Von Tübingen aus organisiert Marc Oßwald den Besuch des Papstes in Freiburg
Marc Oßwald ist lange nicht mehr nur der Manager und Konzertveranstalter von Dieter Thomas Kuhn: Aktuell bereitet der Tübinger den Besuch des Papstes Ende September in Freiburg vor.
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Michael Sturm
Marc Oßwald mit Lageplan: Er organisiert die Abläufe beim Besuch des Papstes in Freiburg.Bild: Ulmer
Tübingen. Der Tübinger Konzertveranstalter Marc Oßwald hat das große Los gezogen: Im Januar bekam er den Auftrag des Erzbistums Freiburg, den Auftritt des Papstes in der Stadt zu organisieren. Die beteiligten Firmen und Helfer seien bereits im Februar reserviert worden – laut Oßwald „ins Blaue hinein“. Dieses Projekt ist um einige Dimensionen größer als alles Andere, was er zuvor anpackte: „So einen Auftrag bekommt man nur einmal im Leben“, sagt Oßwald.
Sein kleines Büro im Französischen Viertel wäre ein Hort des Glücks für jeden Fan von Oßwalds Schützling Dieter Thomas Kuhn: Plakate mit dem Konterfei der Schlager-Ikone, Pakete mit Merchandising-Artikeln, Auszeichnungen an den Wänden. Jetzt hängen dort auch Pläne aus Freiburg.
Die Pläne ändern
sich jeden Tag
„Die Pläne“, sagt Marc Oßwald, „ändern sich jeden Tag.“ Hauptsächlich geht es dabei um das Gelände des Freiburger City-Airports, wie der ehemalige Militärflughafen neben dem Wohngebiet Mooswald heute offiziell genannt wird. Dort wird Papst Benedikt XVI. einen Gottesdienst zelebrieren. Auf die über 150 000 Quadratmeter große Fläche, so wurde errechnet, passen 300 000 Menschen – das sind einige mehr, als Freiburg Einwohner hat. Gleich nebenan liegt ein Messegelände, das im Vergleich winzig wirkt. Oßwald hat unter anderem dafür zu sorgen, dass die erwarteten Menschenströme vernünftig kanalisiert werden. Seit der Katastrophe bei der Love-Parade in Duisburg im vergangenen Jahr, als eine Massenpanik ausbrach, sei die Zeit vorbei, Menschenmengen in unbeschränkter Zahl Zugang zu einem Veranstaltungsort zu gewähren.
Die Besucher des Flughafen-Geländes werden nur mit gültigen Tickets eingelassen. Diese weisen jeden zu einem von etwa 30 Sektoren mit einer eigenen Infrastruktur: „In jedem Sektor gibt es Klos, Wasser und Verpflegung“, sagt Oßwald. Auf dem ganzen Gelände werden zudem 5000 Holzbänke aufgestellt, die je 20 Leuten Platz bieten. Die werden gerade hergestellt. „Wir haben dafür extra eine eigene Projektgruppe gegründet“, sagt der Tübinger Konzertveranstalter und lächelt. Die Bänke werden mit einem Brandzeichen, dem Logo des Papstes, markiert. Nach der Veranstaltung sollen sie verkauft werden.
Auch wenn übersteigerter Personenkult den Papst schon fast als Popstar erscheinen lasse – „kein Künstler, keine Persönlichkeit der Welt zieht mehr Leute an, als der Heilige Vater“, gibt Oßwald zu bedenken. Er rechnet damit, dass 200 000 Besucher mit dem Auto kommen. „Wo parken die? Wo können Busse parken? Dafür mussten wir ein Gelände suchen.“ Den Freiburger Bahnhof könnten in einer Stunde 5000 Menschen frequentieren. Die müssen mit einem Leitsystem weiter geschleust werden. Um zu berechnen, wie sich die Besucher auf dem Gelände und in der Stadt bewegen werden, engagierte Oßwald ein Ingenieurbüro aus Aachen: „Die bestimmen auch die Verkehrsströme in Mekka.“ Während der Papst am Tag nach dem Gottesdienst das Münster und die Freiburger Innenstadt besucht, wird diese in Zonen eingeteilt sein, „mit bestimmten Zugängen zu bestimmten Zeiten. Teilweise dürfen nicht einmal Radfahrer durch“. Damit das klappt, werden freiwillige Helfer mit Zählgeräten an den Durchgängen sitzen.
Ein Reisemarschall sagt, wo alles stehen muss
Besondere Sicherheitsvorkehrungen sind nötig. Das Bundeskriminalamt schickte als erstes den Kampfmittelbeseitigungsdienst auf das Flugplatz-Gelände. Erst, als die Sicherheitsspezialisten ihr Okay gaben, durften die Arbeiter damit beginnen, Straßen anzulegen. Diese dienen vor allem zum Transport der großen Geräte, die zum Aufbau des Altars gebraucht werden. Dieser wurde so eingerichtet, dass der Papst während des Gottesdiensts das Freiburger Münster sehen kann. „Da kommt ein Reisemarschall aus Rom, schaut sich alles an und sagt dann, wo alles stehen muss“, erzählt Oßwald. Für die Gläubigen biete der Besuch der Papst-Veranstaltung „eine andere Dimension der Nähe“, sagt Oßwald der selbst „katholisch sozialisiert“ wurde. Er gehe keiner Diskussion aus dem Weg, sagt Oßwald, aber er tue sich schwer, den Papst zu kritisieren: „Er hat einen völlig anderen Background an theoretischer Theologie. Man muss nicht alles gut finden, aber Respekt haben.“
Demnächst wird Oßwald die Baustelle wieder besuchen. Er pendelt seit der Fusion mit einem südbadischen Konzertveranstalter zwischen den Büros in Tübingen und Freiburg hin und her. Aus Tübingen möchte er nicht weg, sagt Oßwald.
Hier lebt die Familie, hier hat für den ehemaligen Kepi-Schüler alles angefangen. Seine Mutter, sagt Oßwald, hätte ihn am liebsten im Bankgewerbe gesehen. Doch dann sprach ihn sein früherer Klassenkamerad Frank Stöger an, mittlerweile Schlagzeuger einer vielversprechenden Band. Oßwald kümmerte sich um Auftritte und dann um das Management der Band, die bald alles auf ihren Sänger ausrichten sollte: Dieter Thomas Kuhn. „Ich bin reingerutscht – ich hatte Glück“, meint Oßwald lapidar.