waren am Ende 106 geworden. Der gestern im LTT-Saal angestrebte Rekord „100 Magier in 100 Minuten“ wurde also noch getoppt. Die angereiste Guinness-Richterin erkannte diese Leistung prompt mit der gewünschten Urkunde an.

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Ulla Steuernagel

Tübingen. Julius Frack, der als Stefan Zucht eigentlich auch ausbildungsgemäß Studienrat hätte werden können, zieht es auf die Zauberbühnen dieser Welt. Der Tübinger Zauber-Weltmeister hatte die Idee, den 100. Geburtstag des Magischen Zirkels angemessen zu begehen. Er holte mehr als 100 Kollegen und ein paar Kolleginnen nach Tübingen, zu einem wahren Zaubermarathon. Der bisherige Weltrekord lag bei 61 Zauberkünstlern auf einer Bühne.

So viele Magier, die Nummer an Nummer reihten, stellten das Publikum schon in der ausverkauften Generalprobe am Nachmittag auf eine beträchtliche Aufmerksamkeitsprobe. Doch auch der nachlassenden Konzentration ließ sich etwas abgewinnen. Der Vorsitzender des Magischen Zirkels in Stuttgart, Eberhard Riese, sagte zur Eröffnung der Show, deren Anfänge in der vor elf Jahren aus gemeinsamer Initiative von Julius Frack und TAGBLATT entstandenen „Tübinger Zaubergala“ liegen: „Je mehr Sie aufpassen, desto weniger sehen Sie!“

Das ist der Beweis: Zaubern geht doch. Wie sonst sollten Verkehrsminister Winfried Hermann (links) ... Das ist der Beweis: Zaubern geht doch. Wie sonst sollten Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Läufer Dieter Baumann (rechts) schweben. Julius Frack (Mitte) brachte sie dazu und ließ sie außerdem in einem E-Mobil auf der Bühne erscheinen. Bild: Metz

Dass zum Zaubern meist ein Klapptischchen oder ein kastenartiges Teil mit viel dunklem Verschwinderaum gehört, das war bald klar. Kaum war das eine Zaubermöbel abgetragen, kam schon das nächste auf die Bühne. Wer hätte da Backstage nicht ein einziges wildes Durcheinander aus Requisiten, Kaninchen, Tauben und Magiern erwartet? Das Gegenteil war der Fall: Zauberkünstler arbeiten äußerst diszipliniert und gut getaktet. Hinter der Bühne, so offenbarte ein Blick in der Pause, herrschte eine konzentrierte Ordnung. Von den Tieren – Tauben, Hunden und einem Kaninchen –, die später dann aus Kisten oder Käfigen gezaubert wurden, war keine Spur zu sehen.

Der Zauberkünstler

teilt sich in Kisten auf

Der Zauberkünstler von heute ist auch, aber nicht nur ein Herr im dunklen Frack: Zum Zauberhandwerk gehört, einen ausgeprägten Typen darzustellen. Und so ging es auf der LTT-Bühne ziemlich bunt zu, ein regelrechter Magier-Karnevalszug: Da gab es den etwas tüddeligen „Professor Einstein“, dessen Fliehkraft-Experiment mit einem vollen Glas man nicht so recht trauen wollte. Den Inder „Shri Magada“, der erst Watte in sich hineinstopfte, um sie als gesponnenen Faden aus sich herauszuziehen. Den barfüßig in eine Kiste spazierenden Topas, der sich mal kurz zweiteilte. Ein Pirat machte den Hütchen-Trick mit Rum, der Quacksalber „Doktor Marrax“ rammte sich bei seiner Nummer „für Arme“ ein Messer genau in den linken. Der barock gekleidete „Chapeau“ füllte ein leeres Heft mal mit Noten, mal mit Herzen.

Bei so viel Zauberkunst konnte es nicht ausbleiben, dass sich Tricks wiederholten. Ein zunächst leeres Zauberbuch wurde mehrmals aufgeschlagen. Kaum hatte Tombeck eine Bowlingkugel hineingekritzelt, fiel sie ihm fast auf den Fuß, bei Marcel Schettler wurde eine Zeichnung zum Plüschhasen, bei Maxim Maurice zum roten Schuh. Die Kunst des Zauberers liegt ohnehin darin, die Basis-Tricks durch immer neue Interpretationen zu variieren. Auch den schon 100 Mal gesehenen Seilnummern kann man mit einer originellen Geschichte noch Neues abgewinnen: Philip Flint zeigte das als verhinderter Selbstmörder, der die Schlinge durch seinen Hals zieht.

Am schwersten war es, den Kartentricks zu folgen. Vor allem im hinteren Teil des Saales war kaum noch ein Blatt zu erkennen, zum Ausgleich mussten die vorne Sitzenden dafür öfters mal bei Tricks assistieren. Mal den Ehering abgeben, der sich dann am Schlüsselbund des Meisters wiederfand oder sogar eine Guinness-Buch-Jurorin mimen. In der Generalprobe nachmittags holte Julius Frack eine junge Frau auf die Bühne, die angeblich frisch aus Antalya komme und über die Richtigkeit der Rekordshow wache. Sie hieß in Wirklichkeit jedoch Edith Guttmann und kam aus Rottenburg, abends war dann aber Seyda Subasi-Gemici als Guinness-Wächterin tatsächlich zur Stelle.

Schminktricks à la Roxanne

Auch dem Publikum war aufgefallen, dass die Zauberei eine fast ausschließlich männliche Domäne ist. Es musste die Nummer 95 erreicht werden, bis die erste Frau, die nicht nur lächelnde Assistentin war, die Bühne betrat. „Putzfrau Berta“ gehörte der Rekord, die älteste Teilnehmerin zu sein, und „Roxanne“ überzeugte mit einem praktischen Schminktrick, einmal mit einer Rose gewedelt und schon änderten ihre Lippen die Farbe.

Wozu noch zaubern, wenn I-Pads und Smartphones das doch alles selber können? Der Zaubernachwuchs zeigte, dass sich auch da noch was rausholen lässt. Simon Pierro und Benito ließen jeweils digitale Bilder Wirklichkeit werden. Auch der Traum vom Weltrekord ist nun real geworden. Das begeisterte Publikum belohnte diesen Zauberstreich am Ende nach der Vorstellung, gegen 22 Uhr, mit langanhaltenden Standing Ovations.

05.03.2012 - 11:30 Uhr | geändert: 05.03.2012 - 12:21 Uhr

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