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Bewegung hält die Knie fit

Tübinger Arthrosetag: Alles drehte sich um das Kniegelenk

Knapp 200 Interessierte informierten sich am Samstag im Hörsaal der Kinderklinik bei Fachärzten zum Thema Kniegelenk-Arthrose. Über verschiedene Behandlungsmethoden sprach das TAGBLATT mit Prof. Nikolaus Wülker, Leiter der Orthopädischen Uni-Klinik.

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TAGBLATT: Wie entsteht Arthrose?

Nikolaus Wülker: Arthrose ist, einfach gesagt, ein Verschleiß des Gelenkmuskels. Der Gelenkmuskel wird bis zum Abschluss des Wachstums gebildet, danach nicht mehr. Durch Fehlbelastungen oder einfach mit dem Alter findet ein Abrieb und damit eine Verschmälerung des Muskels statt.

Prof. Nikolaus Wülker Bild: Privat Prof. Nikolaus Wülker Bild: Privat

In Deutschland werden immer mehr Kunstgelenke eingesetzt. Heißt das wirklich, dass unsere Gelenke immer schlechter werden? Oder wird oft unnötig operiert?

In den letzten Jahren gab es tatsächlich eine deutliche Zunahme an Kunstgelenken, vor allem bei den Kniegelenken. Wenn ich mir die Daten von den Krankenkassen so anschaue, haben wir heute mehr gereizte Gelenke als früher. Man kann also schon sagen, dass Arthrose häufiger auftritt. Aber wir haben heute sicher keine schlechteren Knorpel. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Ansprüche der Patienten deutlich gestiegen sind. Früher gab man sich eher zufrieden, dass das Knie im Alter eben schmerzt und hat sich einfach nicht mehr viel bewegt. Heute wollen die Leute bis ins Alter mobil sein. Außerdem ist es inzwischen dank moderner Operations- und Narkosemethoden viel besser möglich, ältere Menschen zu operieren. Vor zehn Jahren hat man sich noch sehr zurückgehalten, Menschen über 80 Jahre zu operieren. Das ist heute – zumindest in Deutschland – ganz anders.

Kann man mit einem Kunstgelenk sofort nach der Operation loslaufen?

Man kann direkt aufstehen! Allerdings ist die Muskulatur noch durch die Operation gereizt, die meisten gehen noch etwa sechs Wochen mit Krücken. Nach drei Monaten sind meistens wieder Spaziergänge und sogar leichte sportliche Aktivitäten möglich.

Welche Alternativen gibt es zu einem Kunstgelenk?

Bei uns stehen auf jeden Fall die konservativen Behandlungsmethoden im Vordergrund. Darunter Entzündungshemmer wie ein ganz banaler Quarkwickel, Salben oder Tabletten. Es gibt sehr gute Wirkstoffe, mit denen die Patienten oft bestens zurecht kommen. Weiche Schuhe sorgen dafür, dass die Knie nicht übermäßig belastet werden. Erst wenn wir mit diesen Methoden am Ende sind, ziehen wir eine Operation in Betracht. Statt eines Kunstgelenks kann das Knie auch erst einmal ausgespült werden. Diese sogenannte Arthroskopie (Gelenkspiegelung) wird aber immer seltener angewandt. Nach den jüngsten Untersuchungen sind wir uns ziemlich sicher, dass diese Methode nichts bringt. Das Risiko ist zwar denkbar gering, da es keine offene Operation ist, der Nutzen aber ebenso.

Haben die meisten Patienten denn überhaupt die Wahl zwischen einem Kunstgelenk und einer konservativen Behandlung?

Wir schreiben den Patienten nichts vor, doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Wir geben daher auf jeden Fall Empfehlungen. Eine Arthrose ist aber kein Notfall, man muss nicht gleich entscheiden, wie man sie behandeln soll. Wir sagen den Patienten, dass sie sich mit ihrer Entscheidung Zeit lassen können. Ein halbes Jahr ist kein Problem, da verpasst man nichts.

Wie kann man seine Kniegelenke schonen oder sogar „trainieren“?

Ein Gelenkmuskel lebt davon, bewegt zu werden. Sich aufs Sofa setzen mit der Absicht, die Gelenke zu schonen, bringt nichts! Man kann seine Knie also tatsächlich fit halten, durch Bewegung und Sport. Manche Sportarten sind nicht sehr gelenkschonend, zum Beispiel Fußball. Wenn man mit den Stollen im Rasen festsitzt und sich dreht, lastet das komplette Körpergewicht auf dem Knie. Gleichmäßige Bewegungen, wie beim Fahrradfahren oder beim Joggen, sind gut. Sportarten mit Gegnerkontakt oder plötzlichen Richtungswechseln sind eher riskant für die Knie. Meistens ist aber Übergewicht das Problem. Stellen Sie sich vor, Sie tragen ständig einen 30 Kilo schweren Rucksack mit sich herum ¨– das belastet die Knie unnötigerweise. Manchmal sind auch O- oder X-Beine die Ursache für Fehlbelastungen. Von den Maßnahmen, die jeder im Alltag treffen kann, ist Übergewicht vermeiden und in Bewegung bleiben sicher am besten, um Arthrose vorzubeugen.  

Interview: Filipp Münst

04.03.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 14:01 Uhr

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