Tübinger Friseurmeister ist mit Elvis Presley verwandt
Schmalztolle, Glitzeranzug und eine unverkennbare Stimme: Elvis Presley kennt jedes Kind. Dass der vor 30 Jahren gestorbene King of Rock‘n‘Roll Verwandtschaft in der Gegend hat, das wusste lange nicht mal sein Tübinger Vetter, der Friseur Ernst Preßler.
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Kathrin Schoch
Ernst Preßler erfuhr vor zehn Jahren, dass er mit Elvis Presley verwandt ist. Bild: Sommer
Tübingen. Zu Elvis Presleys Schmusehit „Love me tender“ tanzte Ernst Preßler mit seiner Frau Ruth schon immer gerne Rumba. Dass die Verbindung des Tübinger Friseurmeisters zu dem Rock‘n‘Roll-Idol noch ein bisschen weiter reicht, das erfuhr Preßler erst vor ungefähr zehn Jahren. Da teilte ihm sein Vetter und Ahnenforscher Gerd Pressler aus Hochstadt mit, dass die Pfälzer Familie mit Elvis verwandt sei. „Das war natürlich schon interessant“, sagt Ernst Preßler mit einem Lächeln.
Valentin Preßler hieß der gemeinsame Vorfahre der Presslers, Preßlers und Bresslers (so die Namensvariationen in der weit verzweigten Familie) aus Hochstadt. Sein Sohn Johann Valentin wanderte 1709 mit Frau und fünf Kindern in die USA aus – sein Nachkomme ist Elvis Aaron Presley, geboren am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi. Der in Pfullendorf geborene Ernst Preßler ist sein „weitläufiger Vetter“, wie der 80-Jährige sagt.
Geändert hat sich bei den Preßlers nichts
Der Tübinger freut sich über den berühmten Cousin. Ein bisschen stolz ist er auch auf dessen Erfolg: „Er hat halt gute Musik gemacht. Und so viele Filme, das kommt noch dazu.“ Doch für die Preßlers hat sich mit dem berühmten Familienzuwachs nichts geändert. Sie seien die Gleichen geblieben, meint Preßler mit einem Schulterzucken. Und kaufen könne er sich davon auch nichts.
Abgefärbt hat das musikalische Können des King auch nicht auf die deutsche Verwandtschaft. Zu Lebzeiten, ja, da habe man Elvis ebenso gehört und registriert wie andere Sänger und Stars, sagt Ruth Preßler. Sie ist im gleichen Jahr geboren wie Elvis, ihr Mann ist fünf Jahre älter. „Die Musik fanden wir damals natürlich gut, diesen Jive, diesen Rhythmus“, erzählt sie. Aber auch Bill Haley sei toll gewesen.
Ernst Preßler machte seine Friseurlehre beim Vater seiner späteren Frau, danach arbeitete er in der Schweiz. Als Elvis 1956 in den USA seinen Durchbruch als Rock’n’Roll-Star schaffte, war Ernst Preßler gerade nach Deutschland zurückgekehrt und bereitete sich auf seine Meisterprüfung vor. 1957 heiratete er Ruth. Von Elvis’ Militärdienst in Deutschland 1958 bis 1960 bekam Ernst Preßler nicht viel mit. „Da hab ich gar keine Zeit gehabt, ich musste arbeiten“, sagt er. Während der King Hollywood eroberte und das Gospelalbum „How Great Thou Art“ aufnahm, für das er 1967 einen Grammy bekam, zogen Ruth und Ernst Preßler ihre 1964 und 1969 geborenen Söhne Andreas und Harald auf und arbeiteten hart in dem von Ruths Vater übernommenen Friseurladen. Mit Elvis‘ Musik blieben sie in ihren Tanzkursen dennoch verbunden. „Fast 30 Jahre haben wir Latein- und Standardtanz gemacht“, sagt Ernst Preßler stolz. Die Tolle, die der King trägt, will auch die Tübinger Jugend. Preßler frisiert und pomadisiert – so hochgeföhnt wie bei Elvis sei das aber nie gewesen.
Auftritt in der SWR-„Landesschau“
Mit dem Vetter aus Amerika geht Preßler nicht hausieren. Die 14-jährige Enkelin erfuhr erst vor zwei Jahren, wen die Familie in der Ahnengalerie hat. In der Schule wollten ihr die Klassenkameraden zuerst nicht glauben, bis sie mit einem Stammbaum anrückte.
Die Öffentlichkeit erfuhr durch einen Zufall von der Verbindung zwischen den Tübingern und dem King: Ernst Preßler stellte Anfang des Jahres seine umfangreiche Schraubtaler- und Steckmedaillen-Sammlung für eine Ausstellung im Tübinger Stadtmuseum zur Verfügung (wir berichteten). Dass ein weiterer Sammler seine Elvis-Devotionalien zeigen wollte, erfuhr Ernst Preßler von Museumsmitarbeiterin Evamarie Blattner – und erwähnte nebenbei, dass er mit dem King of Rock‘n‘Roll ja verwandt sei. Blattner fiel aus allen Wolken. Elvis-Sammler Eberhard Forner war hochbeglückt.
Das Paar wurde in der „Landesschau“ des SWR vorgestellt, Ernst Preßler wurde für SWR4 interviewt. Erfahrungen, die beide ganz interessant fanden. Abgehoben haben sie deshalb nicht. Auch hat sich ihr Haus in der Tübinger Altstadt nicht in einen Andenkenschrein verwandelt – nicht mal eine CD von Elvis haben die Preßlers im Haus. „Wenn die Musik im Radio kommt, dann freuen wir uns“, sagt Ernst Preßler. Und wenn eine Rumba läuft, dann probieren sie aus, ob sie es noch können.