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Imkern droht magere Ernte

Wetter und die Winterverluste machen Bienen zu schaffen

Statt warmer Frühlingstage anhaltender Regen und niedrige Temperaturen: Die Imker im Landkreis bangen um ihre ersten Honigernten aus den Obstgärten und Rapsfeldern.

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madeleine wegner
So gut wie dieser Arbeiterin geht es heuer bei weitem nicht allen Honigbienen: Denen, die den ... So gut wie dieser Arbeiterin geht es heuer bei weitem nicht allen Honigbienen: Denen, die den Winter überlebt haben, erschwert das Wetter die Ernte. Archivbild: Sommer

Kreis Tübingen. Blühende Obstbäume, die weiß in der schon warmen Frühlingssonne leuchten und kräftig gelbe Rapsfelder, dazu hin und wieder einen Regenguss – so sähe wohl das perfekte Frühjahr für eine reiche Honigernte aus. Doch in diesem Jahr sind die Imker doppelt beunruhigt: zum einen, weil Regen und Kälte nicht aufhören wollen, und zum anderen, weil viele Imker im Winter überdurchschnittlich viele ihrer Honigbienen verloren haben.

Im Schnitt überleben etwa 20 bis 25 Prozent der Tiere die kalte Jahreszeit nicht. „Ein Drittel der Imker haben diesmal mehr als 30 Prozent ihrer Bienen verloren, manch einer sogar 80 Prozent“, weiß Peter Rosenkranz, der Leiter der Bundesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. „Das ist somit zwar kein Katastrophenjahr, aber ein schlechtes Jahr“, meint er.

Gründe für die hohen Verluste sieht er vor allem im Befall der Bienen durch die Varroa-Milbe. In einem deutschlandweiten Monitoring-Projekt hat er je zehn Bienenvölker von knapp 150 Imkern beobachtet, um die Ursache für das winterliche Sterben zu klären. „Und wir haben den Killer Nummer Eins gefunden“, sagt Rosenkranz – der heißt Varroa-Milbe. Wenn dieser Schädling die Bienen-Brut im Herbst befällt, dann ist die Wintersterblichkeit deutlich höher als normal – so lautet das Ergebnis der Untersuchung.

Die Varroa-Milbe ist ein Parasit, der sich vor allem an der Brut, aber auch an erwachsenen Bienen festsaugt. Nach Auskunft von Rosenkranz verwenden 80 bis 90 Prozent der Imker zur Bekämpfung keine chemischen Mittel mehr. Stattdessen werden nach der Honigernte organische Säuren eingesetzt. „Wir haben ein Problem mit der Wirksamkeit“, räumt der Experte allerdings ein.

Es wäre an der Zeit, Nektar zu sammeln

Vor der momentanen Kältephase hätten sich die Bienen gut entwickelt, so dass sich die Völker von den Winterverlusten einigermaßen erholen konnten. In den ersten warmen Frühjahrstagen seien sie sogar „regelrecht explodiert“, hat der Experte, der in Pfrondorf selbst ein Dutzend Bienenvölker betreut, beobachtet.

Weitere Ursachen dafür, dass in diesem Frühjahr deutlich weniger Bienen zu sehen sind, liegen in der mangelnden Verfügbarkeit von Nahrung. „Bei diesem Wetter können die Bienen nicht fliegen und auch keine Ernte eintragen“, sagt Remigius Binder, der Bienenzuchtfachberater am Regierungspräsidium. „Und in ein bis zwei Wochen ist die Frühjahrsblüte schon wieder vorbei.“

Das fürchtet auch Robert Augustin-König, der Vorsitzende des Rottenburger Imkervereins: „Das letzte Jahr war bereits ein ziemlich schlechtes Jahr. Und nun ist das Frühjahr von der Witterung nicht toll.“ Doch er nimmt es zur Zeit noch gelassen: „Es bleibt abzuwarten, was der Mai noch bringt.“

Christine Hafner betreibt seit 2003 in Entringen „s‘Imkerlädle“, wo sie zusammen mit ihrem Mann eigenen Honig und Imkereiprodukte verkauft. „Unsere Bienen sind soweit gesund. Nur haben wir jetzt das Problem, dass es so viel regnet“, sagt auch sie.

Eigentlich wäre es an der Zeit, dass die Bienen ausfliegen, um an Raps, Löwenzahn und Obstblüten Nektar zu sammeln, aus denen die Imker Ende Mai den Raps- und Frühjahrsblütenhonig ernten wollen. Wie viel Honig ein Volk produziert, ist ohnehin unterschiedlich und hängt unter anderem davon ab, ob die Bienenkästen an einem Ort bleiben oder ob die Imker wandern. Hafners etwa gewinnen ihren Edelkastanienhonig in der Pfalz.

Doch wenn sich am Wetter nicht bald etwas ändert, steht es nicht gut um den ersten Honig in diesem Jahr. Trotzdem ist Christine Hafner optimistisch: „Wir hoffen immer noch – der Regen muss ja irgendwann mal aufhören.“ Außerdem geht die Ernte im Sommer etwa mit Lindenblütenhonig und Waldhonig weiter.

Die nächsten Tage sind entscheidend

„Ende April bis Anfang Juni ist die heiße Phase“, sagt Rosenkranz. In dieser Zeit zeigen die Bienen häufig Tendenzen zum „Schwärmen“, das heißt das Volk teilt sich und verlässt die Brutstätte. „Das ist besonders ärgerlich, denn dann verliert ein Imker die Hälfte eines Volkes auf einmal“, erklärt Rosenkranz. Das passiere besonders dann, wenn die Bienen nicht ausfliegen können. „Dann kommen sie auf dumme Gedanken“, sagt er. Auch deshalb seien die nächsten Tage entscheidend.

Und was, wenn sich die Frühjahrssonne wieder blicken lässt und es trotzdem nicht unter dem nächsten Kirschbaum summt? „Das ist ein schlechter Parameter“, meint Rosenkranz. Für die Bienen sind die Blüten schließlich nur zwei bis drei Tage interessant, selbst wenn sie deutlich länger blühen. Also: „Es muss nichts heißen, wenn es mal nicht summt.“

11.05.2010 - 14:00 Uhr | geändert: 12.05.2010 - 14:21 Uhr

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