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Tübingen

Video zur Mayday-Parade: Mit Schlauchboot auf der Politparty

Party und Politik: Ein bunter, tanzender Tross zog am Donnerstag durch Tübingen. Die dritte Mayday-Parade zog weniger Teilnehmer an als im Vorjahr. Die Stimmung war ausgelassen und friedlich.

Fabian Ziehe
Artikelbild: Video zur Mayday-Parade: Mit Schlauchboot auf der Politparty

Tübingen. „Bitte klebt keine Popel oder Kaugummis an Brückengeländer!“ Zwischen Bässen und Rufen, bitte „im Takt zu klacktschen“ gab es manche Nonsens-Durchsage vom DJ-Wagen. Den Boxen auf einer LKW-Ladefläche folgte das feiernde Volk durch die Straßen und Gassen Tübingens. „Die Verhältnisse zum tanzen bringen“ lautete das Motto.

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Am Sternplatz traf sich am Mittag eine überschaubare Schar. Die vertreten Gruppen waren dafür um so vielfältiger: Neben dem Schlauchboot der Grünen Jugend tummelten sich Hundemaskenträger, die kostenlose Mitfahrt nicht nur von Vier-, sondern auch von Zweibeinern im Stadtverkehr forderten. Aktivisten mit Kaffeewagen formierten sich wie die Mitstreiter des Bildungsstreiks.

Protest mit Jeopardy und Kasperletheater

Mit Alphornstoß und Tonband-Zitaten von OB Boris Palmer ging es gegen 18 Uhr los – zu „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ und im Polizeispalier ging es über die abgesperrte Reutlinger Straße entlang der Eisenbahnstraße stadteinwärts, ums Zinserdreieck und über Neckarbrücke und Mühlstraße in die Altstadt. Der letzte Teil der Strecke führte entlang des Stadtgrabens und der Wilhelmsstraße zum Zielpunkt Neue Aula.

Erster Stopp war das Epplehaus. Hier gab es eine Runde Jeopardy: „Leute, die für wenig Arbeit viel Geld bekommen“ könnte die Antwort sein auf „Was sind Erbmillionäre und Spitzenmanager?“ oder „Was sind Hartz-4-Empfänger?“. Theater, Sketche und Happenings statt Reden sollten politische und soziale Probleme thematisieren. So gab es am Sudhaus ein Kasperletheater zur Versammlungsfreiheit, Mitstreiter der Tübinger Montagsdemo sangen ihre Version des „Bürgerlieds“ und die Schulstreik-Aktivisten spielten Bildungs-Reise-nach-Jerusalem.

Die Polizei hatte bis auf das Absperren wenig zu tun: Die Demonstranten hielten sich an die Regeln. „Aus Sicht der Polizei ist es sehr gut gelaufen“, sagte Erwin Dieringer, Leiter des Polizeireviers Tübingen. „Es war kooperativ, wir hatten immer Ansprechpartner.“ Bis zu 60 Beamte waren im Einsatz und versuchten wenn möglich, den Verkehr am Zug vorbeizulotsen.

Abschlussparty ohne Sperrzeit

Auch Rainer Kaltenmark, Leiter der Abteilung Ordnung und Gewerbe, war zufrieden. „Die Musik war sehr laut, ansonsten lief alles gut.“ Er schätzte, dass bis zu 400 Demonstranten den Zug begleiteten, die Veranstalter sprachen von 600 Teilnehmern. 2008 waren es 700. Für die Abschlussfete im Clubhaus hatte Kaltenmark die Sperrzeit aufgehoben.

Die Teilnehmer zeigten sich vergnügt und tanzten je später, um so ausgelassen. Angefeuert wurden sie vom Sprecherwagen – etwa mit „Rechts wird marschiert, links wird getanzt – klarer Fall, was mehr Spaß macht.“ Die Studentin Lynn Kommer hatte ihren Spaß: „Alle gehen freundlich miteinander um, es gab keine Konfrontation mit der Polizei.“ Die Mischung von Protest und Party findet sie ausgewogen. Soziologiestudent Philipp Lehmeyer hätte sich mehr Mitmachangebote gewünscht. Auch hätte die Polizeipräsenz zunächst die Stimmung gedrückt. Die Party-Demo als Protestform findet er „zweitgemäß und richtig“: „Mayday ist Erneuerung und Ergänzung zum 1. Mai.“

Organisatorin Maggie Paal zeigte sich erleichtert nach der Parade. Die Gespräche mit den beteiligten Gruppen und den Behörden hätte sich gelohnt. Dennoch sei die Vorbereitung anstrengend gewesen: „Wir hätten uns mehr Helfer gewünscht.“ Eine Gruppe von zehn bis 15 Aktivisten hat dieses Jahr die Mayday organisiert. Paals größte Sorge war das Wetter: „ Wir sind total froh, dass es nicht geregnet hat.“

01.05.2009 - 17:41 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 19:45 Uhr
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