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Tansanische Stadt auserwählt

Tübinger Rat ist für Partnerschaft mit Moshi

Die Partnerschaft mit Moshi ist einen Schritt näher gekommen. Der Gemeinderat beauftragte am Montagabend die Verwaltung, Verhandlungen mit ihrem Pendant in der tansanischen Stadt aufzunehmen.

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Ute Kaiser

Tübingen. Zehn Partnerstädte hat Tübingen bereits. Moshi, malerisch unter dem Kilimandscharo gelegen, könnte die elfte werden. In der rund 160 000 Einwohner zählenden Distrikthauptstadt zumindest besteht „reges Interesse“, wie OB Boris Palmer sagte.

Fast drei Jahre sind vergangen, seit Palmer bei seiner Vereidigung als Oberbürgermeister die Partnerschaftsidee aufbrachte. Mehr als 30 Vorschläge für mögliche Städte waren eingereicht worden. Am Ende eines langen Diskussionsprozesses blieben drei übrig: Moshi in Tansania, Mekelle in Äthiopien und Buea in Kamerun. Gestern Abend sprach sich der Gemeinderat nun, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, für die Gespräche auf Verwaltungsebene über die Beziehung mit Moshi aus. Er folgte damit der Findungskommission, die sich im April mehrheitlich für die Metropole in Ostafrika ausgesprochen hatte.

Bei allen Bedenken, die im Vorfeld bestanden, ob die gewünschte „Partnerschaft auf Augenhöhe“ tatsächlich möglich sei, begrüßten die Sprecher/innen aller Fraktionen das Vorhaben. Einzig SPD-Stadtrat Klaus te Wildt argumentierte dagegen. Ihm schien das „unstimmige Projekt“ nur eine „symbolische Ersatzhandlung“ sowie „eine Mischung aus PR-Aktion und Entsorgung von schlechtem Gewissen“.

Er kritisierte das „alte Muster“, dass wieder nur die Tübinger davon profitierten. Und er stieß sich an den Ausschlusskriterien und den Ansprüchen: „Menschennot war kein Kriterium.“ Te Wildt fasste seine Ablehnung mit dem Wort „Wohlfühlpartnerschaft“ zusammen. CDU-Stadträtin Gretel Schwägerle enthielt sich der Stimme. Sie hatte sich für Mekelle stark gemacht. Kurt Sütterlin (FDP) warnte davor, die Partnerschaft zu überfrachten: „Afrika ist deutlich größer als der Kreis Tübingen.“

Es gehe um das Reden über globale Themen und um das Voneinanderlernen, hatte zuvor Annette Schmidt die Position der AL/Grüne-Fraktion umrissen. Sie regte an, einen Fonds aufzulegen, aus dem Reisen von Menschen aus Moshi nach Tübingen finanziert werden könnten, und sie baute darauf, dass der persönliche Austausch – etwa durch Senior-Experten oder junge Freiwillige –, „zu kleineren Veränderungen beitragen“ könne.

CDU-Fraktionschef Ulrich Latus bezog sich auf die Weltethos-Rede von Bundespräsident Horst Köhler und fand die Idee zur Partnerschaft „sehr erfreulich“. Der Dialog und die Verständigung zwischen den Völkern, so sein Credo, sei wichtig. „Völkerverständigung ist wichtig“, zeigte sich auch Andrea Le Lan im Namen der SPD überzeugt. Allerdings äußerte sie auch Zweifel, ob die angestrebte Augenhöhe „angesichts des Wohlstandsgefälles“ wirklich einzulösen sei. „Partnerschaft gibt es nicht zum Nulltarif“, sagte Le Lan und mahnte an, „nicht im Symbolischen stehen zu bleiben“.

Angesichts der Geldknappheit Tübingens solle darauf geachtet werden, „dass nicht zu viel investiert wird“, sagte Jürgen Höritzer von der UFW. Einer der Vorzüge Moshis, so Angela Hauser (Linke) sei, dass dort „die Schwaben Tansanias leben“. Ulrike Heitkamp (WUT) sah ebenfalls die Chancen, „Kontakte von Mensch zu Mensch zu knüpfen“, und verwies dabei auf die vielen Verbindungen, die schon zu Moshi bestehen.

Partnerschaft gibt es nicht zum Nulltarif.

Andrea Le Lan, SPD

17.11.2009 - 08:30 Uhr

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