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Sauberes Wasser ist Mangelware

Tübinger Mediziner-Trio behandelt täglich hunderte Cholera-Patienten

Mit Infusionen, Medikamenten und sauberem Trinkwasser versuchen drei Tübinger Ärzte von der Stiftung Katastrophenmedizin derzeit die Cholera in Haiti mitzubekämpfen.

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christiane hoyer
Der Allgemeinarzt Tobias Kees arbeitet für die Stiftung des Deutschen Instituts für ... Der Allgemeinarzt Tobias Kees arbeitet für die Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin.

Tübingen/Haiti. Auf dem Weg zur Klinik gestern Früh um 6.30 Uhr Ortszeit berichtete der 34-jährige Mediziner Tobias Kees dem TAGBLATT übers Handy von der Situation in Haiti. Seit Montag arbeitet er mit dem Tübinger Kollegen Rashid al-Badi und dem Medizinstudenten Ferdinand Hofer in einem kleinen Krankenhaus in Drouin. Hier, nördlich von der Hauptstadt Port-au-Prince, gibt es am meisten Cholera-Fälle, über 50 Menschen sind bereits gestorben. Blauhelm-Soldaten sperren „zum Schutz vor Ansteckung“ einige Zufahrtsstraßen zur Hauptstadt und den Flüchtlingslagern, in denen seit der Erdbebenkatastrophe im Januar Hunderttausende Flüchtlinge leben.

Kees und sein Team haben ihr Zelt im Garten eines Hausbesitzers aufgeschlagen. Von dort brauchen sie eine Stunde mit dem Jeep, bis sie die Klinik in Drouin erreicht haben. Diese hat eigentlich nur zehn Betten. „Mehrere hundert Cholera-Patienten“ werden dort aber zur Zeit täglich versorgt, berichtet Kees. Die „Hauptherausforderung“ ist für sein Team, den mit der Cholera einhergehenden Wasser- und Elektrolytverlust der Patienten „möglichst schnell“ über die Gabe von Salzen und Glucose ausgleichen zu können. In schweren Fällen müssten die Patienten Infusionen bekommen. Typisch für die Krankheit, so Kees, sind „wässrige, weiße Durchfälle“. Die Ansteckungsgefahr sei dann besonders hoch, wenn man sich mit den Keimen über den Mund und die Schleimhäute infiziere oder verunreinigtes Wasser zu sich nehme. Als Arzt, so Kees, lasse sich der direkte Kontakt aber nicht vermeiden – vor allem nicht, wenn man Kinder versorge. Ausschlaggebend für die Ansteckung sei aber nicht der bloße Kontakt mit einem Cholera-Infizierten, sondern eine besonders hohe Keimzahl.

Das Tübinger Ärzte-Team versucht vor Ort leere Wassertanks aufzufüllen, das Trinkwasser in den Brunnen wieder in Gang zu bringen und mit Chlor zu versetzen und die Einheimischen über Hygiene-Vorschriften aufzuklären. „Gesundheit ohne sauberes Trinkwasser ist keine Gesundheit“, so Kees. Doch seit der Erdbeben-Katastrophe gebe es in vielen Regionen „keine Latrinen oder Toiletten“ – das habe den Ausbruch der Cholera begünstigt. Die Infusionen und Antibiotika zur Behandlung bekommt das Ärzte-Team über andere Hilfsorganisationen, unter anderem über „Unicef“ und „Humedica“. Trinkwasser werde auf dem Schiffsweg und per Flugzeug geliefert, besonders von den USA. Mit den Gesundheitsbehörden vor Ort, sagt Kees, „arbeiten wir eng zusammen“. Aber ohne internationale Hilfe würden sie mit der Epidemie nicht fertig. Die „frühe Hilfe“, sagt Kees, „entscheidet den Kampf über Leben oder Tod“. In Dioxin, wo Kees derzeit mit seinem Team im Einsatz ist, stehe man bislang „ganz gut“ da. Doch andernorts – gar nicht weit weg vom Wohnort des Tübinger Ärzte-Teams – kam es jetzt aus Angst vor einer Ausbreitung der Krankheit sogar zu gewaltsamen Protesten gegen „Ärzte ohne Grenzen“.

Aus Furcht vor Attacken oder Kidnapping verwendet auch das Tübinger Team einen Jeep ohne Aufschrift, berichtet Kees, der bereits in Nigeria, im Irak und Sumatra für die Tübinger Stiftung im Einsatz war. Abends, wenn das Trio nach einem langen Arbeitstag bei tropischen Temperaturen von über 40 Grad in ihrem Quartier angekommen ist, „wissen wir das fließende Kaltwasser aus einem Leitungsrohr unseres Vermieters besonders zu schätzen“. Die nächsten Wochen, sagt Kees, „werden wir hier wohl noch im Einsatz bleiben“.

Info: Spenden über die Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, Stichwort Cholera, Kreissparkasse Tübingen, Konto 444 8008, Bankleitzahl 641 500 20

28.10.2010 - 08:30 Uhr

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