Tübinger IMI klärt seit 15 Jahren über Kriegsvorbereitung auf
Die Informationsstelle Militarisierung feierte sich, den eben verliehenen Aachener Friedenspreis und ihre literarische Würdigung.
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Mario Beisswenger
Der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau (links), bekannt für seine Polit-Krimis mit dem Ermittler Georg Dengler, hielt die Geburtstagsrede zum 15-jährigen Bestehen der Informationsstelle Militarisierung, abgekürzt IMI. Neben ihm der ehemalige Tübinger Linken-Europaabgeordnete und IMI-Gründungsmitglied Tobias Pflüger.Bild: Groebe
Tübingen. „Wir brauchen Institutionen, die über das Wesen des Krieges forschen und aufklären. Ich vermute, Ihre Arbeit wird in Zukunft noch wichtiger werden“, sagte der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau. Er hielt Donnerstagabend die Festrede zum 15-jährigen Bestehen der Informationsstelle Militarisierung (IMI).
Rund 70 Gäste hörten sich bei der Feier im Sudhaus auch eine Entschuldigung von Schorlau an. Er habe das IMI schon benutzt als romantisches Gegengewicht in seinem Krimi über das Oktoberfest-Attentat 1980 („Das München Komplott“). Da vergucken sich eine konservative Tübinger Abgeordnete und ein blauäugiger Mitarbeiter des „Antimilitaristischen Informationsdienstes“ ineinander.
Propaganda-Lügen aufzudecken ist wichtig
Der Wert der Einrichtung über literarische Staffage hinaus liege darin, Propaganda-Lügen aufzudecken. Gelogen werde in militärischen Auseinandersetzungen immer, so Schorlau, „weil es keine überzeugenden Argumente gab und gibt, Bomben auf die Leute zu werfen“. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht käme ein sich weitendes Aufgabenfeld auf die IMI zu. „Eine beachtliche Zahl von waffentragenden Menschen wird damit der gesellschaftlichen Kontrolle entzogen.“ Eine Einrichtung wie die IMI sei da wichtiger denn je.
Öffentliche Kontrolle versucht die IMI über Publikationen zu erreichen. „Wir haben Papiere produziert“, sagte Claudia Haydt in ihrem Rückblick auf 15 Jahre ehrenamtliche Arbeit. „Das ist die Waffe der Pazifisten.“ Wie wirksam Papier sein kann, habe sich gezeigt, als 2006 vom Tübinger Finanzamt – die IMI-Mitarbeiter vermuten auf politischen Druck hin – die Gemeinnützigkeit entzogen wurde. Wegen der drohenden rückwirkenden Nachversteuerung wäre es das Aus gewesen. Nachdem mehr und mehr Schreiben beim Finanzamt einliefen, die Entscheidung zurückzunehmen, habe der Chef des Amtes angerufen, erzählte Haydt, und gebeten: „Bitte keine weiteren Briefe mehr.“
Die IMI behielt ihre Gemeinnützigkeit, obwohl der Verein im Bericht des Verfassungsschutzes als „linksextremistisch beeinflusst“ beschrieben wurde. Tobias Pflüger, Ex-EU-Parlamentarier für die Linken und Gründungsmitglied des Vereins, fragte sich bei der Feier, ob diese Einschätzung auch unter der neuen Landesregierung aufrechterhalten werde. „Wir wissen nicht, wie das jetzt ist.“