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Appetit auf Rentierfleisch

Was der Höhlenlöwe am liebsten fraß

Löwen gab es einst nicht nur in Afrika, sondern auch auf der Schwäbischen Alb: die Höhlenlöwen. Jetzt haben Tübinger Forscher herausgefunden, wovon die längst ausgestorbenen Tiere lebten.

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Wie der ebenfalls etwa 35000 Jahre alte Fußknochen eines Höhlenlöwen (links) aus der ... Wie der ebenfalls etwa 35000 Jahre alte Fußknochen eines Höhlenlöwen (links) aus der Hohlefels-Höhle bei Blaubeuren zeigt, waren die prähistorischen Tiere den modernen Löwen (rechts) schon sehr ähnlich. Bild: Wolfgang Gerber, Universität Tübingen

Tübingen. Bis vor etwa 12 000 Jahren konnte man auf der Schwäbischen Alb diesen europäischen Großkatzen begegnen. Dann wurde vermutlich das Nahrungsangebot knapp, weshalb diese Tierart dann möglicherweise ausgestorben ist. Diese Schlüsse ziehen die Wissenschaftler einer Arbeitsgruppe um den Paläobiologen Prof. Hervé Bocherens vom Fachbereich Geowissenschaften der Uni Tübingen in einer jetzt veröffentlichten Studie.

Den Höhlenlöwen kennt man von der kleinen Elfenbeinskulptur aus den Vogelherd-Funden. Sie ist ... Den Höhlenlöwen kennt man von der kleinen Elfenbeinskulptur aus den Vogelherd-Funden. Sie ist etwa 35000 Jahre alt. Bild: Institut für Ur- und Frühgeschichte

Die Forscher untersuchten fossiles Knochenmaterial von Höhlenlöwen. Aus der Analyse bestimmter Kohlenstoff- und Stickstoffisotope können sie direkt auf die Ernährung der Beutetiere schließen. Demnach jagten Höhlenlöwen am liebsten alleine – und vorzugsweise nach Rentieren. Obwohl ihnen zunächst in Europa eine große Bandbreite an Beutetieren zur Verfügung stand, unter anderem Mammuts, Wollnashörner, Bisons, Pferde und Rentiere. Diese mussten sie allerdings mit großen Konkurrenten teilen, darunter Höhlenhyänen, Braunbären, Wölfe und natürlich der Mensch.

Bei den Höhlenlöwen aus Südwestdeutschland, der nördlichen Schweiz, Nordfrankreich und dem südlichen Belgien entdeckten die Wissenschaftler sehr unterschiedliche Isotopenwerte – im Gegensatz zu den damals lebenden Hyänen, die als Rudeltiere sehr ähnliche Werte aufweisen. Dieses Ergebnis zeige, dass die Höhlenlöwen Einzeljäger waren und nicht im Rudel jagten, wie beispielsweise heutige afrikanische Löwen.

Nun könnte man vermuten, dass die Höhlenlöwen ähnlich wie die Löwen in Afrika große Tiere jagten. Statt Zebras und Antilopen etwa Pferd und Bison. Tatsächlich aber stand bei Höhlenlöwen hauptsächlich Rentierfleisch auf dem Speiseplan, und dies in sehr viel stärkerem Maß als bei ihren Konkurrenten. Auch das kann man aus den fossilen Knochen folgern. Einige Löwen fraßen wahrscheinlich auch junge Höhlenbären. Die Vorliebe für Rentiere hielt vermutlich bis zum Ende der Eiszeit an: Das lokale Aussterben dieser kälteangepassten Tiere während der globalen Wiedererwärmung vor etwa 12 000 Jahren könnte also eine Ursache für das Aussterben auch der europäischen Höhlenlöwen gewesen sein.

upf

26.10.2011 - 08:30 Uhr

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