Ich bin mit dem kleinen Kerl gleich bestens ausgekommen. Obwohl er wahrscheinlich über 37 000 Jahre alt ist und nie gelebt hat.
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thomas de marco
Trotzdem war ich spontan begeistert von dem Mammut. Entscheidend war dabei, dass ich beim ersten großen Auftritt des winzigen Eiszeit-Figürchens im Dezember 2008 in Tübingen einige Zeit ganz alleine mit dem Fund vom Vogelherd verbringen konnte.
Eine Woche lang war damals das kleine Mammut auf dem Tübinger Schloss zu sehen – und dreimal bin ich während der Mittagspause hochgehastet, um mich mit der Elfenbein-Plastik zu treffen. Und das waren durchaus intime Dates, denn das Mammut hatte als unbestrittener Star der Ausstellung seinen eigenen Raum und um die Mittagszeit war wenig los auf dem Schloss. So war ich jedes Mal gut und gerne fünf bis zehn Minuten allein mit dem Kunststückchen aus der Eiszeit, konnte in aller Ruhe den forschen Schritt und den kessen Schwung des Rüssels auf mich wirken lassen.
Jetzt habe ich das kleine Mammut in der Eiszeit-Ausstellung in Stuttgart wiedergesehen – und war leicht schockiert. Nicht, weil ich es wesentliche größer in Erinnerung hatte als die 3,7 Zentimeter, die vom Stummelschwanz bis zur Rüsselspitze gemessen werden. Aber wie das Figürchen in seinem gläsernen Kubus von bis zu acht Menschen gleichzeitig bedrängt wurde oder von Schulklassen, die beim Vorzeit-Tierchen eine Rätselfrage lösen mussten, umlagert war, das hat die Wiedersehens-Freude doch stark getrübt. Zumal die Vitrine noch direkt am Durchfahrtsweg zu den übrigen Exponaten, die von den Tübinger Forschern entdeckt wurden, steht.
Mit 80 000 Besuchern haben die Macher der im Übrigen hervorragenden Austellung in Stuttgart im Vorfeld gerechnet – jetzt sind es schon fast 90 000. Bis zum Sonntag, wenn die Eiszeit-Show nach knapp vier Monaten zu Ende geht, soll sogar noch die 95 000er-Marke übertroffen werden. Damit habe sich die Ausstellung finanziell voll getragen, sagt Caroline Bleckmann vom Stuttgarter Ausstellungsbüro.
Ich will mich hier jetzt auch nicht darüber beklagen, dass so viele meine Begeisterung für das Mammut und den Eiszeit-Zoo von der Schwäbischen Alb teilen, ganz im Gegenteil. Doch ein bisschen träumen von der trauten Zweisamkeit seinerzeit auf dem Schloss muss hier gestattet sein. Genauso wie die Hoffnung, dass der kleine Kerl bald einen Platz in einem Museum in Tübingen findet, in dem wieder gelegentliche Treffs möglich werden, wenn andere beim Mittagessen sind.