Innerhalb weniger Minuten knickte am Dienstagabend ein starker Gewittersturm im Kreis Tübingen zahlreiche Äste ab. Die Feuerwehr sprach von "orkanartigen" Böen. Besonders heftig fegte der Wind durchs Neckartal bei Tübingen.
Auf dem Neckar wurden Bootsfahrer vom heftigen Unwetter überrascht. Sie retteten sich unter die Eberhardsbrücke. Gästen beim Neckarmüller wurden die Gläser von den Tischen gefegt. Ganze Äste brachen entlang des Flusses ab und fielen ins Wasser.
Umsichtig mussten die Stocherer ihre Kähne auf dem Neckar lenken: Große Äste trieben den Fluss hinunter.Metz
Zwischen 20 Uhr und 23 Uhr kam es im Kreis zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen und Sturmschäden.
Allein zwischen 20 Uhr und 22.15 Uhr gingen bei der Tübinger Polizei 80 Notrufe ein. Vor allem umgestürzte Bäume und herabfallende Äste machten den Helfern Probleme.
Ast stürzte auf fahrendes Auto
Großes Glück hatten die Insassen eines Renaults, als sie in der Bismarckstraße unterwegs waren. Beim Sportheim Lustnau fiel ein größerer Ast auf ihr Auto. Er durchschlug die hintere Seitenscheibe. "Wenn da jemand gesessen hätte, hätte das Böse ausgehen können", sagte Polizeisprecher Josef Hönes.
Die beiden Insassen blieben unverletzt. Das Auto musste jedoch von der Freiwilligen Feuerwehr freigesägt werden. Insgesamt wurden der Polizei im Verlauf des Abends aus dem Stadtgebiet von Tübingen rund 15 durch Äste oder Bäume beschädigte Autos gemeldet.
Entwurzelte Bäume blockierten auch den Verkehr auf der Landesstraße 371 zwischen Tübingen und Hirschau, ebenso im Schönbuch auf der L 1208 und B 464 sowie in Kirchentellinsfurt an der Neuen Steige und der Wannweiler Straße.
Zug prallte gegen Baum
In Tübingen-Bühl lag ein größerer Ast auf den Bahngleisen. Er konnte rasch von der Polizei entfernt werden. Trotzdem kam es zu Behinderungen im Bahnverkehr: Zwischen Tübingen-West und Pfäffingen blockierte ein Baum die Strecke, sechs Züge zwischen Tübingen und Herrenberg fielen aus, etliche verspäteten sich.
Zwischen Rottenburg und Kilchberg prallte eine Bahn auf einen Baum: Verletzt wurde nach Bahnangaben niemand. Die Reisenden wurden mit Bussen weiterbefördert. Auf dieser Verbindung fielen weitere fünf Züge ganz aus. Gegen 22 Uhr war die Strecke wieder frei. Züge zwischen Rottenburg und Tübingen fuhren verspätet.
Bei Rottenburg kam es zu Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume in der Schwalldorfer Steige, in der Remmingsheimer Steige und in verschiedenen Straßen im Stadtgebiet.
In der Mutter-Teresa-Straße wurde ein Gerüst durch den Wind umgeworfen. Am Bahnübergang zwischen Obernau und Bad Niedernau waren für etwa 30 Minuten die Schranken geschlossen. Ursache war ein auf freier Strecke stehender Zug, der wegen umgestürzter Bäume nicht weiterfahren konnte.
Busse standen still, die Stadt blieb dunkel
Die Stadtwerke schalteten die Straßenbeleuchtung in weiten Teilen Tübingens erst gar nicht ein: Zu viele Leitungen waren durch Äste beschädigt. Erst gegen Mitternacht gingen Flächendeckend die Laternen wieder an. Eine Ausnahme bildete die Nordstadt.
Die Stadtbus-Linien 6, 10, 20 und 22 konnten nicht mehr alle Haltestellen anfahren, immer wieder blockierten Äste und umgestürzte Bäume die Straßen.
Verletzt wurde bei dem Unwetter niemand. Der durch den Sturm entstandene Sachschaden kann derzeit noch nicht beziffert werden.
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